Eine Rasenfläche in Miami, Florida. Der Staat ist heiß umkämpft.

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Wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl konzentrieren sich Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden auf den heiß umkämpften Schlüsselstaat Florida. Am Donnerstag traten beide dort auf, Trump in der Stadt Tampa im Westen des Staates – einem der wenigen Orte in Florida, wo die Wahl im Jahr 2016 auf Hillary Clinton fiel –, Biden im 400 Kilometer entfernten Broward County.

"Nie wieder ein Lockdown"

Thema war wie so oft die Corona-Pandemie. Trotz der stark steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen versprach Trump seinen Anhängern, auf einen erneuten Lockdown zu verzichten. "Wir werden nie wieder einen Lockdown haben", sagte der Präsident, an dessen Seite auch First Lady Melania Trump auftrat. Biden werde das Virus über die Wirtschaft stellen, er das Gegenteil tun, so Trump: "Wir sind offen für Geschäfte."

Die Trumps in Tampa.
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Im Falle eines Wahlsiegs der Demokraten werde es dagegen kein normales Leben geben, sagte Trump weiter. "Sie werden euch nichts erlauben." Dass er selbst eine Corona-Infektion überstanden habe, zeige, dass das Virus besiegbar sei. "Wisst ihr, unterm Strich ist es so: Ihr werdet wieder gesund."

Das Virus, nicht die Wirtschaft stilllegen

Biden hob bei seinem Auftritt die große Bedeutung Floridas bei der Wahl am 3. November hervor. "Ihr habt den Schlüssel", sagte Biden vor Anhängern in Broward County. "Wenn Florida blau wird, ist es vorbei! Dann ist es vorbei!"

Will Florida blau einfärben: Joe Biden.
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Der 77-Jährige wehrte sich gegen Trumps Vorwurf, wonach unter ihm eine komplette Stilllegung der Wirtschaft drohe: "Ich werde die Wirtschaft nicht stilllegen. Ich werde das Land nicht stilllegen. Aber ich werde das Virus stilllegen." Die Rallys des amtierenden Präsidenten seien Superspreader-Events, so Biden. "Er sagt, dass das Virus weggehen wird, dass wir damit leben lernen", rief er in die Menge. "Nein, er erwartet, dass wir lernen, damit zu sterben."

Entscheidende Wählergruppen umwerben

Florida gehört zu den wahlentscheidenden sogenannten Swing-States, in denen sowohl die Demokraten als auch die Republikaner gewinnen könnten. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage von NBC News/Marist sah Biden in Florida mit vier Prozentpunkten vor Trump. Insbesondere bei afroamerikanischen Wählern, Frauen, Parteilosen und Pensionisten ist Biden in Florida demnach beliebter als der Präsident. Doch Wähler mit Latino-Herkunft konnte der 77-Jährige bisher nicht von sich überzeugen.

Trump führt laut der Umfrage in Florida hingegen bei weißen Wählern, Männern sowie bei Wählern mit Latino-Herkunft. In Tampa versuchte er nun, Parteilose und gemäßigte Wähler für sich zu gewinnen. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte Trump Hillary Clinton in Florida besiegt.

Biden will Migrantenfamilien zusammenführen

Am selben Tag ließ Bidens Wahlkampfkomitee mit einer Ankündigung aufhorchen, die wohl in Richtung der von ihm umkämpften Latino-Wähler verstanden werden kann: An seinem ersten Tag als Präsident werde Biden eine Taskforce einsetzen, die Familien wieder zusammenführen solle, die an der Grenze zwischen Mexiko und den USA getrennt wurden. Unter Präsident Trump wurden vor allem in den Jahren 2017 und 2018 tausende Kinder an der Grenze von ihren Eltern getrennt. Das Vorgehen hatte weltweit für Empörung gesorgt.

Die Eltern wurden wegen illegaler Einreise, unklarer Identität oder einer möglichen kriminellen Vorgeschichte strafrechtlich verfolgt. Die Mütter und Väter von 545 Kindern konnten bisher nicht wieder gefunden werden. Die Sprecherin der Trump-Wahlkampagne, Courtney Parella, sagte, dass die Regierung aktiv daran arbeite, getrennte Familien zu identifizieren und die Kinder mit ihren Eltern zu vereinen. (Ricarda Opis, APA, 30.10.2020)