Äthiopiens Ministerpräsident verfolgt im Umgang mit der abtrünnigen Region Tigray im Norden des Landes eine harte Linie und hat das Militär in das Gebiet geschickt.

Foto: Reuters/TIKSA NEGERI

Addis Abeba – Während der andauernden Militäroffensive der äthiopischen Regierung gegen den militärischen Arm der Regierungspartei der Region Tigray hat Ministerpräsident Abiy Ahmed versucht, die Bedenken der internationalen Gemeinschaft zu lindern. "Sorgen, dass Äthiopien im Chaos versinkt, sind unbegründet und resultieren daraus, dass unser Kontext nicht verstanden wird", twitterte Abiy am Montag.

Äthiopien sei ein "souveräner Staat" mit der "Fähigkeit, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern". Die am Mittwoch begonnene Offensive gegen die TPLF werde bald enden. Reuters berichtete unter Berufung auf Militärquellen von hunderten Toten infolge des Militäreinsatzes in Tigray.

Militärsprecher Mohammed Tssema schrieb auf Facebook, die Luftwaffe gehe "mit Präzision" gegen Ziele vor und würde Märkte, öffentliche Versammlungen und Städte vermeiden. Die TPLF berichtete von mehr als zehn Luftangriffen. "Wir verteidigen weiterhin unser Land", hieß es.

Eskalation eines Machtkampfes

Nach Monaten der Spannungen zwischen der äthiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hatte Addis Abeba am Mittwoch eine Militäroperation gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray begonnen. Am Wochenende stimmte zudem das Oberhaus des Landesparlaments für die Einrichtung einer regionalen Übergangsregierung. Der Beschluss ebnet den Weg für die Absetzung der politischen Führung Tigrays.

Die TPLF war die dominante Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Dies änderte sich, als Abiy 2018 an die Macht kam: Er brachte Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei, der die zuvor in der Parteienkoalition vertretene TPLF nicht beitrat. Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich größere Autonomie.

Unter Abiy – der im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhielt – haben die ethnischen Spannungen und Konflikte in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern zugenommen. (APA, 9.11.2020)