Die Stahlsparte von Thyssenkrupp – im Bild die Kokerei in Duisburg – könnte bald britisch werden.

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Frankfurt/Düsseldorf – Der britische Konzern Liberty Steel will sich einem Insider zufolge die schwächelnde Stahlsparte von Thyssenkrupp schnappen. Es werde erwartet, dass Liberty am Freitag ein Angebot vorlegt, zitierte Reuters eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Liberty und Thyssenkrupp lehnten eine Stellungnahme ab. Der "Spiegel" hatte zuerst darüber berichtet.

Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz hat einen Verkauf der Stahlsparte nicht ausgeschlossen und auch einen Staatseinstieg plus Partner als Option bezeichnet.

Demo am Freitag

Die Meldung platzte in die Vorbereitungen für eine Demonstration der Stahlkocher von Thyssenkrupp Steel Europe am Freitag in Düsseldorf. Rund 3.000 Stahlkocher rund um Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikko wollen dabei ihrer Forderung nach einer Staatsbeteiligung Nachdruck verleihen. Sie stoßen bislang auf Ablehnung sowohl beim Bund als auch beim Land Nordrhein-Westfalen. "Alle Lösungen ohne Staatsbeteiligung sind besser, weil Politiker selten bessere Unternehmer sind", sagte Ministerpräsident Armit Laschet . Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stieß ins selbe Horn. Der Betriebsrat fordert eine Entscheidung bis Weihnachten.

Überkapazitäten und Fehler

Thyssenkrupp Steel beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter und ist durch die Corona-Krise schwer unter Druck geraten, schreibt hohe Verluste. Wichtige Kunden wie die Automobilindustrie hatten ihre Produktion massiv zurückgefahren. Die Stahltochter kämpft aber auch mit strukturellen Problemen wie Überkapazitäten und Billigkonkurrenz aus Fernost. Thyssenkrupp leidet zudem unter den Managementfehlern der Vergangenheit wie dem milliardenschweren Desaster von Steel Americas in Übersee.

Liberty Steel hat insgesamt mehr als 30.000 Mitarbeiter in Europa, Großbritannien, den USA und China und verfügt über eine Produktionskapazität von 18 Millionen Tonnen. Gegründet wurde das Unternehmen 1992 von Sanjeev Gupta. Er baute den Konzern durch Übernahmen aus, darunter Geschäfte von Tata Steel Europe sowie von Arcelor Mittal. (Reuters, 15.10.2020)