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Viele SAP-Kunden schieben angesichts von Umsatzeinbrüchen die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle auf die lange Bank. 43 Prozent würden den Wechsel zu dem neuen Kernsoftwarepaket S/4Hana hinauszögern oder prinzipiell zurückstellen, geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) hervor. Allerdings beschleunigt oder verfolgt die Hälfte ihre S/4Hana-Projekte auch.

Die Anwender befänden sich "in einem Spannungsfeld aus sinkenden Umsätzen, massiv schrumpfenden IT-Budgets bei gleichzeitig höheren Anforderungen durch die Digitalisierung", sagte der DSAG-Vorsitzende Marco Lenck zum Auftakt des 21. DSAG-Jahreskongresses. Der Studie zufolge ging im Sommer wegen der Coronakrise bei fast drei Vierteln der Befragten der Umsatz zurück, teils sogar stark.

Anforderungen an die Digitalisierung

"In der Krise steht im Mittelpunkt, dass Unternehmen mit weniger Geld schneller etwas erreichen. Am besten sind bereits vorgedachte Lösungen, die dabei helfen, eine nachhaltige Digitalisierung zu stemmen", sagte Lenck und verwies darauf, dass eine große Mehrheit der Befragten wegen der Coronakrise die Anforderungen an die Digitalisierung höher einstuften.

Die DSAG, in der sich mehr als 60.000 SAP-Nutzer aus gut 3.700 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben, drängt seit Jahren auf eine stärkere Hilfeleistung durch Europas größten Technologiekonzern bei der Umstellung auf Softwareanwendungen aus der Cloud und eine stärkere Integration von Programmen. Der neue SAP-Chef Christian Klein gab sich gegenüber Journalisten lernwillig: "Beim Thema Integration war die Kritik sehr berechtigt. Das haben wir uns zu Herzen genommen." Klein versprach bis Jahresende bei Kernprozessen wie der Personalverwaltung beispielsweise ein einheitliches Datenmodell oder eine durchgängige Nutzererfahrung. Derzeit seien mehr als die Hälfte der Entwicklungsaufwände erledigt, etwa 90 Prozent würden es bis Jahresende sein, kündigte der SAP-Chef an.

Angesichts der Umsatzeinbrüche beispielsweise bei Fluggesellschaften versprach Klein Entgegenkommen bei den Zahlungsvorgaben: "Wir wollen eine Kundenbeziehung auf Dauer." Für das eigene Geschäft rechnet Klein allerdings nicht mit Rückschlägen: "Wir gehen davon aus, dass die Transformation im IT-und Technologiesektor Fahrt aufnehmen wird und die Nachfrage steigt." Am 26. Oktober gibt der deutsche DAX-Konzern Einblick in das dritte Quartal. (APA, 12.10. 2020)