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Eines muss man dem Moderatorenduo von Puls 24 und der "Kronen Zeitung" lassen: Bei der Elefantenrunde zur Wien-Wahl am Dienstagabend sorgten sie für eine recht lebendige Diskussion – und den einen oder anderen Lacher.

Die Kandidaten und die Kandidatin staunten beispielsweise, als sie an der Reihe waren, Fragen zu stellen – an jeweils einen anderen Kandidaten. Der Blick der grünen Spitzenkandidatin Birgit Hebein, als Heinz-Christian Strache nach No-Go-Areas und Integrationsproblemen in der Bundeshauptstadt fragte, sagte mehr als tausend Worte. Und als Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) wiederum den Spitzenkandidaten des Teams HC Strache fragte, warum er damals eigentlich die "Kronen Zeitung" verkaufen wollte, konnten sich die anderen Politiker ein Grinsen teilweise nicht verkneifen.

Hickhack bei Corona

Gestartet wurde in die Diskussion aber mit dem Thema, das auch den Wahlkampf bestimmte: Corona und die Frage, wie Wien durch die Krise kommt. Der Bürgermeister, der die Diskussion cool bis staatsmännisch anlegte, ist naturgemäß der Meinung, dass hier alles ganz gut geklappt habe. Da stimmte ihm sogar ÖVP-Kandidat Gernot Blümel zu. Allerdings nur mit dem Nachsatz, dass er bei Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nicht das Gefühl habe, dass dieser die Krise immer ernst genommen habe.

Es blieb nicht immer so harmonisch. Spätestens bei der Sperrstunde und der Bewertung des schwedischen Weges gingen die Wogen hoch. "Wenn hier drinnen schon so ein Hickhack ist, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich die Menschen nicht mehr auskennen", grätschte Hebein hinein.

Lange Diskussion über Migration

Den restlichen Abend gab es dann nur noch ein Thema: Migration und Integration. Naturgemäß wurde auch hier kontrovers diskutiert. Neos-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr fasste es an einem Punkt gut zusammen: "Hier gibt es einen Wettlauf nach rechts." Vor allem FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp uns sein ehemaliger (Partei-)Freund Strache konnten ausholen und kritisierten Rot und Grün – aber auch Blümel. Denn der sei eine Mogelpackung. Das Original zu sein beanspruchen freilich beide Herren für sich. Blümel mischte sich auffallend wenig in diesen "Wettlauf" ein.

Hebein konnte sich irgendwann nicht mehr zurückhalten. Hinschauen bei Problemen sei notwendig. Aber: "Wir stehen in Wien für Zusammenhalt, dafür, dass wir Krisen gemeinsam bewältigen. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren", sagte sie in Richtung von Strache und Nepp.

Was Ludwig an Wiederkehr schätzt

Überraschend wurde es dann am Ende. Die neue Aufgabe an die Kandidaten: einander ausrichten, was man am anderen schätzt. Er habe Wiederkehr zwar schon gekannt, aber dass dieser inhaltlich so kompetent sei, habe er nicht gewusst, streute Ludwig diesem Rosen. Wasser auf die Mühlen jener, die eine Koalition mit den Neos voraussagen. Bald wissen wir mehr. (Lara Hagen, 6.10.2020)