Entspannung in Corona-Zeiten: Profitiert haben nach dem Lockdown Wellnesshotels mit großen Badelandschaften, wo sich Menschen im Bedarfsfall aus dem Weg gehen können.

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Wien – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Österreichs Sommertourismus waren nicht für alle Hotels gleich schlimm. Während die Stadthotellerie insbesondere unter dem Fernbleiben ausländischer Gäste litt und immer noch leidet, ist bei den Wellnesshotels in Ferienregionen die Schere zwischen guten und weniger guten Häusern weiter aufgegangen. Wohlfühltempel mit hohem Qualitätsversprechen haben nicht nur die Preise anheben können; nach der coronabedingten Sperre waren sie auch gefragt wie nie.

"Die Auslastung nach dem Lockdown war so gut, dass wir für unsere Tester oft nur schwer Zimmer buchen konnten", sagte der Herausgeber des eben erschienenen Relax Guide 2021 (388 Seiten, 26,90 Euro), Christian Werner, dem STANDARD. Ein Merkmal der von den Gästen geschätzten Häuser sei gewesen, dass sie sofort auf die Situation reagiert und ihren Betrieb umgehend an die neuen Bedingungen angepasst hätten. "Das beginnt bei weniger Liegen im Poolbereich, Steuerung des Saunabesuchs durch Zuteilung von Zeitfenstern mit anschließenden Desinfektionsmaßnahmen und geht bis zu serviertem Frühstück statt Buffet und der Schließung des Wellnessbereichs für Tagesgäste", sagte Werner.

Dabei seien eindeutig Hotels im Vorteil, die ohnehin über große Spa-Bereiche verfügen und wo selbst nach Reduktion der Liegen noch genug Ruheplätze für Erholungsuchende vorhanden seien.

Maßnahmen trafen Erwartungen der Gäste

Die geschilderten Maßnahmen treffen auch die Erwartungen der Gäste. Bei einer Umfrage des Relax Guide unter 2.000 Personen, die im Sommer in einem Wellnesshotel Urlaub gemacht haben, gaben etwa neun von zehn an, dass ihr Hotel die Situation ernst genommen habe. Fast ebenso viele sagten, dass sich auch andere Urlauber rücksichtsvoll verhalten hätten – also Abstand hielten, Mund-Nasen-Schutz trugen und in engen Bereichen Körperkontakt vermieden.

Werner hat Ende der 1990er-Jahre als Erster begonnen, mit Wellness werbende Hotels zu erfassen, zu testen und zu klassifizieren. Im Zeitraum Sommer 2019 bis Sommer 2020 ist die Zahl einschlägiger Betriebe in Österreich mit 1.108 ziemlich stabil geblieben. Nur jedes fünfte Haus wurde mit zumindest einer Lilie ausgezeichnet – 28 Häuser haben sich verbessert, 120 wurden schlechter beurteilt. Die Reihung der Hotels erfolgt mittels eines Punktesystems, das sich an den besten Betrieben orientiert. Neben Wellnessinfrastruktur, Lage des Hotels, Service und Qualität des Essens werden die Stimmigkeit des Angebots und dieses Mal auch Vorkehrungen in puncto Hygiene im Ranking berücksichtigt.

Viele Lilien

Zu den Besten der Branche, die von den Testern vier Lilien erhalten haben, gehört der Steirerhof in Bad Waltersdorf, das Feuerberg Mountain Resort in Bodensdorf, Kärnten, das Gmachl Genussdorf in Salzburg/Bergheim, außerdem der Lanserhof in der gleichnamigen Tiroler Gemeinde, Reiters Reserve Supreme in Bad Tatzmannsdorf, Burgenland, das Astoria Resort im Tiroler Seefeld, Geinberg 5 Private Spa Villas in Oberösterreich, der Kaiserhof in Ellmau, das Posthotel Achenkirch (beide Tirol) und das Wiesergut in Saalbach-Hinterglemm.

Am teuersten ist für Wellness-Begeisterte ein Aufenthalt in Vorarlberg. Dort zahlt man in der günstigsten Saison und Zimmerkategorie mit Halbpension derzeit im Schnitt 183 Euro pro Person. Vergleichsweise am günstigsten ist es in Niederösterreich mit durchschnittlich 109 Euro.

Rückenwind für Wellnesshotels

Werner geht davon aus, dass die auf Qualität setzenden Häuser weiter gut durch die Krise kommen. "Die Maßnahmen haben sich inzwischen so eingespielt, dass sich die Hotels schnell an die jeweiligen Auflagen anpassen können", sagte Werner. Zudem sei die Sehnsucht vieler Menschen, der Corona-Bedrohung wenigstens für ein paar Tage zu entkommen, enorm. "Wenn man davon ausgeht, dass ein Auslandsurlaub weiterhin – wenn überhaupt – nur unter extrem schwierigen Bedingungen möglich sein wird, dann werden die Wellnesshotels hierzulande sicherlich profitieren", so Werner. Schwierig zu bewältigen seien allerdings kurzfristige Reisewarnungen.

Wie jedes Jahr wollte Werner auch heuer mit einem Team von Leuten sämtliche Hotels, die mit Wellness werben, screenen. Dann kam Corona, der Lockdown und lange nichts. Zum ersten Mal habe man es in der verbliebenen Zeit nicht geschafft, jedes einzelne Hotel auf Herz und Nieren zu prüfen, bedauert Werner. In einigen Fällen habe man sich auf Hausführungen beschränken müssen. (Günther Strobl, 16.10.2020)