Panikartige Flucht aus den Skigebieten, wie im Frühjahr in Ischgl der Fall, soll tunlichst vermieden werden.

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Der Parkplatz an der Talstation des Gletscherskigebiets am Kitzsteinhorn ist an diesem sonnigen Wochentag Mitte Oktober erstaunlich voll. Die Autokennzeichen verraten die Herkunft der Skibegeisterten: Österreicher, Niederländer und vor allem Deutsche wollen auf den Gletscher. Er habe sich Urlaub genommen und gehe eben im Oktober Ski fahren, denn "dann sperren sie uns eh wieder ein", sagt ein Münchner und geht durch die elektronische Zugangskontrolle der Panoramabahn, die die Skifahrer zum Alpincenter und zum Schnee bergwärts befördert.

Maskenpflicht

Es gibt kein Gedränge, die für acht Personen zugelassenen Gondeln sind meist nur mit zwei oder drei Personen besetzt, Piktogramme weisen auf die Maskenpflicht hin. Maskenverweigerer sind beim STANDARD-Lokalaugenschein keine zu sehen. Kommt es doch einmal zu einem Stau, können die Liftbediensteten die Zugangskontrolle mit einem Mausklick deaktivieren und den Zustrom entzerren.

Am Kitzsteinhorn im Salzburger Land funktioniert das Corona-Skifahren augenscheinlich problemlos und friktionsfrei. Man hat sich gut vorbereitet: Die Après-Ski-Schirmbar beim Alpincenter auf 2500 Meter Seehöhe ist geschlossen, die Selbstbedienungsgastronomie hat die Abstandszonen deutlich markiert und verzichtet auf dröhnende Stimmungsmusik.

Regelmäßige Tests

Die Gastronomiemitarbeiter würden regelmäßig getestet, die Gondeln desinfiziert, sagt der Pressesprecher der Liftgesellschaft. Und bei der Gipfelbahn, die für 60 Personen zugelassen ist, habe man die Personenzahl auf 40 reduziert.

Am Kitzsteinhorn wird schon fleißig angetaucht. Die elektronische Zugangskontrolle am Schlepplift führt im Gletscherskigebiet quasi automatisch zum geforderten Abstand.
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Was am Kitzsteinhorn bereits in der Praxis erprobt ist, soll im Winter im ganz Österreich funktionieren. Wobei die Maßnahmen schon im Sommer erprobt worden sind. Da ist zum einen die Maskenpflicht, zum anderen sind es der verstärkte Einsatz von Personal sowie Leitsysteme, die Menschenansammlungen vor den Kassen oder bei den Liften verhindern sollen.

Einbruch droht

Ob trotz der Vorsichtsmaßnahmen Touristen kommen, ist aber ungewiss: Die ständig zunehmenden Reisewarnungen sorgen mancherorts für Verzweiflung. Dem wichtigen Wirtschaftssektor Wintertourismus drohen große Ausfälle. Erst am Freitag hat eine Untersuchung der Nationalbank gezeigt, dass im Oktober ein Minus von 37 Prozent bei den Nächtigungen droht. Die auf ausländische Gäste zurückgehenden Einnahmen dürften sogar um 60 Prozent einbrechen, wie Auswertungen elektronischer Zahlungen zeigten. Es dürfte noch schlimmer kommen: Deutschland beispielsweise erwägt auch bei negativem Test eine Quarantänepflicht für Rückkehrer.

Dennoch setzen viele Orte auf den Fremdenverkehr: Das Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis in Tirol etwa war eines der ersten, das Corona-Maßnahmen vorgestellt hat. Ein Punkt der Sicherheitsvorkehrungen sieht vor, dass alle Gondeln sowie die U-Bahn Serfaus täglich mit Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert werden. Der Wirkstoff hinterlasse keine Reste, sei ungiftig, pH-neutral, haut- und augenfreundlich sowie zu 100 Prozent biologisch abbaubar, heißt es.

"Es gibt mehrere Systeme, wie Gondeln desinfiziert werden können", sagt Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Jedem Unternehmen sei es selbst überlassen, sich so etwas zusätzlich noch anzuschaffen. Bei 85 Prozent der Beförderungsmittel auf dem Berg sei es nicht nötig, weil es sich um Schlepp- oder Sessellifte handle und die Skifahrer somit nicht eingeschlossen sind.

Schnelle Gondelfahrt

Auch die Kabinenfahrten werden generell möglichst kurz gehalten. "Die durchschnittliche Fahrzeit beträgt acht Minuten, also man hat wirklich eine kurze Verweildauer", betont Erich Egger, Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft.

Mit einer derartigen Pistenbelegung wie im vergangenen Winter in Serfaus ist nicht zu rechnen.
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Zudem werden kontakt- und bargeldloses Bezahlen sowie der Onlineverkauf von Tickets forciert. Die Geschäftsbedingungen wurden so angepasst, dass Tages-, Wochen- und Saisonkarten problemlos storniert werden können, sollte ein Skigebiet gesperrt oder eine Reisewarnung verhängt werden.

Fast alle sperren auf

Was die Tourismusbranche tatsächlich erwartet, wagt freilich niemand zu prognostizieren. Laut der Salzburger Land Tourismus GmbH wollen 97 Prozent der Tourismusbetriebe im Land Salzburg im Winter zumindest einmal aufsperren.

Die Vorausbuchungen für den Winter liegen klar hinter dem Vorjahr, der überwiegende Teil der Gäste würde heuer aber noch kurzfristiger buchen als zuletzt, schätzen die Tourismuswerber aus Salzburg.

Ähnliche Einschätzungen gibt es aus anderen Bundesländern. In Tirol und Vorarlberg hofft man, bestehende Reisewarnungen noch rechtzeitig vor dem Start der Wintersaison wegzubekommen. Für Tirol wäre es eine Katastrophe, wenn nicht. Mit fast 11,6 Millionen wurden im vorigen Winter in keinem anderen Bundesland so viele Gäste aus Deutschland gezählt wie ebendort.

"Leiser Winter"

Grundsätzlich positiv gestimmt zeigte sich am Wochenende der Geschäftsführer des Steiermark-Tourismus. "Es wird sicher ein leiserer Winter werden, weniger Party, mehr Gastronomie und Genuss. Die Reiselust ist jedenfalls da", sagte er. (Günther Strobl, Thomas Neuhold, Stefanie Ruep, 19.10.2020)