Der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, am Donnerstag bei der Verkündung der Literaturnobelpreisträgerin in Stockholm.

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Die Entscheidung für den Österreicher Peter Handke hatte voriges Jahr die Kritik an der Schwedischen Akademie noch einmal verschärft. Mit seiner Haltung zum Jugoslawien-Krieg sorgte der Autor international für Aufregung, und in Schweden sahen manche die altehrwürdige Akademie nun vollends delegitimiert, nachdem 2018 schon ein Skandal um sexuellen Missbrauch und finanzielle Vorteilnahme aufgepoppt war. Der Wille zur Aufklärung war endenwollend, stattdessen gab es Rücktritte derer, die sich für Reformen aussprachen. Für die Vergabe des Literaturnobelpreises (auch rückwirkend für 2018 an Olga Tokarczuk) mussten externe Experten beigezogen werden.

Das Gremium scheint mittlerweile wieder in ruhigere Fahrwasser gekommen, nach zwei Todesfällen in den letzten zwölf Monaten sind derzeit 16 der 18 auf Lebenszeit vergebenen und von zahlreichen Privilegien begleiteten Plätze besetzt. Doch entschieden auch heuer externe Juroren darüber mit, wer die prestigeträchtigste Auszeichnung im Literaturbetrieb sein Eigen nennen darf.

Heuer drei externe Experten

Neben den Akademie-Mitgliedern Anders Olsson, Per Wästberg, Jesper Svenbro und Mats Malm begleiteten die Literaturkritiker Mikaela Blomqvist und Rebecka Kärde sowie der Übersetzer Henrik Petersen die Vergabe federführend. Das siebenköpfige Nobelkomitee erstellte aus den bis Ende Jänner eingegangenen, fast 200 Nominierungen bis Mai eine Shortlist von fünf Namen. Der Gewinner musste in einer Abstimmung im Herbst mehr als die Hälfte der Stimmen der abstimmungsberechtigten Schwedischen Akademie auf sich vereinen.

Das gelang Louise Glück. Nicht nur von jenen, die dem Preis Eurozentrismus vorwerfen, war ein schwarzer Autor erwartet worden. Glück stach die höher gehandelten Kollegen Maryse Condé mit karibischen Wurzeln und Ngugi Wa Thiong’o aus Kenia sowie Ljudmila Ulitzkaja, Margaret Atwood und Haruki Murakami aus. (wurm, 8.10.2020)