Komiker Sacha Baron Cohen führt als "Borat" die dumme Seite der USA vor.

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Donald Trump und seine Leute haben es knapp vor den Präsidentschaftswahlen nicht leicht. Die Toten des "China-Virus" fliegen ihnen um die Ohren, die Arbeitslosenzahlen und Trumps Steuern auch. Und mit der Wahrheit tut sich der Potus sowieso schwer. Plus: Dauernd reden die Leute über irgendwelche Russen, die Amerika Böses wollen.

Apropos, aus dem ehemaligen "Reich des Bösen" (Ronald Reagan) kommt jetzt eine weitere Bedrohung über das Land. Sie stammt aus dem Ex-Sowjetstaat Kasachstan. Die Bedrohung nennt sich Borat. Sie zerlegt den immer schon etwas neben der Spur gelaufenen amerikanischen Traum in seine Einzelteile.

Zeit zum Fremdschämen

Durch Borat brechen Blödheit und Bigotterie sowie das hohle US-Pathos offen hervor. Am Ende bleibt betretenes Schweigen und Fremdschämen. Dem Borat-Virus vor dem Bildschirm ausgesetzt zu sein bedeutet, erhebliche Schmerzen im sonst schmerzfreien Hirn zu verspüren. Jüngstes Opfer, der 76-jährige Präsidentenberater Rudy Giuliani, dem Borat vier Jahre nach Trumps "Grab ’em by the pussy"-Skandal eine Sexfalle stellt. Stichwort: Hand in der Hose.

Der Superspreader des Borat-Virus heißt bürgerlich Sacha Baron Cohen. Er ist ein 49-jähriger, in den USA lebender britischer Brachialkomiker. Seine Hauptaufgabe in seinem zweiten Langfilm als Borat, im nun bei Amazon Prime abrufbaren Borat 2 bleibt dieselbe wie beim ersten Fremdschämklassiker Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen von 2006.

Gegen Frauenhass und Rassismus

Sacha Baron Cohen gibt sich als tumber und ignoranter kasachischer Fernsehreporter aus. Der blattelt vor der Kamera durchschnittlich bescheuerte US-Bürger mit seinen scheinbar naiven und vorurteilsbelasteten Fragen auf. Die Offenlegung von Frauenhass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist dem Sohn aus gutem Londoner Hause seit je ein Anliegen.

Auch in anderen Rollen als immer etwas unterbelichtete Protagonisten wie Rapper Ali G., Modejournalist Brüno oder als morgenländischer Diktator General Aladeen waren dies Hauptthemen. Immerhin promovierte Historiker Cohen in Cambridge mit einer Arbeit, die die Rolle von afroamerikanischen und jüdischen Protagonisten der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre zum Thema hatte. Kein Wunder also, dass Cohen nach der Agentenserie The Spy aktuell auf Netflix im US-Bürgerrechtsdrama The Trial of the Chicago 7 auch wieder in einer ernsteren Rolle zu sehen ist. (Christian Schachinger, 23.10.2020)