Beim Breitband-Mobilausbau wird die teilstaatliche Telekom Austria ihre Investitionen wieder hochfahren müssen.

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Wien – Trotz Währungsverlusten in Belarus und Kroatien in Höhe von 48,6 Millionen Euro und deutlich geschrumpften Roaming-Einnahmen steigerte die Telekom Austria (TA) in den ersten neun Monaten Ergebnis und Gewinn. Das Nettoergebnis stieg auf 345,6 Millionen Euro oder 10,3 Prozent des Umsatzes, teilte der teilstaatliche Konzern mit.

Der Anstieg ist nicht allein dem Corona-bedingten Anstieg von Bandbreite durch Telearbeit und -konferenzen geschuldet: Einen ordentlichen Schub brachte insbesondere, dass die TA bei Investitionen ordentlich auf die Bremse gestiegen ist. Die Anlagenzugänge gingen in den ersten neun Monaten um ein Viertel auf 448 Millionen Euro zurück, die Sachanlagenzugänge um 14 Prozent auf 370 Millionen Euro, heißt es in dem auf der Website publizierten Quartalsbericht.

"Stabilität gewährleisten"

Ursprünglich eingestellt waren 770 Millionen Euro, davon rund 400 für den Heimmarkt Österreich. TA-Generaldirektor Thomas Arnoldner begründete die Investitionskürzungen mit "Maßnahmen zur Absicherung des Geschäfts". Man habe Kapazitätserweiterungen und IT-Projekte bei Ausbruch der Pandemie zurückgestellt, "um die Stabilität des Unternehmens zu gewährleisten", den Free Cashflow zu erhöhen und die Verschuldung zu reduzieren. Die Folgen der Corona-Krise seien ebenso wenig absehbar gewesen, wie der Finanzbedarf für die 5G-Frequenzauktion. Die Investitionskürzung sei aber nur temporär, versicherte Arnoldner im Gespräch mit dem STANDARD. Steigenden Preisdruck aufgrund der Corona-Wirtschaftskrise ortet Arnoldner bis dato noch nicht, aber Reduktionen bei der zahl der Anschlüsse in Büros und steigende Nachfrage nach höheren Bandbreiten im Festnetz. A

Lückenschluss

Mit den nun anstehenden Lückenschlüssen im 4G-Funknetz und den Ausbauverpflichtungen im 5G-Netz – die Funkfrequenzen wurden von der Republik gegen Netzausbauverpflichtungen fast verschenkt – nehme man bei Investitionen wieder Fahrt auf. A1 muss 349 unterversorgte Gemeinden an Breitbandinternet anbinden; welche das sind, werde erst entschieden.

Der operative Gewinn (Ebitda) stieg gar auf 1,2 Milliarden Euro, das entspricht 36 Prozent des Umsatzes, während die Umsatzerlöse in den ersten neun Monaten bei 3,36 Milliarden Euro stagnierten. Im dritten Quartal (bis Ende September) gingen sie 0,9 Prozent zurück, zum Großteil im Mobilfunk.

Bei A1 hängt der Haussegen wieder einmal schief. Gestritten wird um Lohnerhöhungen und den Betriebsratsfonds.
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Im Lichte der um 20 Millionen Euro erhöhten Dividende für 2019 ergibt all das ein interessantes Umfeld für die laufende Lohnrunde bei Österreichs größten Telekomnetzbetreiber, der Österreich-Tochter A1 Telekom Austria. Die vierte Verhandlungsrunde blieb laut dem Vorsitzenden des A1-Zentralausschusses, Werner Luksch, erneut ohne Ergebnis.

Delikater Streit

Eine Einigung steht auch bei einem Streit innerhalb der Belegschaftsvertreter des A1-Konzerns aus. Dabei handelt es sich um eine delikate Causa. Es geht um den mit rund 6,5 Millionen Euro gefüllten Personalvertretungsfonds namens "A1 Telekom Sozial", der vom Unternehmen mit 60 Euro pro Mitarbeiter und Jahr gespeist wird (für Teilzeitbeschäftigte zahlt die TA entsprechend weniger ein). Verwaltet wird der Fonds von sechs bis sieben Mitarbeitern – vom Unternehmen eigens dafür abgestellt.

Finanziert werden mit dem Geld Sozialleistungen wie Kindergeld, Gratisobst, Einkaufsgutscheine und Kulturangebote für rund zehntausend A1-Bedienstete (inklusive Vorruheständler) ebenso wie für die rund 380 Mitarbeiter der börsennotierten Telekom-Holding (TA) und deren Ableger A1 Digital. Dienstnehmer diverser A1-Ausgliederungen wie der Callcenter-Tochter Wedify oder des Zahlungsabwicklers Paybox hingegen bekamen nichts.

Streit um Millionen

Über diese Ungleichbehandlung entbrannte innerhalb der Belegschaftsvertreter ein heftiger Streit, der darin gipfelte, dass der A1-Zentralausschuss der TA-Belegschaft Anfang Oktober mitteilte, dass sie von A1 Telekom Sozial nicht mehr serviciert werden. "Weil die A1-Personalvertretung für diese Mitarbeiter nicht zuständig ist", sagt Luksch mit Verweis auf das Postbetriebsverfassungsgesetz. Selbiges sehe einen gemeinsamen Betriebsratsfonds für unterschiedliche Konzerngesellschaften nicht vor.

Legitimiert wird die Änderung mit dem vor zehn Jahren erfolgten Umbau der TA. Damals wurde das Festnetz samt Belegschaft aus der TA abgespalten und mit der Mobilkom zu A1 Telekom Austria fusioniert. Nun wird um die Millionen gestritten. Der A1-Betriebsrat hat errechnet, dass der TA-Holding-Belegschaft nur 30.000 Euro zustünden. Damit will sich Holding-Betriebsratschef Alexander Sollak nicht abspeisen lassen. Nun liegt der Ball bei der Arbeiterkammer, sie muss den erbitterten Streit als Prüfbehörde schlichten. (Luise Ungerboeck, 21.10.2020)