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Foto: AP / Ronald Zak

Wahlinformationskarte, Check! Amtlicher Ausweis, Check! Eigener Kugelschreiber, Check! Mund-Nasen-Maske, Check! Schon die Vorbereitungen für den Gang zur Wahlurne waren diesmal speziell. Und auch die Wahllokale für die Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen selbst standen ganz im Zeichen der Coronavirus-Krise.

Um zu verhindern, dass die Wien-Wahl zum Superspreaderereignis wird, war der Babyelefant überall mit dabei: Abstand beim Anstellen, Abstand zu und zwischen den Wahlbeisitzerinnen und Beisitzern, Abstand beim Abgang von der Wahlkabinenbühne.

Dazu: jede Menge Desinfektionsmittel. Jedes der rund 1.400 Wahllokale, viele davon wie immer in öffentlichen Schulen, wurde im Vorfeld desinfiziert. Und wer wählen wollte, musste vor Ort die Hände keimfrei machen. Kein leichter Job für so manche Wahlhelfer, die dazu eingeteilt waren zu erklären, wie der berührungslose Desinfektionsspender funktioniert. Auch wenn es eigentlich ganz einfach ist: Hände darunterhalten, schon tröpfelt die Flüssigkeit. Wer darauf vergaß oder zögerte, wurde ermahnt.

Kurze Demaskierung

Und dann das mit den Masken. Absolute Pflicht im Wahllokal. Außer für den kurzen Moment, in dem zwecks Überprüfung der Identität das Foto im Ausweis mit dem realen Gesicht der Person verglichen werden sollte. Aber nicht überall soll diese kurze Demaskierung mit gleicher Intensität verlangt worden sein, wie Berichten auf Twitter und Co zu entnehmen war.

Nicht gerade leicht hatten es jedenfalls Wahlbeisitzerinnen und -beisitzer, die mehrere Stunden lang im Einsatz waren und drinnen immer Masken oder Gesichtsvisiere tragen mussten – obwohl es für sie zusätzlich großzügige Plexiglasverbauungen in den Wahllokalen gab.

Acrylglas-Burg

Plexiglas gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise, mögen so manche Wählerin und so mancher Wähler angesichts der durchsichtigen Burgen gedanklich abgeschweift sein. Wobei Plexiglas eigentlich ein Markenname ist. Polymethylmethacrylat, oder einfach Acrylglas, ist die korrekte Bezeichnung für den transparenten thermoplastischen Kunststoff, der schon in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.

Zurück zum Wahlbeisitz: Kurzfristige Aufregung gab es in Wien-Wieden. Eine Beisitzerin der FPÖ, die extra aus Oberösterreich angereist war, soll laut einem Beisitzkollegen ohne Maske zum ehrenamtlichen Dienst erschienen sein. "Als ich ihre eine Maske angeboten habe, hat sie diese verweigert und gesagt, sie hat ein Attest und müsse keine tragen", schilderte der Kollege im Gespräch mit dem STANDARD.

Umstrittener Arzt

Dieses Attest habe sie zwar nicht auf Papier dabei gehabt, aber ein Foto davon auf dem Smartphone. Nach einer kleinen Google-Recherche stellt sich heraus, dass das Attest von dem in Bad Aussee praktizierenden Arzt stammte, der im Verdacht steht, Maskenverweigerern via Facebook entsprechende Atteste gegen Geld angeboten zu haben. Ärztekammer und Staatsanwaltschaft ermitteln, für den Arzt gilt die Unschuldsvermutung.

Der maskenlosen Beisitzerin sei ein durchsichtiges Gesichtsvisier angetragen worden, doch auch dieses habe sie verweigert, hieß es. Die Wahlleiterin habe sich daraufhin telefonisch mit der Wahlbehörde im Magistrat beraten und schließlich entschieden, dass die Beisitzerin durch einen Ersatzbeisitzer der FPÖ ausgetauscht werden müsse.

Darüber hinaus gab es bis Sonntagnachmittag keine Zwischenfälle. Auch die Politik blieb brav: Wegen der Corona-Pandemie wurden alle Parteifeiern abgesagt. (cms, simo, 11.10.2020)