Die gegenwärtigen Kämpfe begannen am 27. September.

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Stepanakert/Jerewan (Eriwan)/Baku – Im Konflikt um die Region Berg-Karabach ist die am Samstag ausgehandelte Waffenruhe offenbar brüchig. Armenien und Aserbaidschan beschuldigten sich am Sonntag gegenseitig, die seit Mitternacht (22.00 MESZ) geltende Feuerpause gebrochen zu haben. Das armenische Verteidigungsministerium erklärte, die aserbaidschanische Artillerie habe in der Nacht zwei Mal gefeuert.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium teilte mit, die Gegend um die Stadt Jabrail sei mit Mörsern und Artillerie beschossen worden. Man habe deshalb angemessene Vergeltungsmaßnahmen ergriffen.

Gegenseitige Vorwürfe

Aus Berg-Karabach hieß es, die aserbaidschanische Armee habe einen Angriff auf Militärstellungen in der Enklave gestartet. Es gebe Tote und Verwundete auf beiden Seiten.

Das Verteidigungsministerium der Region Berg-Karabach erklärte, die Zahl der getöteten Soldaten seit Beginn der Kämpfe Ende September habe sich auf 673 erhöht. Aserbaidschan hatte am Samstag mitgeteilt, 60 aserbaidschanische Zivilisten seien getötet und 270 verletzt worden. Zahlen zu den militärischen Verlusten nannte Baku nicht.

Schwerste Auseinandersetzung seit 1994

Armenien und Aserbaidschan hatten bereits vor einer Woche einer Waffenruhe zugestimmt, diese wurde jedoch mehrfach gebrochen. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Verstöße vor und berichteten über Kämpfe. Aserbaidschan beschuldigte am Samstag Armenien bei dem Beschuss der Stadt Ganja (Ganca) 13 Zivilisten getötet zu haben, mehr als 50 weitere Menschen seien verletzt worden. Armenien wiederum warf Aserbaidschan anhaltende Angriffe vor.

In der Region im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier, die dortige Führung wird von der armenischen Regierung in Jerewan (Eriwan) unterstützt. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte. Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines. Die gegenwärtigen Kämpfe begannen am 27. September und sind die schwersten seit dem Krieg 1991 bis 1994, in dem rund 30.000 Menschen getötet wurden.

Friedensgebet in Wien

Ein "Friedensgebet für den Südkaukasus" fand indes am Samstagabend in Wien statt, wie Kathpress am Sonntag berichtete. Zum Auftakt des Gebets zu dem die Stiftung "Pro Oriente" in die Michaelerkirche in der Wiener Innenstadt eingeladen hatte, betonte demnach "Pro Oriente"-Vizepräsident Domdekan Rudolf Prokschi die Dankbarkeit für "75 Jahre Frieden in Österreich": "Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir Frieden", sagte Prokschi, der auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich ist.

Der Wiener armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan hob hervor, dass die "Sehnsucht nach Gottes Frieden" größer sei als alle menschliche Vernunft. Er betonte weiters laut Kathpress, "dass die Armenier in Österreich eine 'vertraute Familie der Ökumene' gefunden haben, der sie sich 'so sehr verbunden fühlen'". Mit Bischof Tiran und Domdekan Prokschi beteiligten sich demnach auch der Wiener katholische Weihbischof Franz Scharl und der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin an der Leitung des Friedensgebetes. (APA, 18.10.2020)