Der 44-jährige Putin-Kritiker erholt sich nach eigenen Angaben gut.

Foto: Reuters / Youtube - VDUD

Berlin/Moskau – Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat erstmals seit seiner Vergiftung und dem anschließenden Krankenhausaufenthalt in Berlin ein Video-Interview gegeben. Im Gespräch mit einem russischen Videoblogger erzählte er von seiner Genesung: Die Ärzte seien überrascht von den Fortschritten, die er mache, so der 44-Jährige.

Allerdings zitterten seine Hände weiterhin merklich, sagte Nawalny, was auch im Video zu sehen ist. Er befinde sich in Physiotherapie. Zu seiner Vergiftung meinte der Putin-Kritiker, er habe keine Ahnung, was genau ihm widerfahren sei, habe aber gedacht, er werde sterben. Das mehr als zweistündige Interview mit Nawalny und seiner Frau Julija wurde am Montag veröffentlicht und bisher beinahe eine halbe Million Mal aufgerufen.

Das mehrstündige Interview in russischer Sprache.
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Krankenhaus Ende September verlassen

Es ist das erste Mal seit dem Anschlag im August, dass der russische Oppositionspolitiker auf Video zu sehen ist. Nawalny war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen und nach einer Notlandung zunächst im sibirischen Omsk behandelt worden. Am 22. August wurde er zur Behandlung in der Berliner Charité ausgeflogen. Die deutsche Bundesregierung erklärte nach Tests in einem Speziallabor der Bundeswehr, Nawalny sei mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Das Gift war zu Sowjetzeiten entwickelt worden und fällt unter das internationale Chemiewaffenverbot. Am 7. September war Nawalny aus dem Koma erwacht, am 23. September konnte er die Charité verlassen. Zur weiteren Behandlung soll er sich noch immer in Deutschland aufhalten. (rio, APA, 6.10.2020)