In New York fordern Demonstranten die komplette Stimmenauszählung.
DER STANDARD

Während es am Mittwoch – dem Tag eins nach der Präsidentschaftswahl – in den USA zu vereinzelten, meist friedlichen Protesten kam, spitzt sich die Lage nun zu. In einigen Großstädten, vor allem in jenen Staaten, in denen die Stimmenauszählung noch andauert, kam es zu Ausschreitungen, etwa in Arizona und Michigan.

Wie angespannt die Situation ist, wird auch durch ein Memo deutlich, in dem das US-Justizministerium den lokalen Behörden einem Medienbericht zufolge erlaubt, bewaffnete Sicherheitsbeamte vor den Wahllokalen zu postieren, in denen noch ausgezählt wird. Die Beamten sollten dort "potenzielle Bundesverbrechen verhindern", heißt es.

In Portland, jener Stadt in Oregon, die schon im Sommer im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste im Fokus stand, wurden in der Nacht (Ortszeit) nach Angaben der Polizei zehn Menschen bei Ausschreitungen im Stadtzentrum festgenommen. Feuerwerkskörper, Hämmer und ein Gewehr wurden dabei beschlagnahmt, die demokratische Gouverneurin Kate Brown versetzte die Nationalgarde in Bereitschaft. Eine Demonstration unter dem Motto "Count Every Vote" (Zählt jede Stimme) wurde von der Polizei aufgelöst, nachdem einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fensterscheiben eingeschlagen hatten – womit die Polizei die ansonsten friedliche Kundgebung als "Aufruhr" einstufte.

In New York kam es zu 50 Festnahmen, auch in Atlanta, Detroit und Oakland verlangten Demonstranten lautstark die vollständige Auszählung der Stimmen. In Donald Trumps Heimatstadt New York verbarrikadierte die Polizei derweil die Zugänge zum Trump-Tower an der Fifth Avenue mit Lastwägen – aus Angst vor weiteren Protesten.

In Phoenix, der Hauptstadt des aktuell besonders umkämpften Bundesstaats Arizona, versammelten sich in der Nacht vor dem Maricopa County Elections Department Anhänger Trumps und forderten die Auszählung aller Stimmen – "Zählt meine Stimme". Trump liegt dort ganz knapp hinter seinem Konkurrenten Joe Biden. Die Menge fordert, dass die Auszählung der Stimmen rasch fortgesetzt wird.

In Detroit, Michigan, bot sich nahezu zeitgleich ein anderes Bild: Eine Gruppe von Trump-Anhängern versuchte gewaltsam in ein Wahllokal einzudringen, um die Auszählung der Stimmen zu stoppen, Sicherheitspersonal verhinderte das. Michigan, wo Trump 2016 wichtige Wahlmännerstimmen gewann, ging heuer an Biden.

Die Protestbewegung "Protect the Results", die sich aus 165 Organisationen im ganzen Land zusammensetzt, hat bis Samstag weitere 100 Protestkundgebungen angekündigt. (flon, 5.11.2020)