Im dritten Quartal verspürte die Erste Group Aufwind, die Risikokosten sind wieder gesunken.
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Die Erste Group hat ihren Gewinn nach neun Monaten nahezu halbiert. Unterm Strich blieben nach drei Quartalen 637,1 Mio. Euro übrig, nach 1.233 Mio. Euro im Vergleichszeitraum 2019. Wegen der Coronapandemie lasten heuer vor allem die Risikokosten auf dem Ergebnis der Bank. Für das kommende Jahr rechnet die Erste Group aber bereits wieder mit leicht rückläufigen Risikokosten.

"In Anbetracht dieser außerordentlichen Krise können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein. Das dritte Quartal entwickelte sich sehr gut", so Finanzchef Stefan Dörfler am Montag. Im dritten Quartal alleine erzielte die Erste Group einen Nettogewinn von 343,3 Mio. Euro, nach 58,5 Mio. Euro im zweiten Quartal 2020. Im dritten Quartal 2019 standen noch 491,1 Mio. Euro zu Buche.

Geringere Vorsorge

Die Ergebnissteigerung für das dritte Jahresviertel ist nahezu ausschließlich auf die geringeren Risikokosten zurückzuführen, teilte die Bank mit. Im dritten Quartal legte die Bank für etwaige Kreditausfälle 195 Mio. Euro auf die Seite, im Vorquartal waren es noch 614 Mio. Euro.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die Bank bei den Risikovorsorgen mit einer Neubildungsquote im Ausmaß von 65 bis 80 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands. Für das kommende Jahr wird aber bereits wieder eine leichte Reduktion der Risikokosten avisiert – jedoch unter der "Annahme, dass staatliche Hilfsmaßnahmen fortgesetzt werden und eine spürbare gesamtwirtschaftliche Erholung einsetzt", so die Bank.

Beim Gewinn rechnet die Bank für das Geschäftsjahr mit einem deutlichen Rückgang des Nettogewinns. Die Harte Kernkapitalquote soll unverändert auf einem hohen Niveau bleiben, aktuell liegt sie bei 14,1 Prozent.

Firmen brauchen Eigenkapital

Für 2021 rechnet die Bank wieder mit einer wirtschaftlichen Erholung in ihren Kernregionen. Nach der Krise wird dann besonders wichtig sein, dass die Unternehmen besser mit Eigenkapital ausgestattet sind.

"Diese Krise ist hart, aber die geht vorbei," sagte Spalt am Montag. Daher müsse man sich bereits jetzt auf die Zeit danach vorbereiten, damit der kommende Aufschwung dann auch mitgenommen werden könne. Der Lockdown sei für alle unerfreulich, aber ein probates Mittel, um die Infektionsrate wieder zu drücken, so Spalt. Man unterstütze die Maßnahmen daher und wolle diese schwierige wirtschaftliche Phase "als Teil der Lösung" begleiten. Bisher habe die Bank im Rahmen der Umsetzung der Regierungsmaßnahmen – vor allem in Form von Kreditmoratorien und staatsgarantierten Krediten – insgesamt 18,4 Mrd. Euro an Volumen mobilisiert.

An dem Dividendenvorschlag von 0,75 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2019 hält die Bank fest. Diese soll bei der Hauptversammlung am 10. November vom Vorstand vorgeschlagen werden. Die Auszahlung könne aber nur unter der Bedingung erfolgen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die Finanzmarktaufsicht (FMA) ihre Empfehlungen, keine Dividenden auszuschütten, anpassen und sofern einer Ausschüttung auch sonst keine rechtlichen Beschränkungen entgegen stehen. Einen Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2020 soll es im Februar 2021 geben. (APA, 1.11.2020)