Massive Nervosität in Lagos.

Foto: AP Photo/Sunday Alamba

Proteste gegen Polizeigewalt halten seit Tagen an.

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Nigerias Regierung sollte gewarnt sein. Die Demonstranten in zahlreichen Städten des Landes, auf die ihre Sicherheitskräfte inzwischen mit scharfer Munition schießen, sind weder Ganoven noch gewaltbereite Störenfriede – auch keine islamistischen Extremisten, die den Nordosten des Landes schon seit Jahrzehnten verheeren.

Im Fall der seit zwei Wochen anhaltenden Unruhen handelt es sich vielmehr, zumindest im Kern, um junge und erfolgreiche Landsleute, die ihre Brötchen vor allem in der lebhaften IT-Szene verdienen – und von einer brachialen Polizeimacht schon seit Jahren ausgeraubt, misshandelt oder gar ermordet werden. Es sind jene Nigerianer, die dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas eine Zukunft bieten könnten – und ausgerechnet auf sie wird nun das Feuer eröffnet.

Immer wieder lässt die Elite des westafrikanischen Landes ihre Höllenhunde los, wenn jemand ihrer korrupten Herrschaft gefährlich zu werden droht. Das mag gegenüber einer marginalisierten Landbevölkerung oder den Heeren städtischer Kleinkrimineller "gut" gehen: Im aktuellen Fall hat das verfettete Establishment einem der wenigen lebhaften Zweige des maroden Erdölstaats den Krieg erklärt. Das kann nur in einer Katastrophe enden. (Johannes Dieterich, 21.10.2020)