Am Mittwoch protestierten wieder unzählige Menschen in Bangkok. Das Land leidet stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

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Zum ersten Mal seit April ist in Bangkok diese Woche eine Touristengruppe gelandet. Die Gäste aus Schanghai werden einen Urlaub der besonderen Art erleben: Ihr Gepäck wurde noch am Flughafen desinfiziert, erst nach einer 14-tägigen Hotelquarantäne dürfen sie sich frei in Thailand bewegen. Für die für das Land so wichtige Tourismusbranche ist der erste kommerzielle Touristenflug seit April ein wichtiges Zeichen. Doch auch vor den Hoteltoren ist die Stimmung angespannt.

Seit Wochen protestieren Schüler und Studierende – teils über 10.000 Menschen gingen allein in Bangkok auf die Straßen. Am Mittwoch kam es wieder zu großen Versammlungen in der Stadt, und zwar den siebenten Tag in Folge. Vor allem seit vergangener Woche eskaliert die Situation: Die Polizei hat Wasserwerfer, Gummigeschoße und chemische Flüssigkeiten eingesetzt, um gegen die Demonstrierenden vorzugehen. Viele Menschen wurden dabei verletzt, unter ihnen auch Kinder, erzählt ein Augenzeuge dem STANDARD.

Die Situation erinnert immer mehr an die Massenprotestwelle des vergangenen Jahres in Hongkong, wenn auch die politische Gemengelage eine ganz andere ist.

Die Demonstrierenden fordern den Rücktritt von Premierminister und General Prayuth Chan-o-cha, der 2014 durch einen Militärputsch an die Macht gelangte. Die hauptsächlich jungen Leute stellen sich auch gegen einen tiefverwurzelten Traditionalismus im Land. Und sie fordern die Reform der Monarchie mit König Maha Vajiralongkorn an der Spitze, der zumeist lieber in Bayern als in Bangkok verweilt. Die Demonstranten wollen ein Ende der royalen Vetternwirtschaft.

Royalisten empört

Für andere im Land ist aber genau jene Forderung eine Ungeheuerlichkeit: Am Mittwoch stellte sich ein Dutzend Royalisten den Demonstranten in Bangkok entgegen. Es kam zu Schreiduellen, bei denen auch Wasserflaschen geworfen wurden. "Ich flehe euch an, ihr könnt machen, was ihr wollt" – auch den Rücktritt von Prayuth fordern –, "aber lasst die Monarchie in Ruhe", sagte ein demonstrierender Royalist zu Reuters. Die Gruppe argumentierte außerdem, nicht gegen den Ausnahmezustand zu verstoßen, den die Regierung vergangene Woche verhängt hatte, weil ihre Veranstaltung nicht politisch sei.

Dass die Regierung von Prayuth nicht gedenkt, auf die Forderungen mit der Demonstranten einzugehen, zeigte sich am Mittwoch, als sie den Sender Voice TV sperren ließ. Das Unternehmen hat Verbindungen zu Ex-Premier Thaksin Shinawatra. Der Sender würde Unruhe stiften, das widerspreche dem Ausnahmezustand. (Anna Sawerthal, 21.10.2020)