Die frühere Premierministerin Sandu tritt für einen proeuropäischen Kurs ein.

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In Moldau kommt es zu einer Stichwahl.

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Chisinau – In Moldau hat die proeuropäische frühere Regierungschefin Maia Sandu, Chefin der Oppositionspartei Aktion und Solidarität (PAS), die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag überraschend gewonnen. Wie die Wahlbehörde am Montag mitteilte, lag die 48-Jährige nach Auszählung von 99,30 Prozent der Stimmen mit 35,87 Prozent vor dem prorussischen Amtsinhaber Igor Dodon aus den Reihen der Partei der Sozialisten (PSRM) mit 32,80 Prozent.

Ausschlaggebend waren die Stimmen der im Ausland lebenden Moldauer, die mit überwältigender Mehrheit für Sandu stimmten. Mehr als 65 Prozent aller im Ausland abgegebenen Stimmen entfielen auf sie. Für eine weitere Überraschung sorgte der drittplatzierte Renato Usatii ("Unsere Partei"), der beachtliche 16,96 Prozent einfahren konnte.

Die endgültige Entscheidung wird die für den 15. November angesetzte Stichwahl zwischen Sandu und Dodon bringen, da am Sonntag kein Kandidat die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnten.

Dodon versprach engere Beziehungen zu Russland

Sandu war von Juni bis November 2019 Ministerpräsidentin, bevor ihre Regierung gestürzt wurde. Sie steht für einen proeuropäischen Kurs, während der seit 2016 amtierende Dodon als Verbündeter der russischen Regierung gilt.

In Russland wurde die Wahl aufmerksam beobachtet. Kreml-Chef Wladimir Putin hat die Hoffnung auf einen erneuten Wahlsieg Dodons geäußert. Der 45-jährige Dodon hatte im Wahlkampf weiterhin enge Beziehungen zum "strategischen Partner" Moskau versprochen und sich dafür ausgesprochen, Russisch zum Pflichtfach an den Schulen zu machen.

Ärmstes Land Europas

Die rund 3,2 Millionen Wahlberechtigten konnten zwischen acht Bewerbern auswählen. Nach Angaben der Wahlkommission herrschte in den Wahllokalen im Ausland großer Andrang. Neben Deutschland sei dies etwa in Kanada, Israel, Frankreich, Italien und Spanien der Fall gewesen. Viele Moldauer haben ihre Heimat wegen fehlender Perspektiven verlassen. Die frühere Sowjetrepublik gilt als das ärmste Land Europas.

Das Land liegt zwischen der Ukraine und Rumänien im Spannungsfeld zwischen Russland und der EU. Es steckt sich seit der Unabhängigkeit 1991 in einer Dauerkrise: Das Grenzgebiet zur Ukraine östlich des Flusses Dnestr hat sich als Transnistrien faktisch abgespaltet. Dort hat Russland Truppen mit UN-Mandat stationiert. Auch mit dem autonomen Gebiet Gagausien kommt es bisweilen zu Spannungen.

EU oder Russland

Dodon sagte Medienberichten zufolge bei seiner Stimmabgabe, er habe für Entwicklung, Frieden, Stabilität und für eine ausgewogene Außenpolitik gestimmt. Das Land ist gespalten zwischen jenen, die an den Beziehungen zu Russland festhalten wollen, und denen, die eine Annäherungen an die EU wollen. Dafür hatte sich Sandu ausgesprochen.

Bei ihrer Stimmabgabe sagte die 48-Jährige: "Ich habe für einen Staat gestimmt, der Korruption bekämpft." Sie habe das Gefühl, das "die Dinge nach dieser Präsidentenwahl besser werden". Die Menschen sollten "an die Macht der Abstimmung glauben". Zudem rief sie Wähler auf, Verstöße bei der Abstimmung zu melden. Es gab Berichte über Unstimmigkeiten. Die Wahlkommission teilte mit, es seien Beschwerden eingereicht worden, die geprüft würden.

Moldau ist wegen der Corona-Pandemie noch tiefer in eine Wirtschaftskrise gerutscht. Am Wahltag gab es der offiziellen Statistik zufolge mehr als 500 Neuinfektionen. Seit dem Frühjahr habe es damit mehr als 76.000 Fälle gegeben. (APA, 1.11.2020)