Bislang läuft die Freilassung auf Raten gut.
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Die Praxis, Kleinwale in Aquarien und Meeresparks auf viel zu geringem Raum zu halten, ist weltweit in die Kritik geraten. Betroffen sind in erster Linie Orcas und andere Delfine. Aber auch Belugas mit ihrer auffallenden weißen Farbe finden sich häufig als unfreiwillige Attraktionen wieder.

Zwei weibliche Belugas mit Namen Little White und Little Grey stehen nun vor der letzten Etappe ihrer langen Reise von der Gefangenschaft zurück zu einem Leben unter natürlichen Bedingungen. Sie waren wahrscheinlich zwei oder drei Jahre alt, als sie einst in arktischen Gewässern gefangen wurden. Die erste Zeit fristeten sie im Meeresgehege einer russischen Forschungsanstalt, 2011 gingen sie ans Aquarium Changfeng Ocean World in der chinesischen Metropole Shanghai.

Zurück zur Natur

Im Juni 2019 wurden die beiden Tiere dann in speziell für sie angefertigten Containern aus Shanghai in die isländische Klettsvik-Bucht geflogen. Dort lebten sie zunächst in Becken, erst diesen August wurden sie in ein Meeresgehege in der Bucht gebracht. Es ist eine Freilassung auf Raten: Nach so vielen Jahren in Gefangenschaft ist es sehr ungewiss, wie die beiden Wale ungeschützt in freier Wildbahn zurechtkommen würden. Künftig soll ihnen das 32.000 Quadratmeter große Meeresschutzgebiet in der Klettsvik-Bucht als Lebensraum dienen. Und das kann lange so bleiben: Belugas können 40 bis 60 Jahre alt werden.

Andy Bool, Leiter der für die Umsiedlungsaktion verantwortlichen Tierschutzorganisation Sea Life Trust, erklärte, die Wale sollten die Bucht nun "in kleinen Schritten" kennenlernen und zwischendurch immer wieder zur Überwachung ihres Gesundheitszustands in ihre Becken zurückkehren. Es sei toll gewesen, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie "erstmals zusammen durch die Flora und Fauna der weiteren Bucht schwammen und tauchten", so Bool. Little White und Little Grey hätten dabei den Eindruck gemacht, dass sie "es genießen, zurück im Meer zu sein".

Es war gut gemeint, aber hat ihm nicht gut getan: Keiko überlebte nur eineinhalb Jahre in Freiheit.
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Als warnendes Beispiel dafür, wie schwer sich Tiere, die lange Zeit in Gefangenschaft verbracht haben, in der Freiheit tun, dient der berühmte Orca Keiko, dessen Schicksal 1993 durch den Film "Free Willy – Ruf der Freiheit" weltbekannt wurde. Auch Keiko wurde aus einem Aquarium umgesiedelt und in der Klettsvik-Bucht freigelassen. Es gelang ihm allerdings nicht, sich an das Leben in der Natur anzupassen. Er starb 18 Monate nach seiner Freilassung in einem norwegischen Fjord. (red, APA, 28. 9. 2020)