An besagtem Wochenende Mitte März begannen die Uhren in Österreich sich anders zu drehen. Corona, Wirtschaftskrise, explodierende Arbeitslosenzahlen. Der Status quo ist bekannt. Nun hat sich der Kreditschutzverband KSV1870 angesehen, welche Auswirkungen diese Krise auf die Zahlungsmoral hat, wer bei seinen Rechnungen hintan ist und wer nicht.

Eine interessante Sensibilisierung für Rechnungen stellte der KSV bei Privatpersonen fest. Neun von zehn Personen zahlen im Schnitt innerhalb von 13 Tagen – ohne Verzug –, und somit sogar zwei Tage schneller als vergangenes Jahr. Ein Spitzenwert im europäischen Vergleich. "Als Inkassobüro führt man viele unangenehme Gespräche mit Schuldnern", erklärt Chef des KSV-Forderungsmanagements Walter Koch. "Das hat sich mit Beginn des Lockdowns schlagartig geändert. Die Menschen haben sich darauf fokussiert, ihren Finanzhaushalt in Ordnung zu halten." Von beiden Seiten sei viel Druck abgefallen.

Grosso modo wird jede vierte Rechnung in Österreich zu spät beglichen. Somit hat sich die Zahlungsmoral im Vergleich zu 2019 doch etwas verschlechtert. Zwar bezahlen Firmen auch innerhalb einer Frist. Deutlich länger auf sich warten lässt heuer allerdings der Bund. Das kam bei einer aktuellen Umfrage des KSV1870 unter 1.200 Unternehmen heraus.

Privatpersonen bezahlen heuer trotz Krise ihre Rechnungen noch schneller als im Vorjahr.
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Bund braucht 13 Tage länger

Vergangenes Jahr beglich die Republik die von Unternehmen an sie gestellten Forderungen in 36 Tagen, heuer müssen Unternehmen im Schnitt 49 Tage warten. "Die gestiegene Dauer beim Bund hängt stark damit zusammen, dass die Corona-Hilfsmaßnahmen und Förderungen gefühlt verspätet wahrgenommen wurden", sagt KSV1870-Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral.

Zwar zahlen Firmen relativ pünktlich, dennoch hinkt ein Viertel hinterher. Das hängt laut KSV aber auch damit zusammen, dass sich das Zahlungsziel verkürzt hat. Hatten Firmen 2019 noch 24 Tage Zeit, sind es heuer nur noch 18. Unternehmer gehen aber davon aus, dass sich die Zahlungsmoral 2021 verschlechtern wird.

Fast 90 Prozent betroffen

Die Pandemie hat praktisch jede Branche in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt sind es gerade zwölf Prozent der Unternehmen, die nicht betroffen sind. Die IT-Branche und der Bau seien glimpflich davon gekommen. Am härtesten trifft die Krise wenig überraschend Klein- und Kleinstunternehmen. Mehr als 40 Prozent geben stark sinkende Umsätze an. Ihnen fehlt im Vergleich zu großen Betrieben das Eigenkapital. Bei Großunternehmen seien nur 15 Prozent stark betroffen.

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Nichtsdestotrotz spiegeln die aktuellen Firmenpleiten – diese sind um die Hälfte gesunken – die wirtschaftliche Realität nicht wider. Im Gegenteil. Institutionen, die größtenteils Konkursanträge stellen, einerseits die Finanzämter und andererseits die Krankenkassen, haben die Anträge vorübergehend ausgesetzt. Damit ist gewiss: Mit Ende der Stundungen und Aufschüben, etwa bei der Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge (Jänner 2021), wird es zu einem sprunghaften Anstieg der Insolvenzen kommen.

KSV-Chef Vybiral erwartet Zuwächse im zweistelligen Bereich. Entscheidend werde dabei sein, wie die Regierung mit den Stundungen umgeht. "Es muss irgendwann eine Bereinigung stattfinden."

Strukturelle Reformen

Ähnliches erwartet KPMG-Chefökonom Stefan Fink, sieht aber auch eine Chance: "Stützungsmaßnahmen für Firmen mit aussichtsreichen Geschäftsmodellen gehören wohlüberlegt weitergeführt. Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit erhalten und stärken." Außerdem brauche es strukturelle Reformen, die bisher verabsäumt wurden. Sie reduzieren den Spielraum für künftige wirtschaftspolitische Impulse und seien von zentraler Bedeutung für den Standort. (Andreas Danzer, 14.10.2020)