Gretchen Whitmer, Gouverneurin von Michigan, wurde Ziel eines rechtsextremen Komplotts.

Foto: Michigan Office of the Governor via AP

"Schnapp sie dir, Mann. Greif dir die verdammte Gouverneurin", wird Adam Fox von einem Undercover-Agenten zitiert, den das FBI in eine Gruppe rechtsradikaler Fanatiker eingeschleust hat. "Schnapp sie dir einfach, die Hexe. Wenn wir es nämlich machen, Kumpel, dann ist es vorbei."

Fox wurde diese Woche in Ypsilanti, einer Kleinstadt in der Nähe Detroits, festgenommen. Offenbar hatten er und fünf weitere Mitglieder einer rechtsextremen Miliz ihre Pläne so weit konkretisiert, dass die amerikanische Bundespolizei nicht länger warten wollte. Bis auf eine Ausnahme sitzen die sechs in Untersuchungshaft. Wie das FBI in einer am Donnerstag veröffentlichten Anklageschrift darlegte, sollte Gretchen Whitmer, die Gouverneurin Michigans, in ihrem Ferienhaus gekidnappt und über den Michigansee nach Wisconsin verschleppt werden. Dort wollte man ihr wegen "Hochverrats" an einem geheimen Ort den Prozess machen.

Konkrete Entführungspläne

Im August und September, so die Ermittler, hatten die Verschwörer das private Anwesen der Politikerin ausgekundschaftet. Auch eine Highway-Brücke in der Nähe nahmen sie ins Visier. Dort wollten sie einen Sprengsatz anbringen, um vom eigentlichen Tatort abzulenken. Offenbar sollte er in dem Moment detonieren, in dem sie Whitmer entführten, in ein Boot zwangen und mit ihr verschwanden. Am Mittwoch dieser Woche wollten die Männer nach Angaben des FBI das Material kaufen, das sie zum Bau einer Bombe benötigten. Es dürfte der Auslöser für ihre Festnahme gewesen sein. Bereits seit Juni hatten sie sich regelmäßig getroffen, um mit Waffen zu üben und Sprengkörper zu basteln. Noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November sollte ihr Plan Wirklichkeit werden.

Für das rechte Amerika ist Whitmer, seit Beginn der Corona-Krise eine der schärfsten Kritikerinnen des Präsidenten Donald Trump, nicht einfach eine politische Gegnerin. Vielmehr wird sie als Symbolfigur eines Kindermädchenstaats porträtiert, der unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Seuche Freiheitsrechte beschneide. Im Frühjahr, als sich die Autometropole Detroit mit ihrer afroamerikanischen Bevölkerungsmehrheit zu einem der Hotspots der Epidemie entwickelte, verfügte sie einen strengen Lockdown für ihren Bundesstaat. Die eigene Wohnung durfte man nur verlassen, um einzukaufen oder sich körperlich fit zu halten. Anhänger Trumps, einige mit Sturmgewehren bewaffnet, zogen daraufhin zum Parlament in der Provinzhauptstadt Lansing, um lautstark zu protestieren. "Stoppt die Tyrannei!", war auf Postern zu lesen, während der Präsident in Großbuchstaben twitterte: "BEFREIT MICHIGAN!" In der Gruppe um Adam Fox war denn auch, folgt man den Protokollen der Detektive, oft von einer Tyrannin die Rede, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse.

Demokratische Hoffnungsträgerin

Die Demokraten wiederum sehen in Whitmer, 49, eine Hoffnungsträgerin, wurde sie doch 2018 mit klarem Vorsprung zur Gouverneurin eines Rust-Belt-Staats gewählt, der Trump zwei Jahre zuvor den Vorzug vor Hillary Clinton gegeben hatte. Im Sommer zog Joe Biden sie in die engere Wahl, als er eine Bewerberin für die Vizepräsidentschaft zu nominieren hatte. Offensichtlich ging es den potenziellen Entführern auch darum, ein Exempel an einer Frau zu statuieren, die zu den aufstrebenden Stars des linksliberalen Amerika gehört.

Insgesamt 13 Männer müssen nun mit einer Anklage rechnen. Neben der Zelle um Fox handelt es sich um sieben Mitglieder beziehungsweise Sympathisanten der "Wolverine Watchmen", einer rechtsextremen Miliz. Nach Erkenntnissen der Ermittler wollte Fox Absprachen mit ihr treffen, um einen Sturm auf das Kapitol Michigans vorzubereiten, in seinen Augen ein Signal für einen Bürgerkrieg. Zudem sollen Anschläge auf bestimmte Polizeibeamte geplant gewesen sein.

Whitmer warf Trump nach Bekanntgabe der Klage vor, gewaltbereite Gruppen am rechten Rand noch zu ermuntern mit seiner Aufforderung, sich einerseits zurückzuhalten und andererseits bereitzustehen. "Stand back and stand by", hatte er, an die "Proud Boys" gerichtet, vor wenigen Tagen während einer TV-Debatte mit Biden gesagt, statt sich eindeutig von weißen Überlegenheitsfanatikern zu distanzieren. Zwar gebe es in den Gerichtsakten keinen Hinweis darauf, dass sich die beiden Milizen in Michigan vom Präsidenten inspirieren ließen, sagte Whitmer. Extremisten hätten seine Worte aber gewiss nicht als Zurückweisung verstanden, vielmehr als "Schlachtruf, als einen Aufruf zum Handeln". (Frank Herrmann aus Washington, 9.10.2020)