Der unsichere Ausgang der US-Wahl erhöht offenbar wieder die Nachfrage nach alternativen Anlegemöglichkeiten.

Foto: REUTERS/Benoit Tessier

Frankfurt – Die Hängepartie bei der Stimmenauszählung in den USA treibt einige Anleger in Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyberwährung stieg in der Nacht auf Donnerstag um rund vier Prozent auf rund 14.400 Dollar (12.300 Euro). Damit war ein Bitcoin so teuer wie zuletzt beim Hype zum Jahreswechsel 2017/18.

Wegen des unsicheren US-Wahlausgangs griffen einige Investoren auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten zu Kryptowährungen, sagte der Analyst Timo Emden von Emden Research zu dem jüngsten Kursanstieg des Bitcoins. Allein im Oktober hat der Bitcoin rund 30 Prozent gewonnen. Noch im März war der stark schwankende Kurs im Sog der Corona-Krise unter 4.000 Dollar gefallen. Außerdem profitieren Kryptowährungen von den kürzlich veröffentlichten Plänen des US-Zahlungsdienstleisters Paypal.

Paypal beflügelt Kurs

Ende Oktober machte die digitale Währung einen ordentlichen Sprung nach oben. Als Auslöser galt die Ankündigung von Paypal, seinen Kunden die Verwendung von Kryptowährungen zu ermöglichen. Anleger hoffen, dass der Schritt der kommerziellen Verwendung von Digitalwährungen einen Schub versetzen wird. Die Nachricht folgte auf andere positiv aufgenommene Neuigkeiten wie die Einrichtung eines Bitcoin-Fonds durch die große Investmentgesellschaft Fidelity im Sommer.

Das Potenzial, den Handel mit Cyberdevisen massentauglich zu machen, ist da. Weltweit sind 26 Millionen Händler an die Plattform angeschlossen, es gibt 346 Millionen Nutzerkonten, allein im zweiten Quartal wurden Zahlungen von 222 Milliarden Dollar abgewickelt. In den kommenden Wochen sollen zunächst Kunden in den USA Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin kaufen, verkaufen und aufbewahren können. Ab Anfang 2021 sollen auch Bezahlvorgänge möglich sein. In andere Länder soll bald expandiert werden.

Doch nur Marketingcoup?

Die Euphorie werde aber bald verpuffen, vielmehr sei dem kalifornischen Konzern ein guter Marketingcoup gelungen, sagt Michel Rauchs, Autor mehrerer Studien der Universität Cambridge über Kryptowährungen und Blockchain. "Niemand will doch wirklich mit Kryptowährungen bezahlen. Jeder will es behalten, um von einer möglichen Preissteigerung zu profitieren."

Schon seit Jahren bieten bekannte Unternehmen wie der Laptop-Hersteller Dell oder der Touristikkonzern Expedia auf ihren Onlineshops Bezahlmöglichkeiten für Bitcoin an. Doch genutzt wird das Angebot kaum. Auch bei den Paypal-Rivalen Robinhood und Square, die auf ihren Plattformen seit 2018 Cyberdevisen akzeptieren, handeln Nutzer das digitale Geld, nutzen es aber nicht zum Bezahlen. "Als Währung wird Bitcoin bislang fast ausschließlich im Darknet benutzt", sagt Tim Swanson, Marketingleiter bei der Blockchain-Softwarefirma Clearmatics.

Hinderlich sind nach Meinung von Branchenkennern vor allem eine fehlende Regulierung und die großen Preisschwankungen. "Wer glaubt, dass sich durch Paypal die Haltung der Aufsichtsbehörden bald ändern wird, der könnte eine böse Überraschung erleben", sagt der Analyst Naeem Aslam vom Brokerhaus Avatrade. "Solche Dinge entwickeln sich langsam."

Zentralbanken

Auftrieb erhält das Thema Kryptowährungen auch dadurch, dass immer mehr Zentralbanken über eigene digitale Währungen nachdenken. Allerdings ist die Wirkung derartiger Bemühungen auf existierende Digitalwährungen nicht eindeutig. Zwar erhalten diese durch Überlegungen wie von der Europäischen Zentralbank, einen digitalen Euro zu schaffen, einen Bekanntheitsschub. Allerdings stehen Notenbanken bestehenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether kritisch gegenüber.

Die Erfinder von Bitcoin hatten vor gut einem Jahrzehnt das Ziel, eine von Zentralbanken unabhängige Währung zu schaffen, die rein in der digitalen Welt existiert. Hochleistungschips berechnen komplizierte Algorithmen, und in gewissen Abständen werden die Nutzer, die Rechenkapazitäten hierfür zu Verfügung stellen, mit neugeschaffenen Bitcoin entlohnt. Maximal können 21 Millionen Bitcoins geschaffen werden, derzeit gibt es 18,5 Millionen. Ende 2017 kam das bis damals nur wenig bekannte Digitalgeld in der Öffentlichkeit an, als der Preis innerhalb weniger Tage auf 20.000 Dollar in die Höhe geschossen war. Die Kursschwankungen sind zum Teil extrem, weshalb Aufsichtsbehörden rund um den Globus davor warnen. (and, APA, 5.11.2020)