Ron Johnson, ehrenwerter republikanischer Senator aus Wisconsin, fragte vergangenes Wochenende merklich angerührt, wie man denn auf die Idee kommen könne, "ansteckende Krankheiten" überhaupt "eindämmen" zu wollen.

Foto: AP / Manuel Balce Ceneta

Politik und Zynismus stehen seit eh und je in einem Naheverhältnis zueinander. Politiker halten die Wähler für Koffer und präsentieren sich daher dümmer, als sie es sind, nur um die Spiegelneuronen (und Wählerstimmen) der vermeintlichen Koffer zu erobern.

Manchmal sind die vermeintlichen Koffer aber auch wirkliche Koffer und wählen die – tatsächlich oder vorgetäuscht – törichten Politiker, weil sie meinen, in ihnen ihr intellektuell dürftiges Ebenbild erkannt zu haben. Man erfreut sich an einem wohligen Beieinandersein unter dem Sternzeichen geteilter Idiotie. Die Devise lautet: Kinder, so deppert komma nimma zsamm!

Der US-Wahlkampf liefert momentan tagaus, tagein Musterbeispiele fokussierter Unintelligenz. Ron Johnson, ehrenwerter republikanischer Senator aus Wisconsin, fragte vergangenes Wochenende merklich angerührt, wie man denn auf die Idee kommen könne, "ansteckende Krankheiten" überhaupt "eindämmen" zu wollen.

Damit wollte er sich natürlich bei Donald Trump, dem Genie im Weißen Haus, einweimperln, der sich eher ins Knie schießen würde, als sich eine Maske vor die orange Pappulatur zu schnallen. Von Impfungen gegen Pocken, Polio oder Masern hat Herr Johnson offenbar noch nie gehört.

Coronare Exzesse

Wollen Sie sich mit passender Lektüre für die möglicherweise herannahenden einsamen Corona-Nächte wappnen? Dann empfehle ich das 1963 erschienene Buch Anti-intellectualism in American Life des Historikers Richard Hofstadter. Ein paar Jahre nach der McCarthy-Ära (der versoffene Senator McCarthy, wie Johnson aus Wisconsin, starb 1957, nachdem er die ganze USA effizient in einen Dauerzustand antikommunistischer Paranoia versetzt hatte) schildert Hofstadter eine Geschichte antiintellektueller Bestrebungen in den USA, die sich in unterschiedlichsten Formen gegen Wissen, Gelehrsamkeit und Expertentum richteten (dass Europa nach seinen historischen Erfahrungen diesbezüglich keinen Grund zum Dünkel hat, versteht sich von selbst).

Nach den jüngsten coronaren Exzessen Trumps ist klar, worin die US-Wahlen münden werden: in einer Niederlage oder in eine Apotheose des obwaltenden globalen Politschwachsinns. Hoffen wir, dass die Amerikaner die richtige Wahl treffen. Betroffen sein werden wir so oder so. (Christoph Winder, 10.10.2020)