Teheran hat den europäischen Staaten für ihre "sehr wertvollen Anstrengungen" gegen die Iran-Politik der USA gedankt und Washington zum Dialog eingeladen.

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Linz – Teheran hat den europäischen Staaten für ihre "sehr wertvollen Anstrengungen" gegen die Iran-Politik der USA gedankt und Washington zum Dialog eingeladen. Der "multilaterale Verhandlungstisch ist immer noch da. Und die USA können – sei es mit dieser Administration oder der nächsten – daran teilnehmen", sagte der neue iranische Botschafter in Wien, Abbas Bagherpour, den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Donnerstagsausgabe).

"Unnötige Krise"

"Wir bedanken uns bei den europäischen Ländern für ihre guten Positionen sowie für die sehr wertvollen Anstrengungen, die sie vor kurzem im Sicherheitsrat gegen die Maßnahmen, die die USA ohne Rechtsgrundlage ergreifen wollten, unternommen haben", sagte Bagherpour mit Blick auf den Versuch Washingtons, die UNO-Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft zu setzen. Die USA wollten dabei einen Mechanismus aus dem Wiener Atomdeal nutzen, den sie vor zwei Jahren einseitig aufgekündigt hatten.

Der Wiener Atomdeal habe "eine unnötige Krise (...) gelöst", betonte Bagherpour. Allerdings hätten auch die Europäer "unerfüllte Verpflichtungen, die es besser zu erfüllen gilt". Teheran warte "immer noch darauf, dass Europa die praktischen Maßnahmen ergreift, um die Verpflichtungen zum wirtschaftlichen Nutzen des Iran aus dem Atomabkommen zu erfüllen".

Auf die Frage, ob Amtsinhaber Donald Trump oder sein Herausforderer Joe Biden für den Iran der bessere US-Präsident wäre, sagte Bagherpour lachend: "Was glauben Sie?" Der Iran mische sich aber nicht in interne Angelegenheiten anderer Länder ein, betonte der Diplomat, der zugleich scharfe Kritik an der US-Politik übte.

US-Sanktionen waren "Terrorismus"

Dass die USA zum Höhepunkt der Coronakrise die Sanktionen verschärft hätten, "war wirtschaftlicher und medizinischer Terrorismus" und "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte der Diplomat. "Das werden wir nie vergessen." Man habe aber dank des "ausgezeichneten Gesundheitssystems" und des "unermüdlichen Einsatzes unserer Bevölkerung" diese Herausforderung meistern können. "Mehr noch, wir konnten unsere Kapazitäten steigern und sogar medizinische Schutzausrüstung in europäische und asiatische Länder liefern."

"Ganz genau" beobachte der Iran den Konflikt um Berg-Karabach. "Als gute Freunde von Aserbaidschan und Armenien helfen wir natürlich gerne bei der Problemlösung", sagte der iranische Botschafter. (APA, 30.9.2020)