Gretchen Whitmer verhängte im Kampf gegen das Coronavirus strenge Maßnahmen – und erntete dafür Proteste und Hass Rechtsextremer.

Foto: REUTERS/Tom Brenner

"Schnapp sie dir, Mann. Greif dir die verdammte Gouverneurin", wird Adam Fox von einem FBI-Agenten zitiert. "Schnapp sie dir einfach, die Hexe. Wenn wir es nämlich machen, dann ist es vorbei."

Fox meinte damit Gretchen Whitmer. Er und fünf weitere Rechtsradikale wurden Anfang Oktober festgenommen, weil sie geplant hatten, die Gouverneurin Michigans zu kidnappen und ihr wegen "Hochverrats" den Prozess zu machen. Auch ein Sturm auf das Kapitol Michigans war offenbar geplant.

Die vor knapp zwei Wochen bekanntgewordenen Pläne hinderten den US-Präsidenten nicht daran, am Wochenende erneut gegen die 49-Jährige auszuholen: "Ihr müsst eure Gouverneurin dazu bringen, euren Staat zu öffnen", rief Donald Trump seinen Fans zu. Die antworteten mit einem Slogan, den schon Hillary Clinton zu hören bekam: "Sperrt sie ein!"

Wahlkampfthema Infrastruktur

Whitmer hatte im Wahlkampf 2018 noch ein ganz anderes Thema im Fokus: Mit "Fix the damn roads", also dem Versprechen, die verdammten Straßen zu reparieren, wollte sie bei Durchschnittsbürgern punkten und so jenen Bundesstaat für die Demokraten zurückerobern, den Donald Trump bei der Wahl 2016 noch knapp gewinnen konnte. Whitmer siegte und schaffte es damit als zweite Frau ins höchste Amt Michigans. Doch inzwischen dominiert die Corona-Pandemie das politische Geschehen, und Whitmer wird von Rechten gerne als Symbol eines Kindermädchenstaats dargestellt, der unter dem Vorwand des Kampfes gegen das Coronavirus Freiheitsrechte beschneidet.

Im Frühjahr, als sich Detroit zu einem Hotspot entwickelte, verfügte sie einen strengen Lockdown. Anhänger Trumps, einige mit Sturmgewehren bewaffnet, zogen daraufhin zum Parlament in der Provinzhauptstadt Lansing, um zu protestieren. Zu sehen war dort etwa ein Transparent mit der Aufschrift: "Tyrannen bekommen den Strick". Der Präsident forderte derweil auf Twitter in Großbuchstaben und mit Rufzeichen die "Befreiung" Michigans.

Zwar gebe es in den Gerichtsakten keinen Hinweis darauf, dass sich die Rechtsextremen vom Präsidenten inspirieren ließen, sagte Whitmer, die aus einer Juristenfamilie stammt und selbst Jus studiert hat, damals. Extremisten hätten seine Worte aber gewiss nicht als Zurückweisung verstanden, vielmehr als "einen Aufruf zum Handeln". In Trumps neuen Angriffen sieht die verheiratete Mutter von fünf Kindern "genau die Rhetorik, die mein Leben sowie das meiner Familie und anderer Regierungsbeamter in Gefahr gebracht hat". Der Präsident müsse damit aufhören. (Noura Maan, 18.10.2020)