"Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin", schrieb schon der amerikanische Schriftsteller Mark Twain. Seit der Antike streben die schönheitsbewussten (und wohlhabenden) Menschen daher danach, der Beauty-Pfuscherin Zeit unter die Arme zu greifen und die Haut möglichst lange frisch und faltenfrei zu halten.

Eine Vorreiterin in Sachen jugendlichem Aussehen im alten Ägypten war die für ihre sagenumwobene Schönheit bekannte Königin Kleopatra. Ihr Geheimrezept für makellos glatte Haut war ein regelmäßiges Bad in Eselsmilch. Dass dieses Ritual kein reines Placebo-Prozedere war, belegen moderne wissenschaftliche Erkenntnisse: Milch ist reich an Fetten, Eiweiß und Säure. Sie wirkt daher glättend und beruhigend.

Auch die römischen Patrizierinnen kannten bereits wirkungsvolle Mittel gegen die Hautalterung. Poppea Sabina, die Ehefrau des römischen Kaisers Nero, verwendete die ersten Gesichtsmasken, um Falten vorzubeugen. Auch dabei kam Milch zum Einsatz, kombiniert mit Honig und Mehl. Da auch sie regelmäßig in Eselsmilch zu baden pflegte, forderte ihre Schönheitspflege einigen Tribut. Angeblich führte sie auf Reisen stets eine Herde von 500 Eselstuten mit sich, um nicht auf ihre Milchbäder verzichten zu müssen.

Heute gibt es zahllose Anti-Aging-Produkte. Mit den Mittelchen vergangener Epochen haben sie nichts mehr gemein.
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Von Galen bis giftig

Deutlich weniger Aufwand erforderte die wenig später vom griechischen Arzt Galen entwickelte erste "Anti-Falten-Creme". Diese basierte auf Wasser, Bienenwachs und Olivenöl. Auch sie zeigte tatsächlich Wirkung. Bis heute finden sich diese Inhaltsstoffe auf den Etiketten vieler Anti-Aging-Produkte.

Diese Cremes mit leicht veränderten Rezepturen bildeten im Mittelalter die Basis der Hautpflege, die aber fast ausschließlich der Oberschicht vorbehalten war. Häufig enthielten die Salben zudem Heilkräuter, wie etwa Ringelblumen. Während diese pflanzlichen Zusatzstoffe bis heute Verwendung finden, verzichtet man auf die mitunter auch giftigen Pasten, die damals eingesetzt wurden. Im 16. und 17. Jahrhundert trug der Adel eine Mischung aus Eierschalen, Alaun, Honig und Quecksilber auf die Gesichtshaut auf.

Eine österreichische Vorreiterin in Sachen Anti-Aging war Sisi, die mit ihrem Körperkult heutigen Influencerinnen und Hollywood-Diven um nichts nachstand. Sie schwor auf Masken aus Kalbfleisch und Erdbeeren, die durch das im Fleisch enthaltene Collagen und die Säure der Beeren auch tatsächlich wirkten.

Die erste kosmetische Creme mit Hormonen, die der Hautalterung vorbeugen sollte, kam in den USA im Jahr 1927 auf den Markt. Durch die plastische Chirurgie sind zudem Eingriffe wie Facelifting und Botox-Behandlungen zu verbreiteten Jungbrunnenkuren geworden.

Nichtsdestotrotz haben die zunehmend ausgeklügelteren Anti-Aging-Methoden auch einen Gegentrend begründet: Immer mehr Menschen stehen lieber zu ihrem (Haut-)Alter, als sich im aufwendigen Kampf gegen die Zeichen der Zeit zu verlieren. Denn Falten erzählen stets auch Geschichten – oder wie Brigitte Bardot es formulierte: "Ich bin stolz auf meine Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht." (Antonia Rauth, RONDO Exklusiv, 7.6.2021)