An den verschiedenen Tatorten legten Menschen Kerzen und Blumen nieder.

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Sie sind es, über die berichtet werden soll: jene Männer und Frauen, die am Montagabend bei dem Terroranschlag in Wien getötet wurden. Den STANDARD erreichen dieser Tage viele Nachrichten, in denen gebeten wird, diese Menschen zu würdigen.

Von der Polizei werden die Identitäten nicht bekanntgegeben – aus Respekt vor Familie und Angehörigen. Fest steht: Zwei Männer und zwei Frauen – drei Österreicher, eine Deutsche – sind durch den Anschlag am Montag getötet worden. Durch Bestätigungen am Arbeitsplatz, aber auch durch Bekannte oder Freunde sind einige Details zu den vier Personen bekannt.

Getötet am Arbeitsplatz

An der Adresse Ruprechtsplatz 1 befindet sich das Restaurant Salzamt. Dort arbeitete eine junge Frau neben ihrem Kunststudium als Kellnerin. Während des Anschlags war sie im Dienst. Die deutsche Staatsbürgerin erlag im Spital ihren schweren Verletzungen.

Die Universität für angewandte Kunst bestätigte am Mittwochvormittag den Tod der 24-Jährigen. Auch ein anderer Student der Uni wurde angeschossen, er sei mittlerweile aber außer Lebensgefahr. "All unsere Anteilnahme, unsere Trauer und unser Mitgefühl gelten der Familie, den Freunden und Freundinnen der Verstorbenen. All unsere Gedanken und unsere Wünsche sind mit dem verletzten Studenten", heißt es in einer Stellungnahme der Uni auf Facebook. Die Hochschule, die sich ebenfalls im ersten Bezirk befindet, hat am Mittwoch schwarze Fahnen gehisst.

Die Mitstudierenden und Unterrichtenden seien zuerst informiert worden, sagt Andrea Danmayr, Pressesprecherin der Uni, zum STANDARD. Man organisiere gemeinsame Gesprächsrunden und psychologische Hilfe, sowohl vor Ort als auch – aufgrund von Corona – online. Nähere Angaben zu der jungen Frau wolle man nicht machen. "Wir wollen das nicht ausschlachten und denken dabei an die Angehörigen. Aber natürlich ist Klarheit notwendig." An der Uni kenne quasi jeder jeden – auch wenn man unterschiedliche Klassen besuche.

Mahnwache in Korneuburg

Nexhip V. wurde 1999 geboren und spielte gerne Fußball, seit 2010 hat er beim FC Bisamberg gekickt. Das schreibt der Islamwissenschafter Rami Ali auf Twitter, der Kontakt zur Familie hat.

Der Österreicher wohnte in Korneuburg. Am Dienstagabend hielten Freunde dort eine Mahnwache für den 21-Jährigen ab. Die Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser erinnert sich aus ihrer Zeit als Direktorin der polytechnischen Schule an den Mann, der – wie der Täter – nordmazedonische Wurzeln hatte. "Er war ein lustiges Kerlchen, sehr beliebt und ganz ein Lieber. Manchmal war er ein bisschen goschert, aber nie ungut", sagte sie den "Niederösterreichischen Nachrichten".

Auch V. dürfte den lauen Herbstabend in der Innenstadt genossen haben. Er stand gerade vor einem Lokal, als der Täter bewaffnet durch die Gassen lief.

Schwere Stunden für Arbeitskollegen

Um eine 44-jährige Frau und langjährige Mitarbeiterin der Firma Tribotecc wird ebenfalls getrauert. Das bestätigte der Vorstand des Mutterkonzerns Treibacher der "Kleinen Zeitung": "Wir sind alle schockiert und zutiefst bestürzt. Jetzt geht es vor allem darum, die Angehörigen des Opfers bestmöglich zu unterstützen", sagt Rene Haberl. Auch bei Tribotecc gebe es momentan psychologische Unterstützung für die Arbeitskolleginnen und -kollegen. Die Situation sei für alle schwierig, sagt der Vorstand. Mehr Informationen will auch er aus Respekt vor der Familie nicht geben.

Der Arbeitsplatz der Frau liegt direkt an den Tatorten von Montagabend. Sie erlag ihren schweren Verletzungen in der Klinik Ottakring.

39-jähriger Mann vor Fast-Food-Lokal

Das vierte Opfer ist ein 39-jähriger Österreicher chinesischer Abstammung. Der Mann war Restaurantbesitzer. Er wollte Gäste und das Personal in Sicherheit bringen und beim Zusperren der Tür wurde er mehrfach angeschossen – er starb noch an Ort und Stelle.

Bei der Polizei sind außerdem insgesamt 22 Verletzte aktenkundig, 13 (inklusive des 28-jährigen Polizisten) davon erlitten Schussverletzungen. (Lara Hagen, 4.11.2020)