DER STANDARD

Gleich zu Beginn kommt der große Angriff. Wien sei Schlusslicht bei der Arbeitslosenquote im Bundesländervergleich. Die Jugendarbeitslosigkeit sei nirgendwo anders so hoch, die Einkommen in der Hauptstadt seien im Österreich-Vergleich niedrig. Und während Wien in den 1980er-Jahren der Wirtschaftsmotor des Landes war, sei die Stadt nun zum Sozialmagneten geworden. "20 Prozent der Bevölkerung, aber 60 Prozent der Mindestsicherungsbezieher."

Markus Wölbitsch, nichtsamtsführender Stadtrat in Wien von der ÖVP, lässt an der rot-grünen Stadtverwaltung der vergangenen Jahr kein gutes Haar. Doch ebenso hart in der Sache kontert SPÖ-Stadtrat Peter Hanke: Wien lasse nun einmal niemanden zurück und werde deshalb die Mindestsicherung als letztes soziales Netz nicht kürzen. Die Einkommen seien auch deshalb niedriger, weil 200.000 Studierende in der Stadt leben. In einer Metropole mit starkem Zuzug sei die Arbeitslosigkeit nun einmal etwas höher. "Wien ist eine Stadt, die von der Migration lebt." Wien sei die "lebenswerteste und smarteste Stadt."

Wölbitsch und Hanke waren Gäste bei "STANDARD mitreden". Das Talkformat drehte sich diesmal nur um eine Frage: Ist Wien die lebenswerteste Stadt der Welt, wie die SPÖ sagt, oder ein Bremsklotz, wie die ÖVP das behauptet? Wer hat die besseren Argumente?

Hofer: ÖVP musste Ton im Wahlkampf ändern

Mit dabei war auch der bekannte Politbeobachter Thomas Hofer. Er analysierte den Wahlkampf von SPÖ und ÖVP und konstatierte, dass die ÖVP ihre Rhetorik verändert habe, ja verändern musste: Die Kritik an Wien werde viel differenzierter von der Kanzlerpartei vorgetragen, von "faulen" Städtern, die nicht in der Früh aufstehen und in die Arbeit gehen, sei keine Rede mehr, um eben mögliche Wähler nicht abzuschrecken.

Geladen war aber auch Ulrike Hellenkamp vom Beratungsunternehmen Mercer. Sie beschrieb, wie das Unternehmen seine bekannten Städterankings erstellt, bei denen Wien seit zehn Jahren die Nummer eins ist. Sie erklärte auch, warum Wien besser abschneidet als Schweizer Städte – und wo die Stärken und Schwächen der Stadt liegen. Viele Pluspunkte könne Wien beim Thema Wohnen sammeln.

Von Entlastungen und Willkommenskultur

Sehen Sie außerdem im Video: Würde es der Wirtschaft in der Stadt wirklich helfen, die Mindestsicherung zu kürzen? Wie argumentiert das ÖVP-Politiker Wölbitsch? Außerdem schlägt er vor, Wiener Unternehmer gezielt zu entlasten, und kritisiert die Wiener "Willkommenskultur". Hanke dagegen attackiert eine nach "rechts" gerückte ÖVP und beschreibt, was die Stadt tut, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern.

Sehen Sie weiters: Welche Fehler könnten die Parteien jetzt noch im Wahlkampf in Bedrängnis bringen, und was ist die Strategie der SPÖ in den letzten Wahlkampftagen? Hofer liefert die Antworten im Video. Ebenso diskutiert wird: Ist die Mercer-Studie nur eine Erhebung über die lebenswerteste Stadt aus Sicht von Topmanagern? (red, 1.10.2020)