Es wird spannend, nicht nur für Ruttensteiner und Israel.

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Glasgow – Mit mehr als sechs Monaten Verspätung geht das Rennen um die letzten Startplätze bei der auf nächstes Jahr verschobenen Fußball-Europameisterschaft ins Finish. 4 aus 16 lautet die Rechnung in den Play-offs, die am Donnerstag (20.45 Uhr) mit den Halbfinali starten. Mittendrin hofft auch ein Österreicher: Israels Neo-Teamchef Willi Ruttensteiner will seine Auswahl zur Endrunde führen. Den Oberösterreicher beschäftigten vor dem Duell mit Schottland allerdings interne Querelen.

"Ich bin sehr verletzt"

Vergangene Woche brachte Ruttensteiner seinen Ärger über Indiskretionen zum Ausdruck. In einem Interview mit der Zeitung "Jedi'ot Acharonot" kritisierte der 57-Jährige, dass der israelische Verband (IFA) Absprachen mit ihm öffentlich gemacht habe. "Ich bin sehr verletzt von dem Verhalten um mich herum", sagte Ruttensteiner, der im Juli den Posten von Andreas Herzog übernommen hatte. Zuvor hatte Ruttensteiner schon als Sportdirektor für den Verband gearbeitet. In Coronazeiten musste dieser freilich sparen. Ruttensteiners Vertrag wurde neu aufgesetzt und endet nun Ende 2020.

Potenzieller Nachfolger

Selbst wenn Israel die Hürde Schottland im Hampden Park von Glasgow nehmen sollte und sich in Folge auch im Play-off-Finale gegen den Sieger aus Norwegen gegen Serbien durchsetzt, wäre ein Verbleib Ruttensteiners im kommenden EM-Jahr nicht sicher. Auf die Frage, ob er selbst bei einer Endspiel-Teilnahme gehen könne, antwortete er: "Kann sein. Nur ich entscheide über meine Zukunft." Der Abschied bei einer Niederlage im K.o.-Duell in Glasgow scheint festzustehen. Mit Yossi Aboksis von Hapoel Beer Sheva wurde schon ein Nachfolger medial in Stellung gebracht.

Für einen Sieg der Israelis spricht die starke Offensivabteilung um den nun für PSV Eindhoven stürmenden Torjäger Eran Zahavi, Ex-WAC-Torschützenkönig Shon Weissman, Munas Dabbur oder den 21-jährigen Manor Solomon von Schachtar Donezk. Defizite offenbarte Israel oftmals in der Defensive. Einige Spieler, wie die Akteure von Meister Maccabi Tel Aviv, fehlen außerdem aufgrund von Corona-Infektionen. Diese legten zuletzt die heimische Liga lahm. Als geradezu erfreulich wurde demnach bewertet, dass mit Verteidiger Loai Taha zwei Tage vor der Partie nur ein Spieler positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Déjà-vu

Ruttensteiner sieht die Chancen auf den Aufstieg "bei 50:50. Das ist eine Chance für den israelischen Fußball. Wir werden ein paar Überraschungselemente bringen. Ich glaube daran, dass wir Schottland mit einer guten Vorbereitung schlagen können", sagte er. Das jüngste Aufeinandertreffen ist erst einen Monat her. In der Nations League trennten sich die beiden Teams im Hampden Park mit einem 1:1, Zahavi traf bei Ruttensteiners Debüt für die Gäste.

Österreichbezug

Im für 12. November angesetzten Play-off-Finale wartet auf den Aufsteiger der Sieger des Duells zwischen Norwegen und Serbien. Für Österreich interessant: Qualifiziert sich Rumänien mit Siegen über Island bzw. den Gewinner der Begegnung zwischen Bulgarien und Ungarn für die EM, werden die Osteuropäer in der Gruppe mit den Niederlanden, der Ukraine und dem ÖFB-Team aufscheinen. Die Rumänen müssen dabei am Donnerstag in Reykjavik antreten. Ungarn haderte vor dem Antreten in Sofia mit dem Ausfall von Dominik Szoboszlai. Der Spielgestalter durfte nach den Corona-Fällen bei Salzburg aufgrund des Präventionskonzepts der Bundesliga nicht zum Nationalteam reisen. Die Bulgaren haben von den vergangenen 16 EM-Quali-Spielen nur eines gewonnen.

Zwischen Bosnien und Nordirland bzw. der Slowakei und Irland wird ein weiterer EM-Startplatz vergeben. Im Vierer-Feld der vermeintlich schwächsten Nationen kämpfen außerdem Georgien und Weißrussland bzw. Nordmazedonien und der Kosovo um ein Ticket. Schafft es Rumänien nicht, wird die Österreich-Gruppe durch den Sieger dieses Quartetts aufgefüllt. (APA, 7.10.2020)

EM-Play-off am Donnerstag (Halbfinale):

18:00 Tiflis: Georgien – Weißrussland
20:45 Bratislava: Slowakei – Irland
20:45 Glasgow: Schottland – Israel
20:45 Oslo: Norwegen – Serbien
20:45 Reykjavik: Island – Rumänien
20:45 Sarajevo: Bosnien-Herzegowina – Nordirland
20:45 Skopje: Nordmazedonien – Kosovo
20:45 Sofia: Bulgarien – Ungarn