Tatsächlich verzeichnet Österreich am Samstag 1.747 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Zuvor waren 2.317 neue Corona-Positive kolportiert worden.

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Es war ein Paukenschlag Samstagfrüh: 2.317 Corona-Neuinfektionen in Österreich in den vergangenen 24 Stunden. Das gab es noch nie seit Pandemiebeginn. Zusätzlich ein neuer Höchstwert in Wien. Der Boulevard berichtet darüber, einige weitere Medien auch. Selbst die internationale Nachrichtenagentur Reuters verfasst eine Meldung, dass Österreich erstmals die 2000er-Marke überspringt – mit Verweis auf die "Kronen Zeitung". Der Schönheitsfehler der Berichterstattung: Die Zahlen sind falsch.

Am frühen Nachmittag werden erste Korrekturen veröffentlicht. Um 15.59 Uhr verschickt das Gesundheitsministerium eine Klarstellung: Österreich verzeichnet tatsächlich einen neuen Corona-Höchstwert – allerdings mit 1.747 Neuinfektionen innerhalb eines Tages.

Die korrekten Zahlen zeigen: Die Werte von Wien, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark und aus dem Burgenland sind zuvor falsch kolportiert worden – bis auf jene aus dem Burgenland waren alle zu hoch. Die Hauptstadt erlebt mit 599 Fällen auch keinen neuen Höchststand. In den vier anderen Bundesländern hatten die Zahlen gestimmt.

Gesundheitsministerium: "Nicht von uns"

Das Gesundheitsministerium hält in seiner Aussendung fest: "Kolportierte Zahlen von heute Morgen stammen nicht aus dem Gesundheitsministerium." Es stellt sich die Frage: Woher stammen sie dann?

Die Bundesländer melden täglich zwischen 9 und 10 Uhr ihre aktuellen Zahlen beim Innenministerium ein. So geschah es auch am Samstag. Aus Wien wurden die Daten an diesem Tag allerdings später übermittelt als üblich.

Die Wiener Labore hatten technische Probleme beim Einbetten der Daten in das elektronische Meldesystemen, heißt es aus dem Büro von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Etwa um 11.30 Uhr habe Wien seine Zahlen schließlich dem Innenministerium gemeldet. Davor seien keinerlei Daten an irgendeine Bundesstelle übermittelt worden, beteuert ein Sprecher Hackers. Medien berichteten zu dieser Zeit jedoch bereits über die neuen Corona-Höchstwerte – auch aus Wien.

Tabelle mit falschen Zahlen kursiert ab 7.48 Uhr

Dem STANDARD liegt ein Screenshot vor, der nahe legt, dass ein Kabinettsmitglied von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) um 7.48 Uhr eine Tabelle mit falschen Zahlen verschickt hat. Es handelt sich dabei um exakt jene Werte, die wenig später in mehreren Medien veröffentlich wurden. Ob der Betroffene den Screenshot selbst an Medien geschickt hat oder an jemanden, der ihn dann weiterverbreitete, lässt sich nicht nachvollziehen.

Auf Nachfrage im Innenministerium wird von einer Sprecherin Nehammers erklärt: "Wir können ausschließen, dass die Zahlen von dieser Person an Medien gespielt wurden." Ob man grundsätzlich ausschließe, dass die falschen Zahlen aus dem Innenministerium stammen – so wie es das Gesundheitsministerium gemacht hat? Ausschließen könne sie jedenfalls, dass die Zahlen von dem betroffenen Mitarbeiter an Medien verschickt wurden, wiederholt sie.

Zahlen vom Ages-Dashboard?

Im Innenministerium vermute man aber, dass die falschen Daten vom Dashboard der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) stammen könnten. Die Quelle der Ages-Auflistung ist das Gesundheitsministerium – also konkret das Epidemiologische Meldesystem, kurz EMS. Darin melden die Labore sowie auch die Bundesländer ein. Manchmal kommt es zu Doppelnennungen, die später bereinigt werden.

Die Zahlen, die im Ages-Dashboard abrufbar waren, sind allerdings nicht deckungsgleich mit jenen falschen Daten, die in den Medien kursierten. Die Ages wies Samstagfrüh etwa für Wien 661 Fälle auf, medial berichtet wurde über 828 Neuinfektionen in der Hauptstadt – diese Zahl stimmt nur mit der Tabelle überein, die auf dem Screenshot zu sehen ist. (Katharina Mittelstaedt, 18.10.2020)