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Zwei ungeschlagene Teams trafen sich in Nashville: Die Tennessee Titans empfingen die Pittsburgh Steelers. Beide Mannschaften wollten ihre makellose Serie weiter ausbauen – am Ende mussten sich die Titans knapp mit 24:27 geschlagen geben.

Pittsburgh startete heiß, führte zwischenzeitlich mit 27:7, nur um den Vorsprung zum Ende des dritten Viertels auf 27:24 schmelzen zu sehen. Das Drama nahm seinen Lauf, Pittsburgh stand zwei Minuten vor Schluss vor der Red Zone, ehe QB Ben Roethlisberger im denkbar ungünstigsten Zeitpunkt eine Interception in die End Zone warf. Tennessee bekam noch eine Chance auf das ausgleichende und verlängerungsbringende Field Goal – Kicker Stephen Gostkowski verschoss aber. Damit war der Sieg der Steelers besiegelt.

Ben Roethlisberger (32/49, 268 Yards, zwei TDs, drei INTs) verteilte die Bälle zunächst gewohnt auf seine Receiver Juju Smith Schuster (neun Receptions, 85 Yards), Diontae Johnson (neun Receptions, 80 Yards, zwei TDs) sowie Eric Ebron (sechs Receptions, 50 Yards), bis in seinem Spiel der Faden riss. Drei teilweise bittere (weil getippte) Picks für den Veteran, der sich bei seiner Defensive und auch bei Gostkowski bedanken muss, dass die Turnover insgesamt nur zu sieben Punkten auf Seiten der Titans führten.

Tennessee ging dem hausgemachten Masterplan nach und fütterte Runningback Derrick Henry ein ums andere Mal. Problem dabei: Das Laufspiel gegen die starke Steelers-Defensive wollte nie richtig Fahrt aufnehmen. So wurden vor allem in der ersten Hälfte etliche Chancen auf Punkte im Keim erstickt. Auch an der Goalline fütterte man Henry (20 Carries, 75 Yards, TD), nur um des Öfteren in eine Mauer zu laufen. Ein Defensiv-Holding gab den Titans im Schlussviertel ein neues Set an Downs und er konnte das Bollwerk tatsächlich überwinden, wodurch die Partie noch einmal spannend wurde. Ryan Tannehill (18/30, 220 Yards, zwei TDs) fand vor allem mit A.J. Brown (sechs Receptions, 153 Yards, ein TD) einen Draht und konnte Rückkehrer Corey Davies (sechs Receptions, 35 Yards, ein TD) ebenfalls einmal in der Endzone finden. Man wird das Gefühl nicht los, dass Titans-Coach Mike Vrabel das Passspiel erst sehr spät im Spiel von der Leine lässt. Gegen Pittsburgh wäre dieser Ansatz auf Grund der mauen Ausbeute über den Lauf angebracht gewesen. Allerdings merkte man auch, dass die Titans langsam müde werden – drei Spiele in 16 Tagen muss man erst stemmen können.

Die Steelers bleiben also ungeschlagen und stehen bei sechs Siegen, die Titans müssen sich erstmals geschlagen geben und stehen bei fünf Erfolgen und einer Niederlage.

Der Wahnsinn von Cincinnati

Nach der deutlichen Niederlage gegen die Pittsburgh Steelers, ging es für die Cleveland Browns gegen die Cincinnati Bengals um Wiedergutmachung. Auch hier erlebten die Zuschauer einen echten Nagelbeißer, Führungswechsel nach jedem Offensiv-Drive standen auf dem Plan. Die Browns hatten schlussendlich das bessere Ende auf ihrer Seite, nachdem Baker Mayfield seinen Receiver Donovan Peoples-Jones fünfzehn Sekunden vor Schluss in der Endzone fand. Dass sich die Browns durchsetzen, war nicht von Anfang an klar.

Baker Mayfield (22/28, 297 Yards, fünf TDs, eine INT) muss sich langsam Fragen nach seiner Weiterentwicklung gefallen lassen – nur um sie im gleichen Spiel selbst zu beantworten. Der ehemalige Overall-First Round-Pick warf gleich mit seinem ersten Pass einen weiteren grausamen Pick, bei dessen Rettungsversuch sowohl Odell Beckham Jr. als auch noch Center J.C. Tretter Verletzungen davontrugen. Insgesamt startete Baker katastrophal, brachte keinen seiner ersten fünf Pässe an und hatte Glück, dass seine Defense zunächst zur Stelle war. Ab dem zweiten Viertel explodierte Mayfield aber: 297 Yards, fünf Touchdowns, 22 von 23 erfolgreich angebrachte Pässe – die einzige Incompletion war ein Spike um die Uhr anzuhalten. Ein schlussendlich bärenstarkes Spiel, des zuletzt vielkritisierten QBs.

Auf der Gegenseite die Bengals und Quarterback Joe Burrow. Auch er warf gleich zu Spielbeginn eine getippte Interception und hatte vor allem mit Myles Garrett (zwei Sacks, ein erzwungener Fumble) und dem Pass Rush der Browns seine Probleme. Allerdings ließ sich der Rookie dadurch nicht aus der Ruhe bringen, sondern führte sein Team nervenstark in sechs von neun Drives zu Punkten. Auch als es 69 Sekunden vor Schluss vermeintlich um alles ging, spielte Burrow groß auf und fand Gio Bernard zur erneuten Führung seines Teams. Der Erfolg wollte ihm auch wegen der wenig verbleibenden Spielzeit nicht vergönnt sein, allerdings gab auch er einmal mehr eine unglaubliche Talentprobe ab: 406 Yards (35/47), drei Touchdowns + 1 Rushing Touchdown bei einer Interception. Burrow spielt wie ein Veteran und sollte den Bengals in Zukunft sehr viel Freude bereiten. Mit Tyler Boyd (elf Receptions, 101 Yards, ein TD), A.J. Green (sieben Receptions, 82 Yards) und Tee Higgins (fünf Receptions, 71 Yards, ein TD) hat er nach wenigen Spielen schon eine starke Chemie aufbauen können.

Wenig überraschend war es kein Spiel beider Defensiveinheiten. Myles Garrett bleibt einer der Favoriten auf den Defensive Player of the Year. Offensiv feierte Cleveland den National Tight End-Day (ja, den gibt’s wirklich) gebührend: Rookie Harrison Bryant fing vier Bälle für 56 Yards bei zwei Touchdowns, David Njoku in seinem vielleicht letzten Spiel für die Browns zwei Bälle für zwanzig Yards und einen Score. Cleveland steht damit bei 5-2, die Bengals bei 1-5-1.

Der Wahnsinn von Atlanta

Es war das lang erwartete Duell zweier Mannschaften, die in der aktuellen Saison bisher hauptsächlich wegen des Verspielens großer Vorsprünge auffielen. Die Detroit Lions waren bei den Atlanta Falcons zu Gast. Ausnahmsweise konnte keines der beiden Teams eine große Führung aufbauen, es entwickelte sich ein enges Spiel, mit einem weiteren Herzschlagfinale.

Es gibt wenige Dinge auf dieser Welt, die mehr Spaß machen, als Matthew Stafford mit einer Minute Spielzeit, keinem Timeout und einem aufholbaren Rückstand. Dann ist alles möglich – Magie oder Verzweiflung. Gegen die Falcons sollte es magisch werden. 75 Yards mussten überwunden werden, um noch jubeln zu können. Long Story, short: Nach tiefen Pässen auf Tight End T.J. Hockenson (fünf Receptions, 59 Yards), Danny Amendola (drei Receptions, 62 Yards) und Kenny Golladay (sechs Receptions, 114 Yards) fand Stafford (25/36, 340 Yards) Hockson in der Endzone. Matt Prater sorgte für den Extrapunkt und den 23:22 Sieg.

Dass es überhaupt so weit kam, lag hauptsächlich an Todd Gurley (23 Carries, 63 Yards, zwei TDs): Der Runningback der Falcons lief 72 Sekunden vor Schluss noch zu einem Score, was den Lions noch einmal einen Angriff sicherte. Gurley wollte in echter Ahmad Bradshaw-Manier vor der Endzone stoppen, um die Zeit weiterlaufen zu lassen, fiel dann aber unglücklicherweise über die Linie. Hätte er rechtzeitig stoppen können, wäre die Uhr weitergelaufen und den Falcons hätte ein kurzes Field Goal zum Sieg gereicht. So mussten sie wieder einmal knapp als Verlierer vom Platz gehen, obwohl Matt Ryan (31/42, 338 Yards, ein TD), Julio Jones (acht Receptions, 97 Yards), Calvin Ridley (fünf Receptions, 69 Yards, ein TD) eigentlich gute Mittel gegen eine weiterhin unterdurchschnittliche Lions-Defensive fanden.

Es war nicht der Tag der erfolgreichen vierten Versuche – beide Mannschaften scheiterten mit ihrem Playcalling in entscheidenden Spielzügen in der Red Zone an den jeweiligen Defensiveinheiten. Lions-Kicker Matt Prater vergab ein Field Goal, konnte aber in den entscheidenden Momenten die Nerven bewahren. Die Lions kamen zudem durch Romeo Okwara zu einem forced Fumble, der ein Prater Field Goal zur Folge hatte. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Kenny Golladay einer der besten Receiver der Liga ist. Detroit wäre gut beraten, ihn auch so zu entlohnen.

Die Lions stehen damit bei drei Siegen und drei Niederlagen, die Falcons bei einem Sieg und sechs Niederlagen. Fans der Falcons verdienen Mitleid.

Der Wahnsinn von Glendale

Das Nachtspiel zwischen den Arizona Cardinals und den Seattle Seahawks hatte ebenso einen ordentlichen Spannungsbogen und musste sogar in die Verlängerung. Dort setzten sich tatsächlich die Cardinals mit 37:34 durch.

Es war ein Showerfen der beiden Spielmacher: Kyler Murray auf der einen Seite (34/48, 360 Yards, drei TDs, eine INT,) Russell Wilson (33/50, 388 Yards, drei TDs, drei INTs) auf der anderen. Der Sieg war hauptsächlich dem fehlerreduzierteren Spiel der Cardinals geschuldet, Russell Wilsons drei Picks, machten den Unterschied. Fast hätte es gar keinen Sieger mehr gegeben, die Uhr drohte schon abzulaufen, ehe die Cardinals-Offensive nach einem Pick von Isaiah Simmons in Ballbesitz kam. Murray führte sein Team rasch in aussichtsreiche Position, Kicker Zane Gonzalez behielt diesmal die Nerven (er vergab schon zu Beginn der Overtime) und die Cardinals dadurch auch die Oberhand. Für Rookie Simmons ein erstes und auch wichtiges Big Play der noch jungen Karriere.

Großes Lob gebührt Seahawks-Wide Receiver D.K. Metcalf, der Budda Baker nach einer Interception aus der gegnerischen Endzone bis an die eigene zwei Yard-Linie verfolgte und so einen Pick-Six verhinderte. Tyler Lockett (15 Receptions, 200 Yards, drei Touchdowns) war mit diesen Monsterzahlen wenig überraschend bester Passempfänger seiner Mannschaft, Russell Wilson mit 84 Rushing-Yards bester Läufer. Bei den Cardinals ging viel über DeAndre Hopkins (zehn Receptions, 103 Yards, ein TD) Chase Edmonds (sieben Receptions, 87 Yards) und Future Hall of Famer Larry Fitzgerald (acht Receptions, 62 Yards).

Die Cardinals stehen damit bei 5-2, die Seahawks mussten sich erstmals geschlagen geben und stehen dementsprechend bei 5-1.

Keine Angst vor den Patriots

Die New England Patriots bleiben weiterhin ein Schatten ihrer selbst. Gegen die San Francisco 49ers setzte es eine deutliche 6:33 Niederlage. Das Team von Coach Bill Belichick fehlt offensiv nahezu alles, was eine Mannschaft gefährlich machen würde: Eine ordentliche Offensive-Line, verlässliche und schnelle Receiver, ein brauchbarer Tight End – und ein Quarterback. Cam Newton (9/15, 98 Yards) bot eine mehr als dürftige Leistung und warf gleich drei Interceptions. Es wäre zu einfach, die desaströse Leistung der Patriots allein dem Quarterback zuzuschreiben – die Unterstützung für den ehemaligen MVP ist wirklich nur minimal vorhanden – dennoch war er gegen die 49ers der Neckbreaker. Im Schlussviertel wurde Newton zu Gunsten Jared Stidhams (6/10, 64 Yards, INT) auf die Bank gesetzt. Belichick verkündete nach dem Schlusspfiff, dass Newton weiterhin Starter bleiben wird und er Stidham einfach ein wenig Spielzeit geben wollte.

New England muss bis zur Trade-Deadline ordentlich am Markt zugreifen, wenn man diese Saison noch einen Run auf die Playoffs starten will. Diese Patriots, dürften keine großen Ängste mehr auslösen. Zum ersten Mal seit 2002 verloren die Pats drei Spiele in Folge, was die absurde Dominanz der vergangenen Jahrzehnte unterstreicht.

San Francisco dominerte dementsprechend alle Elemente. Jimmy Garoppolo warf zwar für 277 Yards (20/25) aber auch zwei Picks. Kyle Shanhan attackierte die Patriots über den Lauf, was den Erfolg einbrachte. Jeff Wilson (17 Carries, 112 Yards) lief drei Mal in die Endzone, verletzte sich aber bei seinem letzten Score am Knöchel. Fullback Kyle Juszczyk sorgte für den vierten Rushing-Touchdown des Abends. Mit vier Interceptions hatte die Defensive einen ordentlichen Anteil am 33:6 Erfolg und kaschierte damit auch die Probleme Jimmy Gs. San Francisco steht damit bei vier Siegen und drei Niederlagen, New England bei zwei Siegen und vier Niederlagen.

Rekordwechsel

Jon Gruden gegen Tom Brady ist immer für eine Story gut, vor allem wenn Letzterer bei dem Team spielt, mit dem Gruden seinen bisher größten Erfolg feiern konnte. Seit dem legendären AFC Divisional Game zwischen den Raiders und den Pats im Januar 2002 inklusive bis heute kontroversem Call (Tuck Rule) herrscht eine spezielle Rivalität zwischen den beiden Protagonisten. Die Partie ging aber wie schon 2002 an Brady – seine Tampa Bay Buccaneers konnten sich mit 45:20 gegen die Las Vegas Raiders durchsetzen. Dem nicht genug warf Brady (33/45, 369 Yards) gleich vier Touchdown-Pässe, womit er Drew Brees in der ewigen Passing-Touchdown-Liste mit 559 Karriere-TDs vorerst wieder überholte.

Brady scheint sich bei den Bucs einfach rundum wohlzufühlen. Zu seinen Passfängern Scott Miller (sechs Receptions, 109 Yards, ein TD), Chris Godwin (neun Receptions, 88 Yards, ein TD) und Rob Gronkowski (fünf Receptions, 62 Yards, ein TD) gesellt sich in den kommenden Tagen auch noch Antonio Brown dazu. Das Piratenschiff ist also geladen und bereit weitere Kanonenschüsse abzugeben.

Las Vegas konnte zwar durch einen Touchdown von Nelson Agholor (fünf Receptions, 107 Yards) in Führung gehen und im ersten Viertel mithalten, sah die Felle anschließend aber relativ schnell davon schwimmen. Man versuchte das Laufspiel gewohnt aufzuziehen, kam aber gegen die starke Run-Defensive der Bucs nicht an, da mit Trent Brown (COVID) und im Laufe des Spiels auch noch Gabe Jackson und Sam Young wichtige Teile der O-Line ausfielen. Derek Carr (24/36, 284 Yards) warf zwei Touchdowns und einen Pick, der das Spiel endgültig zu Gunsten der Bucs kippen ließ. Carr wurde regelmäßig von Linebacker Devin White verfolgt, der ehemalige First-Round-Pick der Bucs kam auf drei Sacks und elf Tackles.

Damit stehen die Bucs bei 5-2, die Raiders bei 3-3.

Washington zerlegt Cowboys

Partien zwischen Mannschaften der NFC East sind in der Saison 2020 vieles, aber selten für guten Football bekannt. Das Washington Football Team empfing die Dallas Cowboys und zerstörte den Gast auch ordentlich mit 25:3. Seit der Verletzung von Dak Prescott geht bei America‘s Team absolut nichts mehr. Dallas QB Andy Dalton (9/19, 75 Yards, eine INT) konnte sein Team nicht produktiv anführen und musste gegen Ende des dritten Viertels nach einem bösen Hit mit Gehirnerschütterung vom Feld. Rookie QB Ben DiNucci (2/3, 39 Yards) übernahm beim Stand von 3:22 und war mit der jungen und hungrigen Washington-Defensive heillos überfordert. Angeführt von Montez Sweat (zwei Sacks), riss Washington die beiden QBs insgesamt sechs Mal zu Boden.

Washingtons neuer Starting-QB Kyle Allen (15/25, 194 Yards, zwei TDs) und insbesondere das Laufspiel über Antonio Gibson (20 Carries, 128 Yards, ein TD) durchbrachen die Defensive der Cowboys mit Leichtigkeit. Terry McLaurin (sieben Reception, 90 Yards, ein TD) und Logan Thomas (vier Receptions, 60 Yards, ein TD) attackierten über das Passspiel. Dallas ist klinisch tot und steht jetzt ebenso wie Washington bei zwei Siegen und fünf Niederlagen.

Saints ohne Thomas

Eigentlich hätte Receiver-Superstar Michael Thomas beim Spiel seiner New Orleans Saints gegen die Carolina Panthers sein Comeback geben sollen. Nachdem er sich aber am Oberschenkel verletzte und zudem weiterhin intern für Probleme sorgt, mussten die Saints eine weitere Woche ohne ihn auskommen. Auch ohne Thomas zeigte die Saints Offensive eine starke Leistung: Drew Brees (29/36, 287 Yards, zwei TDs, ein Rushing TD) sah wieder nach seinem jüngeren Ich aus und konnte mit punktgenauen Pässen überzeugen. Alvin Kamara machte das was er jede Woche macht – er dominierte immer wenn er den Ball hatte (148 Yards insgesamt). An die Stelle von Thomas trat ein bisher unbekannter Mann: Marquez Callaway, undrafted Rookie, war mit acht Catches für 75 Yards bester Ballfänger seiner Mannschaft. Für die Touchdowns sorgten Deonte Harris (vier Receptions, 46 Yards, ein TD) und Jared Cook (drei Receptions, 32 Yards, ein TD).

Offensiv lief es also gut, defensiv hatte man ordentlich mit Teddy Bridgewater zu kämpfen. In einer Partie in der die Saints das Laufspiel der Panthers weitestgehend unterbinden konnten, war es der Spielmacher, der seine Mannschaft zu Punkten führen konnte: 254 Yards (23/28) und zwei Touchdowns. Bridgewater scheint sich in der von Offensive Coordinator Joe Brady und Head Coach Matt Rhule auf ihn zugeschneiderten Offensive pudelwohl zu fühlen und kann sich mit D.J. Moore (vier Receptions, 93 Yards, zwei TDs) auf einen verlässlichen Ballfänger verlassen. Robby Anderson (sechs Receptions, 74 Yards) und endlich auch Curtis Samuel (sechs Receptions, 48 Yards, fünf Rushing-Yards, ein TD) sind zudem als Anspielstationen mehr als brauchbar.

Defensiv gab es nur zwei wirklich erwähnenswerte Plays: Ein Strip Sack von Panthers Edge Rusher Brian Burns der einen Offensiv-Touchdown zur Folge hatte und ein Sack von Saints Defensive End Marcus Davenport, der gegen Spielende die Partie praktisch entschied. Matt Rhule gab seinem Kicker Joey Slye zudem noch die Möglichkeit einen neuen Kicking-Rekord aufzustellen. Im Super Dome scheiterte der Kicker aber knapp an einer neuen Bestmarke von 65-Yards.

Ein Hoch auf den Kicker

Sam Darnold gegen Josh Allen oder auch New York Jets vs. Buffalo Bills. Die Favoritenrolle lag klar bei Buffalo, dennoch konnten die noch sieglosen Jets zunächst mit 3:0 in Führung gehen. Sam Darnolds (12/23, 120 Yards, zwei INTs) Rückkehr nach überstandener Schulterverletzung tat der Gang Green zumindest am Anfang sichtbar gut. Buffalo machte sich vor allem zu Beginn der Partie das Leben selbst schwer: Erst vergab Kicker Tyler Bass ein Field Goal, anschließend fumbelte Josh Allen in der Red Zone, was zum Ballverlust führte. Die Jets nützten die Fehler schamlos aus und konnten ihre Führung per Rushing-Touchdown durch La‘Mical Perine zum 10:0 ausbauen. Buffalo fand vor der Pause nur noch durch zwei Field Goals zu Punkten.

Auch nach Seitenwechsel wollte das Ei nicht in die Endzone, obwohl sowohl Stefon Diggs und Cole Beasley schon vermeintliche Touchdowns erzielen konnten. Beide Plays wurden aber wegen diverser Strafen zurückgepfiffen. Blieben also noch weitere Field Goals, die den Bills schlussendlich den 18:10 Sieg einbrachten. Sechs erfolgreiche Kicks – alle Punkte seines Teams beigesteuert, der Gameball geht an Tyler Bass.

Es war nicht die Offensive um Josh Allen (30/43, 307 Yards) die das Spiel dominierte, sondern Buffalos Defensiveinheit. In der Halbzeit eins noch mit Problemen, sammelte sich die Defense in Hälfte zwei und hielt die Jets bei mageren 17 Rushing Yards und vier Receiving Yards. Zudem gab es zwei Picks durch Jerry Hughes und Dane Jackson. Offensiv war es eine unkonzentrierte Leistung mit vielen Strafen, die den Erfolg zu einem echten Arbeitssieg machten. Aber wen kümmert es, fünfter Sieg für Buffalo, siebte Niederlage für die Jets.

Packers gelingt Antwort

Ohne Aaron Jones, dafür mit ordentlich Wut im Bauch, trafen die Green Bay Packers auf die Houston Texans. Nach dem desaströsen Leistungsabfall gegen die Tampa Bay Buccaneers vergangene Woche, wollten die Packers eine positive Reaktion zeigen. Das gelang auch, Green Bay fuhr einen ungefährdeten 35:20 Sieg ein.

Aaron Rodgers (23/34, 283 Yards, vier TDs) und Receiver Davante Adams hatten besonders viel Freude mit der desaströsen Texans-Defensive, die keine Antworten auf das Offensivspiel fand. Adams hatte kein Mitleid mit seinen Gegenspielern sondern dominierte nach Belieben, fing 13 Bälle für 196 Yards und zwei Touchdowns. Malik Taylor (zwei Receptions, sechs Yards, ein TD) und Jace Sternberger (eine Reception, drei Yards, ein TD) sorgten für die restlichen Punkte. Jamaal Williams vertrat Jones mit 77 Yards samt Touchdown würdig.

Deshaun Watson (29/39, 309 Yards, zwei TDs) versucht viel, kann aber ohne Unterstützung seiner eigenen Defensive nichts machen. Houston muss dringend einen Weg finden, dem talentierten Quarterback ein konkurrenzfähiges Team zur Verfügung zu stellen. Sonst werden das noch sehr bittere Karriere-Jahre. Green Bay jetzt bei 5-1, Houston bei 1-6.

Weitere Show von Justin Herbert

Sollte bei Fans der Los Angeles Chargers noch Zweifel bestanden haben – Justin Herbert ist definitiv der neue Franchise-QB. In seinem erst fünften NFL-Start, dominerte der Rookie mit 347 Yards (27/43) und drei Touchdowns beim 39:29 Sieg über die Jacksonville Jaguars. Herbert war mit neun Carries und 66 Rushing-Yards samt Score auch bester Läufer seiner Mannschaft. Sein Arm bereitet gegnerischen Defensiven große Probleme, er kann seine Receiver tief anspielen und so auch rasch über das Feld zu Scores kommen. Kennen Allen (zehn Receptions, 125 Yards) und Jalen Guyton (zwei Receptions, 84 Yards, ein TD) sorgten für den größten Raumgewinn auf Seiten der Chargers. Neben Joe Burrow ist es Herbert, der die Klasse der Offensiv-Rookies dieses Jahr anführt. Los Angeles Kicker Mike Badgley hat weiterhin Probleme, auch gegen Jacksonville vergab er je ein Field Goal und einen Extra Punkt.

Von solchen Problemen träumt man bei den Jaguars nur. Gardner Minshew (14/27, 173 Yards, zwei TDs) wurde öffentlich angezählt und muss langsam liefern, wenn er weiterhin Quarterback des Teams bleiben will. Dabei läuft die Offensive in vielen Bereichen tatsächlich halbwegs gut. Laviska Shenault kann in sämtlichen Offensiv-Positionen die mit dem Ball zu tun haben eingesetzt werden und James Robinson sorgt per Lauf (22 Carries, 119 Yards, ein TD) ohnehin von Spiel zu Spiel für Gefahr. Die Mannschaft ist aber generell zu unkonstant. Defensive Big Plays wie ein geblockter Punt werden durch eigene Special Team-Fehler (Fumble Dede Westbrook) neutralisiert. Es ist ordentlich der Wurm drin. 1-6 für Jax, 2-4 und erster Sieg unter Herbert für die Chargers.

Kansas City siegt im leichten Schneetreiben

Denver liegt bekanntlich auf etwas höherer Meereshöhe, deshalb verwunderte es auch nicht, dass die Partie zwischen den Denver Broncos und den Kansas City Chiefs bei winterlichen Verhältnissen über die Bühne ging. Der aktuelle Super Bowl Sieger hatte weder mit den Bedingungen noch mit dem Gegner echte Probleme und setzte sich mit 43:16 durch.

Dabei war es diesmal nicht die große Show des Patrick Mahomes. 200 Yards (15/23) und ein Touchdown sind verhältnismäßig maue Nummern für einen Spieler, der Woche für Woche seine Gegner verzweifeln lässt. Der Dosenöffner kam über einen Pick Six von Daniel Sorensen, der die Chiefs mit 17:6 in Führung gehen ließ. Nach einem sensationellen 102-Yard Kickoff Return Touchdown durch Byron Pringle, konnte Kansas City die Führung weiter ausbauen. Es waren also individuelle Big Plays, die dem Team den Erfolg bescherten. Mahomes hatte mit der Defensive der Broncos und dem ständigen Druck (zwei Sacks) zu kämpfen, ging aber dennoch als Sieger vom Platz. Außerdem schön: Chad Henne, Backup-QB der Chiefs, durfte in der Garbage-Time noch aufs Feld und konnte mit einem Rushing-Touchdown sogar anschreiben.

Im Backfield der Chiefs steht seit diesem Spiel auch ganz offiziell Le’Veon Bell. Der Runningback gab sein Debüt für seinen neuen Arbeitgeber und teilte sich die Arbeit mit Rookie Clyde Edwards-Helaire. Bell lief sechs Mal für 39 Yards, CEH acht Mal für 46 Yards samt Touchdown. Die Aufteilung dürfte sich auch in den kommenden Wochen in dieser Konstellation beibehalten.

Die Offensive der Broncos zeigte sich im Gegensatz zu ihrer Defensive zu fehleranfällig. Quarterback Drew Lock (24/40, 254 Yards) warf zwei grausame Picks und Melvin Gordon (17 Carries, 68 Yards, ein TD) fumbelte gleich zwei Mal. Als Leading-Rusher Phillip Lindsay (neun Carries, 79 Yards) mit einer Gehirnerschütterung ausfiel, ging fast nichts mehr. Es waren gute Ansätze da, der Gegner aber einfach eine Nummer zu groß. 1-6 für KC, 2-4 für Denver. (Martin Senfter, 26.10.2020)