Starke Regenfälle machen den Camp-Bewohnern zu schaffen.

Foto: AFP

Die Zelte sind nicht annähernd wetterfest.

Foto: Reuters

Nachdem das Zeltlager Kara Tepe auf Lesbos diesen Dienstag zum zweiten Mal durch starke Regenfälle überflutet worden war, bauten die Flüchtlinge nun Drainagen zwischen den Zelten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, damit das Wasser abfließen kann. Einige Zelte standen am Dienstag vollständig unter Wasser, die Bewohner mussten in andere Unterkünfte gebracht werden, und einige Zelte in besonders exponierten Lagen wurden woanders wieder aufgebaut.

Mittlerweile wurden große Gemeinschaftszelte eingerichtet, in denen die Menschen bleiben können, sobald es regnet. Doch die Bedingungen in dem Zeltlager für etwa 7.800 Menschen, in das die Flüchtlinge übersiedelt wurden, nachdem das Camp Moria am 8. September abgebrannt war, sind nicht winterfest. Auch die medizinische Versorgung im Camp ist spärlich.

Dringende Maßnahmen

Deshalb hat der UNCHR die griechische Regierung nun zu "dringenden Maßnahmen" aufgerufen, damit neue Einrichtungen geschaffen werden. Für manche Zelte wurden Holzpaletten organisiert, um das Eindringen von Wasser von unten zu verhindern. Doch auch dies hat in manchen Fällen wegen der starken Regenfälle nicht geholfen.

"Es sind dringende Maßnahmen und Verbesserungen erforderlich, um eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen von rund 7.800 Flüchtlingen und Asylwerbern zu vermeiden, die derzeit in der Notaufnahme in Kara Tepe untergebracht sind", so die Sprecherin des UNHCR, Shabia Mantoo. Mantoo wies auf "kritische Lücken in der Entwässerung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Hygiene und Gesundheitsversorgung, die unverzüglich angegangen werden müssen", hin.

Konflikt mit der Regierung

Mittlerweile ist es wegen dieser Kritik zu einem Konflikt zwischen dem Ministerium und dem UNHCR gekommen. Ein Sprecher des Ministeriums warf dem UNCHR vor, "vorurteilende Politik" zu machen und trotz wiederholter Zusagen die Infrastruktur in Kara Tepe nicht zu verbessern. Der UNHCR steht von vielen Seiten unter Druck. NGOs vor Ort haben dem UN-Flüchtlingshilfswerk vorgeworfen, überhaupt mit der Regierung zu kooperieren und das Lager Kara Tepe aufgebaut zu haben.

Manche NGOs vor Ort haben wiederum eine politische Agenda und versuchen das Thema Migration für ideologische Fragen zu instrumentalisieren, viele fordern vehement die Evakuierung der Flüchtlinge von Lesbos. Am griechischen Festland gibt es allerdings nicht ausreichend Einrichtungen, in denen die Menschen untergebracht werden könnten. Viele anerkannte Flüchtlinge sind auf dem Festland obdachlos, und manche kehren deswegen nach Lesbos zurück, weil sie dort zumindest ein Zelt über dem Kopf haben.

UNCHR liefert Kies und Paletten

Auf Ersuchen der griechischen Behörden liefert UNHCR nun Kies, um das Risiko von Überschwemmungen zu verringern. Auch Isoliersätze, Fußböden mit Paletten und Sperrholzplatten werden für Familienzelte zur Verfügung gestellt.

Für die Flüchtlinge ist vor allem problematisch, dass es noch immer kein Fließwasser und keine Duschen gibt. Zuletzt war von der Einrichtung von Notfallduschen die Rede. Die Wasserversorgung findet zurzeit mit Tankwagen statt. Die Verbindung des Lagers an die städtische Wasserversorgung hat in der Hauptstadt Mytilini für Ängste gesorgt, dass dadurch nicht mehr ausreichend Wasser für die Bürger der Stadt zur Verfügung stehen könnte.

Schließung von Zentren auf Lesbos

Angesichts der einsetzenden Regenfälle und des rauen Wetters drängt UNHCR auf sofortige Massnahmen auf allen griechischen Inseln der Ägäis und kritisiert die angekündigten Pläne zur Schließung von jenen Einrichtungen auf Lesbos, in denen hunderte Familien, Frauen und Kinder untergebracht sind. Dazu gehören das städtische Unterbringungszentrum in Kara Tepe und Pikpa, ein selbstorganisiertes Zentrum. Eine der Gründerinnen dieses Zentrums, die griechische Freiwillige Efi Latsoudi, erhielt 2016 den Nansen-Flüchtlingspreis des UNHCR. (Adelheid Wölfl, 15.10.2020)