Diplomatisch, aber unmissverständlich fordert der Vizechef der Fed, Richard Clarida, ein neues Konjunkturpaket.

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Washington – Trotz der Aufholjagd nach der Corona-Krise wird die US-Wirtschaft nach Ansicht eines führenden Währungshüters noch längere Zeit für die vollständige Erholung brauchen. Seit Mai seien die Konjunkturdaten zwar "überraschend stark" ausgefallen, sagte der Vizechef der US-Notenbank Fed, Richard Clarida, am Mittwoch.

Noch immer stecke die Wirtschaft in einem tiefen Tal und werde bis zum Erreichen des Vorkrisenniveaus "vielleicht noch ein Jahr" benötigen.

Arbeitslosigkeit bleibt länger Patient

Bei der stark angestiegenen Arbeitslosenquote seien sogar drei Jahre zu veranschlagen. "Zusätzliche Unterstützung von der Geldpolitik – und wahrscheinlich auch von der Haushaltspolitik – wird benötigt werden", sagte Clarida. Die Fed stehe bereit, ihr gesamtes Instrumentarium zur Stützung der Wirtschaft einzusetzen.

Drei Wochen vor der Präsidentenwahl zeichnet sich am US-Arbeitsmarkt keine starke Belebung nach der Corona-Rezession ab. Vorige Woche stellten 840.000 Amerikaner Erstanträge auf staatliche Arbeitslosenhilfe – das sind laut Arbeitsministerium 9.000 weniger als zuletzt. Ökonomen hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 820.000 gerechnet. Die Zahl der Anträge auf staatliche Stütze bleibt etwa viermal so hoch wie zu Jahresbeginn, also vor Ausbruch der Corona-Krise.

Bei neuen Konjunkturhilfen der Politik hakt es jedoch vor den Präsidentschaftswahlen Anfang November: Die Verhandlungen sind festgefahren, Regierung und Demokraten kamen bis dato auf keinen grünen Zweig. Die US-Regierung hatte dem Kongress zuletzt nur stark abgespeckte Soforthilfen vorgeschlagen. Auch beim Volumen der Staatshilfen liegt man weit auseinander. (Reuters, red, 14.10.2020)