An der montenegrinische Küste kommen nur selten Flüchtlingsboote an.

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Podgorica – Die montenegrinische Küstenwache hat ein Segelboot mit 52 Migranten an Bord aufgebracht und in einen Jachthafen bei Herceg Novi geleitet. Bei den Flüchtlingen handle es sich um türkische Staatsbürger, berichtete der lokale Rundfunksender Radio Jadran am Samstag.

Das Segelboot fuhr dem Bericht zufolge unter kroatischer Flagge mit serbischer Besatzung. Die Küstenwache hatte es in internationalen Gewässern nahe der montenegrinischen Küste aufgespürt. Polizei und Staatsanwaltschaft in Herceg Novi leiteten Untersuchungen ein.

Montenegro liegt auf einem eher wenig frequentierten Nebenpfad der sogenannten Balkanroute. Flüchtlinge können von dort über Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien nach Mitteleuropa gelangen, insofern sie die mehr oder weniger gut bewachten Grenzen auf Schleichwegen überwinden. Menschenrechtler berichten immer wieder von Übergriffen der kroatischen Polizei, die ertappte irreguläre Grenzgänger brutal misshandeln und ihrer Habseligkeiten berauben würden.

Schlepperfahrt auf Jacht

Die Passagiere des aufgebrachten Segelbootes sollten offenbar nicht über die Balkanroute in die EU gelangen, sondern über das offene Meer direkt nach Italien. In der Vergangenheit war gelegentlich von derartigen Schlepperfahrten von der türkischen oder tunesischen Küste nach Italien zu hören.

Als "Kunden" kommen dafür aber nur wohlbetuchte Menschen infrage, weil sich die Schlepper den Aufwand teuer bezahlen lassen. Ein Europol-Bericht aus 2017 nannte einen Preis von 6.000 Euro pro Person. Überfahrten in derartigen Jachten sind zugleich sicherer, die Schiffe werden in der Regel von professionellen Besatzungen gesteuert. (APA, 17.10.2020)