Fast schon ein wenig triumphal las sich so mancher Bericht über die Weigerung des muslimischen Friedhofs im 23. Bezirk, den Attentäter von Wien zu begraben. Man merkte auch den gesellschaftlichen Druck, den Österreichs Muslime nach dieser unfassbaren Tat dieses jungen Mannes verspüren. Niemand wolle neben einem Mörder liegen, lautete die Begründung der Friedhofsleitung. Dafür wurde sie in manchen Kommentaren, auch auf Social Media, fast gefeiert. Man merkte zumindest die Genugtuung ob dieser Weigerung.

Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdiges Begräbnis.
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Daher sei an dieser Stelle an jenen Polizisten erinnert, der Tage nach dem Terroranschlag im ersten Bezirk die Stelle bewachte, an der der Attentäter von der Polizei ausgeschaltet und getötet worden war. Angesprochen auf die Frage, ob er wisse, warum auch an dieser Stelle Kerzen stehen, antwortete er schlicht: "Auch Terroristen haben Eltern."

Diese so einfache und starke Einsicht sollten sich alle Menschen in diesem Land zu Herzen nehmen. Revanchismus hat in einer zivilisierten Gesellschaft nichts verloren. Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdiges Begräbnis – egal, wie schlimm die Taten waren, die er zu Lebzeiten begangen hat.

Das lehrt im Übrigen auch der christliche Glaube, in den wir gerade jetzt – apropos Integration – auch unsere muslimischen Mitbürger einbeziehen sollten. Nächstenliebe ist nur dann etwas wert, wenn sie auch in schwierigen Zeiten geübt wird. (Petra Stuiber, 13.11.2020)