30 bis 50 Jugendliche randalierten in Wiener Kirche

Jugendliche sollen "islamistische Parolen" gerufen haben, Beschädigungen oder Verletzte gab es beim Vorfall aber nicht

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Jugendliche sollen Donnerstagabend in die katholische Kirche St. Anton von Padua in Wien-Favoriten eingedrungen sein und dort randaliert haben. (Symbolbild)

Foto: imago images/Eibner

Wien – Donnerstagabend sollen zig Jugendliche in die katholische Kirche St. Anton von Padua in Wien-Favoriten eingedrungen sein und dort randaliert haben. Die Burschen schrien herum und traten gegen Sitzbänke, bestätigte Polizeisprecher Marco Jammer einen Bericht der Tageszeitung "Kurier". Als sie in Richtung Altarbereich gingen, rief der Pfarrer die Polizei. Daraufhin suchten die Jugendlichen das Weite.

Sie liefen in unterschiedliche Richtungen davon, festgenommen werden konnten sie laut Polizei nicht. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Es wurde laut Polizeisprecher auch niemand bedroht, und es wurde bei den Tritten nichts beschädigt. Der gesamte Vorfall soll aber von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden sein, die nun ausgewertet wird.

Zuvor Treffen am Reumannplatz

Über die Anzahl der Jugendlichen, die in die Kirche eindrangen, waren zunächst unterschiedliche Angaben im Umlauf. Die Austria Presse Agentur sprach von 30, der "Kurier" von 50.

Laut Tageszeitung gehen Ermittler des Verfassungsschutzes davon aus, dass es sich bei den Eindringlingen um eine Gruppe türkischer Jugendliche handle, die sich zuvor über die sozialen Medien formiert hatte. Rund 20 von ihnen sollen sich schon am Nachmittag am Reumannplatz versammelt haben, berichtet das Innenministerium auf "ORF"-Anfrage.

Danach sollen die Jugendlichen zum Viktor-Adler-Markt gezogen sein, dabei auch Pyrotechnik angezündet und "islamistische Parolen" geschrien haben. Die Polizei habe daraufhin von zehn Jugendlichen die Identitäten aufgenommen und mehrere Anzeigen verfasst. Am Abend soll diese Gruppe dann die Kirche betreten haben. Laut "Kurier" sollen sie dabei "Allahu Akbar" geschrien haben.

Verstärkte Polizeipräsenz in Favoriten

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte den Vorfall: "Alle Christen müssen in Österreich frei und in Sicherheit ihren Glauben ausüben können! Wir werden den Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen und hier keine falsche Toleranz zeigen", schrieb Kurz auf Twitter.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sagte im "Kurier": "Wir lassen uns in Österreich das Recht auf freie Religionsausübung niemals zerstören und werden die christliche Gemeinschaft mit allen unseren Kräften schützen". Nach den Terroranschlägen in Frankreich wurde in Abstimmungsgesprächen zwischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbkämpfung (BVT) und Einsatzkommando Cobra ein erhöhter Schutz französischer Einrichtungen und eine verstärkte Überwachung auf öffentlichen Plätzen angeordnet, teilte das Innenministerium weiters mit.

Rund 50 Exekutivbeamte zusätzlich wurden für die Überwachung und Kontrolle Favoritens abkommandiert, so das Innenministerium. Darüber hinaus laufe eine Gefahrenabschätzung des Verfassungsschutzes und darauf basierend sollen die Maßnahmen angepasst werden.

Erzdiözese Wien erwartet rasche Aufklärung

Die Erzdiözese Wien sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress von einer "ernsten Sache: Gläubige haben das Recht, ungestört ihre Religion ausüben zu können. Dieses Recht ist eine der Säulen eines friedlichen Zusammenlebens und muss geschützt werden – gerade in Wien, wo der Religionsfriede vorbildlich ist."

Laut Diözesansprecher Michael Prüller habe es rund um die Kirche St. Anton seit rund zwei Wochen verstärkte Wahrnehmung von Belästigungen durch eine Jugendbande gegeben, die zuletzt eskaliert seien. "Nicht nur die katholische Pfarrkirche, auch andere Institutionen im Grätzl haben schon schlechte Erfahrungen gemacht. Wir sind mit der Polizei diesbezüglich in gutem Kontakt und gehen davon aus, dass sie das Problem rasch in Griff bekommt und es entsprechende Konsequenzen gibt." Die Gesellschaft müsse eine Antwort auf die Randalierer in Favoriten finden. "Aber dazu braucht es zuerst Klarheit über ihre Hintergründe, Motive und Ziele", meinte der Sprecher der Erzdiözese Wien.

FPÖ, Grüne und Raab kritisieren Vorfall

Ebenso wie Nehammer verurteilte auch Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) die Attacke auf die Kirche und begrüßte die erhöhte Polizeipräsenz in Favoriten. "Parallelgesellschaften sind der Nährboden für Gewalt. Wir müssen jede Form von Extremismus und Islamismus schon von Beginn an bekämpfen, um Schlimmeres zu verhindern", sagte Raab.

Der stellvertretende FPÖ-Bundesparteiobmann Manfred Haimbuchner sprach von einem "in höchstem Maß verwerflichen Sturm auf ein Kirche". Für Haimbuchner ist das eine "Attacke auf unsere liberale Demokratie und unsere freiheitliche Gesellschaft als Ganzes. Nach einem solchen Angriff darf man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Haimbuchner stellte den Vorfall in eine Reihe mit der Enthauptung eines Lehrers in einem Pariser Vorort und dem Terrorakt in einer Kirche in Nizza und meinte, das sei bereits der dritte Angriff auf die europäisch-abendländische Gesellschaft binnen weniger Tage.

Die Integrationssprecherin der Grünen, Faika El-Nagashi, bezeichnet den Vorfall als "inakzeptabel und gefährlich". "Wir dürfen uns von desintegrativen Gruppen nicht spalten lassen. Bei jedem dieser Vorfälle muss unsere Antwort sein: mehr Zusammenhalt, mehr Zusammenarbeit, mehr Demokratie, mehr Emanzipation, mehr Bildung, mehr Gewaltprävention, mehr Pluralität".

Gewalt- und Aggressionspotenzial bei Jugendlichen werde durch jihadistischen Fundamentalismus und nationalistische Kampfrhetorik befeuert, meinte die grüne Integrationssprecherin. Ansetzen will sie bei Gewaltprävention und bei Deradikalisierungsarbeit von allen Seiten, um dem islamistisch und nationalistisch begründeten, ideologischen Unterbau zu begegnen. (red, APA, 30.10.2020)

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