Netflix ist seit 2018 Teil der Motion Picture Association und trägt deren Grundwerte mit.

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Dank VPNs (Virtual Private Network) oder DNS-Maskierung (Domain Name System) ist es möglich, Streaming-Services aus anderen Ländern zu konsumieren. Das kann verschiedene Gründe haben. Leute wollen für Inhalte nicht zahlen oder aber bestimmte Inhalte sind in manchen Ländern einfach nicht vorhanden. Solche Dienste sind der Motion Picture Association (MPA) schon länger ein Dorn im Auge, weshalb man jetzt verstärkt dagegen vorgehen will.

Die MPA repräsentiert viele der größten Hollywood Studios wie etwa Disney, Universal oder Warner Bros. und hat sich unter anderem dem Schutz von Copyrights und dem Kampf gegen Piraterie verschrieben. 2018 ist zudem Netflix der MPA beigetreten, da die Interessen des Streaming-Services sehr ähnlich gelagert sind.

Internet mit Grenzen

Diese Woche hat die MPA ein 85-seitiges Dokument an die US Trade Representative (USTR) geschickt, indem auf die aktuellen Herausforderungen in Sachen Copyright-Schutz hingewiesen wird. Einer der Hauptpunkte in diesem Jahr sind die angesprochenen "circumvention services", die Inhalte in Ländern freigegeben, die dort nicht lizenziert sind.

So kann jemand in Österreich ein VPN nutzen, um zum Beispiel HBO-Inhalte schauen zu können, obwohl es den Dienst hierzulande nicht gibt (klammert man die lokale Partnerschaft zwischen Sky und HBO einmal aus). Andere Beispiele wären Netflix-Inhalte, die sonst nur in anderen Ländern auf Netflix zugänglich wären, generell Inhalte, die in einzelnen Ländern mit anderen Partnern lizenziert wurden, usw. Dieses Vorgehen torpediere lokale Deals, beklagt die MPA, und solle deshalb verboten werden.

Charles H. Rivkin ist CEO der Motion Picture Association und Antreiber der aktuellen Forderungen.
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Schwierige, rechtliche Umstände

VPNs generell zu sperren ist nicht möglich, haben sie doch auch andere Anwendungsgebiete. Deshalb spricht die MPA in ihrem Dokument auch noch andere Probleme an, mit denen sie zu kämpfen haben. "Einige deutsche Domain-Name-Registrars (Unternehmen, die Registrierungen von Internet-Domains durchführen) zeigen sich unkooperativ und bieten einen sicheren Hafen für Plattformen wie Pirate Bay," schreibt die MPA.

Bereits im August konnten viele "Release Groups" (Gruppe von Menschen, die urheberrechtlich geschützte Medien kopieren und im Internet veröffentlichen) durch einen gezielten Polizeieinsatz ausgeschaltet werden, zeigt sich die MPA erfreut. Allerdings befürchte man neue Gruppierungen, die nachfolgen könnten.

Vorsichtig optimistisch

Generell fordert die MPA eine größere Kooperationsbereitschaft von staatlichere Seite. Einziges Positivbeispiel im Bericht sei Australien, das in den letzten Jahren einige rechtliche Verschärfungen im Kampf gegen Online-Piraterie vorgenommen hat. (red, 04.11.2020)