Gaben landesweit die ersten Stimmen im Wahllokal ab: Bewohner eines Dorfs in New Hampshire.

Foto: AFP / Joesph Prezioso

Nun ist es so weit: In wenigen Stunden öffnen in den USA die Wahllokale. Bisher haben rund 100 Millionen Menschen bereits per Brief oder im Voraus gewählt, nun stehen auch die Urnen zur Stimmabgabe bereit. Bis ganz zuletzt haben sich der amtierende US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden ein erbittertes Wahlkampffinale geliefert. Dabei konzentrierten sich beide Kandidaten auf die potenziell wahlentscheidenden Swing-States wie Pennsylvania, Michigan und Florida.

Beendete seinen Wahlkampf dort, wo er ihn begonnen hatte: Joe Biden in Pennsylvania.
Foto: AFP / Jim Watson

"Es steht verdammt viel auf dem Spiel"

Joe Biden kehrte in seinen Heimatstaat Pennsylvania zurück und hielt zum Wahlkampfabschluss eine Rede vor dem Football-Stadion in Pittsburgh. "Ihr habt es in der Hand, unser Land zu verändern", rief er seinen Unterstützern zu, die an diesem Abend in ihren Autos vorgefahren waren. "Morgen können wir eine Präsidentschaft beenden, die hart arbeitende Amerikaner in der Kälte hat stehen lassen. Morgen können wir eine Präsidentschaft beenden, die das Land gespalten und die Flammen des Hasses angefacht hat." Vor seiner Rede spielte die Popsängerin Lady Gaga, die einen passenden Pullover mit dem Aufdruck "Joe" trug.

Gaga for Joe: die Sängerin bei ihrem Auftritt in Pittsburgh.
Foto: Reuters / Kevin Lamarque

Biden hatte sich in der letzten Phase des Wahlkampfs auf den Westen des hart umkämpften Staates Pennsylvanias konzentriert. Bei Veranstaltungen am selben Tag hatte er vor schwarzen Wählern in Pittsburgh und Arbeitern in Beaver County gesprochen. "Ich glaube das wirklich: Es steht verdammt viel auf dem Spiel", sagte er.

Der amtierende US-Präsident bei einer von fünf Rallys am letzten Wahlkampftag.
Foto: AFP / Brendan Smialowski

Trump fürchtet "Gefängnisstaat"

Auch sein Kontrahent Donald Trump verbrachte sein Wahlkampffinale zumindest teilweise in Pennsylvania. Am Montagabend hielt er eine Kundgebung in der Nähe von Bidens Geburtsort Scranton ab. Insgesamt fünf Veranstaltungen in vier Bundesstaaten absolvierte der amtierende US-Präsident am letzten Wahlkampftag. Dabei griff er wiederholt den Supreme Court an, der am Freitag entschieden hatte, dass Pennsylvania auch nach dem Wahltag noch Briefwahlkarten auszählen kann. "Diese Entscheidung ist physisch gefährlich", sagte er vor Unterstützern. Sie würde Wahlbetrug Tür und Tor öffnen und das ganze Land gefährden, so Trump. "Das wird zu Gewalt in den Straßen führen", hatte er zuvor getwittert.

Befürchtungen vor Unruhen gibt es schon länger. In der aufgeheizten Stimmung vor dem Wahltag vernagelten Geschäftsinhaber in mehreren Großstädten sicherheitshalber ihre Läden. Trump hat wiederholt gefordert, der Sieger müsse noch in der Wahlnacht klar verkündet werden. Seine Forderung – für die es keine rechtliche Grundlage gibt – nährte Befürchtungen, dass sich Trump womöglich vorzeitig zum Sieger erklären könnte.

Angst vor Unruhen: Ein Laden in Manhattan wird verbarrikadiert.
Foto: Reuters / Brendan McDermid

Abseits der angeblichen Möglichkeit von Wahlbetrug, die Trump bereits den ganzen Wahlkampf über beschwört, war das bestimmende Thema nach wie vor die Corona-Pandemie. Trump warf Biden vor, die USA mit neuen Corona-Auflagen in einen "Gefängnisstaat" verwandeln zu wollen. "Eine Stimme für Biden ist eine Stimme für Lockdowns, Entlassungen und Elend", sagte Trump vor Anhängern bei einem Auftritt im Bundesstaat Michigan.

USA haben weltweit die meisten Corona-Toten

Biden hat keine neuen Lockdowns angekündigt, sondern versprochen, im Falle seines Wahlsiegs bei der Bekämpfung der Pandemie auf Wissenschafter zu hören. "Wenn ich zum Präsidenten gewählt werde, werden wir Covid unter Kontrolle bekommen", versprach Biden seinen Anhängern in Pennsylvania. "Es ist Zeit, dass Donald Trump seine Koffer packt und nach Hause geht", so Biden weiter.

Trump behauptet täglich, die USA hätten die Corona-Pandemie fast überstanden, und es sei Zeit, alle Auflagen zu lockern, damit sich die Wirtschaft wieder voll erholen könne. Die Zahl der Neuinfektionen ist aber zuletzt wieder deutlich angestiegen, im Schnitt auf rund 80.000 pro Tag. In den USA sind bisher mehr als 231.000 Menschen nach einer Infektion gestorben – mehr als in jedem anderen Land der Welt. (Ricarda Opis, APA. 3.11.2020)