Donald Trump tritt durch die goldenen Türen des Walter-Reed-Krankenhauses ins Freie.

Foto: REUTERS/Jonathan Ernst

US-Präsident Donald Trump hat nach drei Nächten das Walter-Reed-Spital verlassen und wird seine Covid-19-Behandlung im Weißen Haus fortsetzen. Seine Heimkehr in die Pennsylvania Avenue war gespickt mit symbolischen Gesten.

Das Virus hat mich nicht in die Knie gezwungen, schien die Botschaft des Präsidenten zu sein, als er am Montagabend in Anzug und Maske durch die goldenen Türen des Spitals schritt. Oben an der Treppe hob er seine Faust auf Brusthöhe und drückte sie mehrmals nach vorne. Auf Fragen der Reporter antwortete Trump auf dem Weg zu seinem Auto nicht, sondern sagte nur "Danke, vielen Dank".

Salut des Präsidenten vor der Marine One ohne Maske.
NBC News

Mit dem Hubschrauber Marine One landete er nach zehnminütigem Flug vor dem Weißen Haus und drehte sich auf dem Balkon vor dem Eingang noch einmal um. Dann nahm Trump seine Gesichtsmaske ab und salutierte lange vor dem sich entfernenden Hubschrauber. Ohne Maske betrat er schließlich seinen Wohn- und Amtssitz, drinnen befanden sich mehrere Personen mit Maske.

Präsident "noch nicht über den Berg"

Wie es dem US-Präsidenten wirklich geht, ist auch nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nicht wirklich klar. Es gab in den vergangenen Tagen ja verschiedene Aussagen über seinen Zustand. Sein Leibarzt Sean Conley sagte jedoch früher am Tag, dass Trump noch nicht "über den Berg" sei und man ihn bis zum Wochenende noch genau beobachten müsse. Erst am Montag könnte man dann "endlich erleichtert aufatmen".

Bei einem Pressebriefing wichen die behandelnden Ärzte auf Fragen nach der Lungenfunktion des Präsidenten oder seinem letzten Corona-Test aus. Sie sagten aber, dass Trump eine dritte Dosis des Medikaments Remdesivir erhalten und auch weiterhin das Steroid Dexamethason verabreicht bekommen habe. Letzteres hat bei Covid-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf Erfolge gezeigt.

Trump spielt Virus runter

Der Tweet des Präsidenten: "Habt keine Angst."

In einer Twitter-Nachricht hatte sich Trump noch vor seiner Entlassung an die Öffentlichkeit gewandt und einmal mehr die Ernsthaftigkeit der Pandemie heruntergespielt., die alleine in den USA für 209.000 Tote und rund 7,4 Millionen Infizierte verantwortlich ist. Man solle sich nicht von dem Virus beherrschen lassen und keine Angst haben, schrieb der Präsident: "Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren."

Trump, der in den Wahlumfragen hinter seinem Herausforderer Joe Biden liegt, drängt nun zurück in die Arena. "Werde bald wieder auf Wahlkampftour sein!!!", kündigt er am Montag auf Twitter an. Der Sprecher des Wahlkampfteams, Tim Murtaugh, bestätigte auf Fox News, dass Trump am zweiten TV-Duell mit Biden am 15. Oktober teilnehmen wird.

Auch in einer Videobotschaft wandte sich der Präsident an die Bevölkerung.

Kayleigh McEnany, die ebenfalls positiv getestete Pressesprecherin Trumps, äußerte sich am Montagabend zum ersten Mal zu ihrer Infektion. Auf Fox News sagte sie, dass es ihr gut gehe und sie offenbar einen milden bzw. asymptomatischen Verlauf zu erwarten habe. Sie sei in Gedanken aber bei jenen Menschen, die schwer von dem Virus betroffen sind. Dass der Präsident aufrecht durch die goldenen Türen des Walter-Reed-Spitals getreten ist, nannte sie einen "schönen Moment für das Land".

Trumps Sprecherin über ihre Corona-Infektion.
Fox News

Weißes Haus blockiert strenge Richtlinien

Indessen wurde bekannt, dass hohe Beamte im Weißen Haus strenge Richtlinien für die Notfallzulassung eines Coronavirus-Impfstoffs blockieren. Durch diese wäre ziemlich sicher, dass kein Impfstoff mehr vor der Wahl am 3. November genehmigt werden könnte. Das berichtet die "New York Times".

Deshalb sucht die Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) andere Wege, um sicherzustellen, dass die Impfstoffe den Richtlinien entsprechen. So sollen die zu erfüllenden Standards mit einem externen Expertengremium geteilt werden, das sich öffentlich treffen soll, bevor irgendein Impfstoff auf den Markt kommt. Die Hoffnung der FDA ist, dass dieses Komitee die Richtlinien einhält – ungeachtet der Reaktion des Weißen Hauses. (Bianca Blei, 6.10.2020)