Am Ende gab es doch noch Grund zur Freude.

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Die Aufgabe am Sonntagabend wirkte insgesamt dankbar. Die Nordiren, am vergangenen Donnerstag daheim im Playoff der EM-Qualifikation nach Verlängerung mit 1:2 an der Slowakei gescheitert, boten in Happel-Stadion eine eher schlechtere B-Elf auf – acht Neue nominierte Coach Ian Baraclough, zumeist aus der zweiten und dritten englischen Liga. Dem stand nahezu das Beste gegenüber, das Österreichs Trainer Franco Foda gegenwärtig aufzubieten hat. Nur vier Mann, die zuletzt beim 3:0 in Luxemburg mitwirkten, begannen auf dem Rasen. Marko Arnautovic, am Samstag zum Kader gestoßen, begann auf der Tribüne.

Kein echter Plan

Ein echter Plan, die erwartet defensiven Nordiren zu knacken, war nicht zu sehen. Ja die Gäste hatten durch Liam Boyce, Stürmer des schottischen Zweitligisten Heart of Midlothian, die erste Chance (8.). Noch die beste Gelegenheit entsprang aber eine patscherte Intervention des Nordiren Shane Ferguson, die Marcel Sabitzer im Strafraum zu Fall brachte. Schiedsrichter Maurizio Mariani aus Italien rührte aber kein Ohrwaschl. Den Nordiren reichte voller Einsatz, um ohne Gegentor in die Pause zu kommen.

Erst nach etwas mehr als einer Stunde brachte Foda Arnautovic für Michael Gregoritsch – Comeback nach einem Jahr für den China-Legionär. Der nicht gerade mutig wirkende Wechsel änderte wenig am zähen, ideenarmen Ringen der Österreicher um Geländegewinn. Mehr Glück hat zunächst Baraclough mit seinem Wechselspieler Josh Magennis. Der Stürmer des englischen Zweitligisten Hull City nützte eine völlig verunglückte Abseitsfalle der Österreicher (Andreas Ulmer!) im Eins-zu-Eins gegen Goalie Pavao Pervan zur auch nicht wirklich verdienten Führung der Gäste, die ihre Chance witterten, dem Abstieg in Liga C der Nations League zu entgehen (75.).

In dieser prekären Situation hatte Coach Foda Wechselglück. Louis Schaub glich nach einem Gestocher im Strafraum aus (abseitsverdächtig), der ebenfalls neu im Spiel befindliche Adrian Grbic hatte eine Flanke von Stefan Lainer zum Legionär des FC Luzern verlängert (81.). Für die Entscheidung sorgte Grbic, sonst in Lorient engagiert, selbst. Eine Vorlage von Arnautovic verlängerte er ins lange Eck (87.).

Ob es am Mittwoch, erneut im Happel-Stadion, noch zu einem echten Duell um den Gruppensieg und also um den Aufstieg in die Liga A der Nations League kommt, ist offen. Norwegen kann im besten Fall mit einer Notelf anrücken.

Hilferuf verhallt

Ein Hilferuf von Erling Haaland und Kollegen hatte nämlich Bent Höie völlig kalt gelassen. Der norwegische Gesundheitsminister dachte nicht im Traum daran, seinen bisher so erfolgreichen Kampf gegen das Coronavirus für das Nationalteam oder die europäische Fußballunion (Uefa) aufs Spiel zu setzen. Höie hatte das Ausreiseverbot für die Mannschaft zum für Sonntag geplanten Nations-League-Spiel in Rumänien aufgrund eines positiven Coronatests bei Außenverteidiger Omar Elabdellaoui von Galatasaray Istanbul durchgesetzt.

Der längstdienende norwegische Gesundheitsminister kann sich seinen Schritt leisten, schließlich sind die Zahlen auf seiner Seite. Mit 27.000 Fällen und knapp 300 Toten ist Norwegen bisher vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen. Auch die Argumentation des norwegischen Fußballverbandes, wonach alle Spieler außer Elabdellaoui viermal negativ getestet worden waren und bei der Reise strenge Hygienevorschriften geplant seien, half nichts. Die verpasste Partie dürfte von der Uefa mit 3:0 für Rumänien gewertet werden.

Die neusten Meldungen aus Norwegen deuten darauf hin, dass am Mittwoch im Happel-Stadion eine Notelf antreten könnte, die aus Spielern zusammengestellt wird, die sich nicht in Quarantäne befinden. Dass nur Elabdellaoui in Oslo bleiben muss, die restlichen 18 Legionäre im Kader zwar nicht zum Spiel in Rumänien, aber in die Länder ihrer jeweiligen Arbeitgeber fliegen durften, um sich dort zu isolieren, verstärkte den Grimm innerhalb der Truppe des schwedischen Teamchefs Lars Lagerbäck. (Sigi Lützow, 15.11.2020)

Fußball-Nations-League (Liga B, Gruppe 1, 5. Runde):

Österreich – Nordirland 2:1 (0:0). Wien, Ernst Happel Stadion, keine Zuschauer erlaubt (wegen Coronavirus-Pandemie), SR Mariani (ITA)

Tore:
0:1 (74.) Magennis
1:1 (81.) Schaub
2:1 (87.) Grbic

Österreich: Pervan – Lainer, Dragovic (46. Ranftl), Hinteregger, Ulmer (78. Grbic) – Baumgartlinger (78. Schaub), Ilsanker – X. Schlager, Sabitzer, Alaba – Gregoritsch (63. Arnautovic)

Nordirland: McGovern – McLaughlin, Ballard (83. Cathcart), Flanagan, Ferguson (36. Lewis) – Smith, McNair, McCann (83. Davis), Dallas – Boyce (62. Whyte), Washington (62. Magennis)

Gelbe Karten: Dragovic (am Mittwoch gegen Norwegen gesperrt), Sabitzer bzw. Boyce