Der Platz, aber auch das Personal auf den heimischen Intensivstationen wird knapp, sagt Barbara Friesenecker von der Uniklinik Innsbruck. Sie hat sich überlegt, wie im Fall einer Überlastung vorgegangen werden soll. Im Bild: eine Intensivpflegekraft in einem Krankenhaus in Madrid.

Foto: Manu Fernandez/AP

Wenn mehrere Personen ein Intensivbett brauchen, es aber nur eines gibt: Wer wird versorgt? In so einem Fall müsste in Spitälern triagiert werden. Das französische Wort "triage" kann mit "sortieren" oder "aussuchen" übersetzt werden.

Die Maßnahmen, die in Österreich aufgrund der Pandemie gesetzt wurden, hat die Regierung vor allem formuliert, um eine solche Situation zu vermeiden. Im Frühjahr hat das funktioniert.

Alter nur einer der Faktoren

Mittlerweile spitzt sich die Lage aber zu, sagt Barbara Friesenecker, stellvertretende Leiterin der Allgemeinen Chirurgischen Intensivstation an der Uni-Klinik in Innsbruck und Vorsitzende der Arge Ethik der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (Ögari). Sie hat sich hier mit Kollegen bereits im März überlegt, nach welchen Kriterien triagiert werden sollte.

Das Alter ist in dieser Checkliste ein Faktor – aber nicht der einzige. Vielmehr sollen auch Begleiterkrankungen, der Willen des Patienten und Beurteilungen, wie aktiv jemand im täglichen Leben ist, ob er gebrechlich ist und Organe bereits erkrankt sind, in eine Bewertung einfließen. Es ist aber auch wichtig, klinisch zu beurteilen, welche Chancen ein Patient hätte, nach einem komplizierten Intensivaufenthalt mit künstlicher Beatmung wieder ohne medizinische Betreuung selbstbestimmt zu leben.

Personalmangel spürbar

Was es für den Einsatz der Checkliste braucht, ist Zeit und Personal – beides sei bereits jetzt Mangelware. "Wir dachten, dass wir – bevor uns die Betten ausgehen – beim Personal einen Engpass erleben. Aktuell ist beides kritisch."

Am wichtigsten sei die Checkliste für Ärzte in den Ambulanzen und auf Intensivstationen – um ihnen Sicherheit zu geben, aber auch um sie vor möglichen juristischen Folgen abzusichern.

Triagiert werde natürlich auch jetzt. "Jeder Notarzt kennt diesen Begriff sehr gut." Bei einem großen Autounfall teile man die Verletzten zum Beispiel nach Farben ein. "Aber wir kennen Triage für so eine Viruserkrankung und vor allem in diesem Ausmaß nicht."

Der Grippevergleich komme oft. "Da hatten wir Patienten an Herz-Lungen-Maschinen. Aber nie und nimmer sind wir in die Nähe der Situation gekommen, wie wir sie jetzt haben."

Die Intensivmedizinerin hofft, dass die jüngsten Maßnahmen bald wirken. "Wir hätten das Papier gerne wieder nur für die Schublade." (Lara Hagen, 11.11.2020)