Der junge Radprofi Quinn Simmons muss nun eine Zwangspause einlegen.

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Jungstar Quinn Simmons muss sich zumindest vorläufig aus dem Profiradsport verabschieden. Denn der 19-jährige US-Amerikaner und Nachwuchsweltmeister wurde von seinem World-Tour-Team Trek-Segafredo überraschend aus dem Rennkader geworfen, berichten Reuters und "Cycling Tips".

Der Grund: eine Reaktion auf einen Tweet, der scharfe Kritik an US-Präsident Donald Trump geübt und ihm eine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im November gewünscht hatte.

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Simmons gegen Trump-Kritiker

Was war geschehen? Die niederländische Radsportjournalistin Jose Been machte auf Twitter, wo sie immer wieder auch über ihre politischen Ansichten spricht, ihrem Ärger über Trump Luft. In den mittlerweile offenbar gelöschten Postings hieß es: "Meine lieben amerikanischen Freunde, ich hoffe, diese schreckliche Präsidentschaft endet bald für euch. Und für uns als (ehemalige?) Verbündete auch. Wenn ihr mir folgt und Trump unterstützt, könnt ihr gehen [Anm.: entfolgen]. Es gibt keine Entschuldigung, einem solch abscheulichen Mann zu folgen oder ihn zu wählen."

Simmons reagierte darauf mit der Botschaft "Tschüss" sowie einem Emoji, das eine Hand mit schwarzer Hautfarbe mit einer Winkgeste zeigt. Der Tweet fiel auch seinem Radsportteam auf, das das Statement nicht goutierte.

Der Fahrer, der schon in der Vergangenheit Sympathien für Trump erkennen lies, wurde aus dem Team genommen und wird "bis auf weiteres" keine Rennen mehr bestreiten. "Wir unterstützen das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber wir ziehen Menschen auch zur Verantwortung für ihre Worte und Taten", erklärte man dazu. "Bedauerlicherweise hat Simmons online Aussagen getroffen, die unserer Ansicht nach spalterisch, anstachelnd und nachteilig für das Team, den Profiradsport, die Fans und die positive Zukunft des Sports sind."

Radprofi besucht Medientraining

Das Vorgehen sorgte für Aufregung und auch Bedauern bei Been, die nach eigenen Angaben aufgrund dessen die halbe Nacht wach lag. Die Wogen haben sich seither etwas geglättet. Simmons hat eingewilligt, ein Medientraining zu absolvieren. Wann er wieder am Rennbetrieb teilnimmt, ist allerdings unklar.

Gefragt danach, wie man aufgrund zum Thema Rassismus stehe, antwortete Trek-Segafredo auf Twitter: "Rassismus ist inakzeptabel. Punkt." (red, 1.10.2020)

Update, 12:35 Uhr: Der Tweet des Radsportlers war als Kritik an der Journalistin gemeint, nicht an Donald Trump. Das Missverständnis wurde korrigiert, wir bedauern den Irrtum.