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Es ist ein wichtiges Jahr für Konsolenspieler. Vor einer Woche wurden die neuen Xbox Series X und Series S veröffentlicht, zwei Geräte mit unterschiedlicher Leistung. Dazu gesellt sich am 19. November die Playstation 5, ebenfalls in zwei Varianten. Viel Auswahl für Gamer, weshalb man gut informiert in die Kaufentscheidung gehen sollte.

Pandemie gegen Verfügbarkeit

Neben einer weltweiten Pandemie kämpfen die vier neuen Konsolen auch mit fehlenden Exklusivtiteln und geringer Verfügbarkeit. Irgendwie hängen die Punkte auch zusammen. Zahlreiche Games wurden wohl auch wegen Covid-19 nicht rechtzeitig zum Start fertig und deshalb auf 2021 verschoben. Damit schwinden eigentlich die stärksten Argumente, sich eine neue Konsole zu kaufen – die Exklusivtitel.

Da steht sie, die Xbox Series X.
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Ungeachtet dieser Tatsache gibt es aktuell kaum einen (Online-)Store, bei dem man die Hardware überhaupt kaufen kann. Sicher auch dank jener Menschen, die die Konsolen lediglich deshalb gekauft haben, um sie dann auf den diversen Wiederverkaufsplattformen für horrendes Geld an verzweifelte Seelen zu verscherbeln.

Vier Konsolen sollt ihr sein

Um für den Endkonsumenten die Auswahl nicht zu einfach zu machen, bringen beide Hersteller jeweils zwei Konsolen auf den Markt. Microsoft nennt seine Auswahl Xbox Series S und Series X. Die X ist ab sofort die stärkste Konsole auf dem Markt, hat sogar um rund 20 Prozent mehr Prozessorleistung als die PS5 – zumindest auf dem Papier. Mit der X bekommt man moderne Hardware, 1 TB Speicherplatz und ein Gehäuse, das an kleine PC-Tower erinnert. Die S ist das Sparmodell, hat etwas weniger CPU- und wesentlich weniger Grafikleistung. Auch auf ein Laufwerk und die Hälfte des Speicherplatzes muss man bei der günstigen Xbox verzichten. Dafür kostet die Konsole statt 499 nur 299 Euro.

Die zwei PS5-Varianten unterscheiden sich im Preis und in der Möglichkeit, Disks abzuspielen.
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Sony kontert mit zwei von der Hardware her identischen Modellen. Man kann lediglich entscheiden, ob man ein Laufwerk eingebaut haben will (499 Euro) oder auf dieses verzichten kann (399 Euro). SSDs haben dankenswerterweise alle vier Konsolen verbaut, weshalb der Sprung nach vorne dieses Mal eindeutig in kürzeren Ladezeiten erfahren werden darf.

Fühlt sich gut an

Beide Konsolen liefern dieses Jahr ihre besten Controller ab. Während es bei der Xbox eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängermodells geworden ist, funktioniert dieses zusätzlich auch wunderbar am PC. Der neue Dualsense-Controller der Playstation 5 ist wesentlich innovativer und glänzt mit haptischem Feedback und adaptiven Schultertasten. Beides zusammen lässt Spiele intensiver wirken. Das Spannen eines Bogens wird gefühlt, genau wie ein Hieb des Gegners, der den eigenen Schild trifft. Man darf gespannt sein, was sich Entwickler hier noch einfallen lassen.

Der Controller der PS5 ist das augenscheinlichste Stück "Zukunft" im Next-Gen-Zirkus.
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"Software sells Hardware"

Solange es Exklusivtitel gibt, so lange wird man an eine bestimmte Plattform gebunden sein. Das Gros an Blockbustern gibt es für beide Konsolen. Assassin's Creed, Call of Duty, Cyberpunk 2077, Fifa. Wer nur solche Games bevorzugt, dem kann hier nicht geholfen werden. Wer allerdings God of War oder Uncharted liebt, der muss auf der Playstation bleiben, ob er will oder nicht. Fans von Halo und Forza haben ebenfalls keine Wahl – abgesehen von einem PC. Dort erscheinen alle Xbox-First-Party-Titel zusätzlich.

Microsoft geht zudem einen völlig anderen Weg als Sony. Während auf der Playstation weiterhin die neuen Topgames für rund 80 Euro erstanden werden müssen, setzt die Xbox auf den Game Pass, der für rund zwölf Euro alle Microsoft-Games am ersten Tag kostenlos ins eigene Abo verfrachtet. Aktuell etwa Gears Tactics, die komplette Halo-Franchise oder dank EA Play die bekanntesten Sporttitel der letzten Jahre – abgesehen von den aktuellsten Ablegern.

"Cyberpunk 2077" als dezidierte Next-Gen-Version erscheint erst 2021. Von den schnelleren Ladezeiten profitiert ihr aber jetzt schon.
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Die Zukunft

Wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickelt, ist schwierig vorherzusagen. Bleibt der Game Pass bei den besagten zwölf Euro, oder erhöht Microsoft den Preis, sobald die ersten Kracher 2021 aufschlagen? Wie wird sich PS Now entwickeln, der Cloud-Gaming-Service der Playstation? Nimmt Sony irgendwann auch aktuelle Spiele ins Portfolio, um sich mit Microsoft direkt zu messen, oder vertraut man weiterhin auf den Einzelverkauf? Wie sehr wird Streaming in den nächsten Jahren eine Rolle spielen, und wann werden die ersten Pro-Modelle der PS5 und Xbox Series X/S erscheinen?

Die zwei Xbox-Konsolen im Vergleich. Links Series S, rechts Series X.
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Fazit

Eine klare Antwort auf die Frage, welche Konsole für jeden User besser geeignet ist, kann man pauschal nicht beantworten. Die Xbox Series S ist tatsächlich aufgrund des geringen Speicherplatzes und der schwächeren Hardware primär als Zweitkonsole geeignet. Die Xbox Series X und die PS5 sind starke Geräte, die uns hoffentlich über die nächsten sechs bis acht Jahre viel Freude bereiten werden. Mit oder ohne Laufwerk im Falle der PS5.

Der Game Pass von Microsoft ist richtig stark. Von kleinen Indie-Titeln bis hin zu Blockbustern überrascht der Service jeden Monat aufs Neue. Wer sich von Abomodellen und der damit verbundenen Verpflichtung, monatlich zu zahlen, nicht abschrecken lässt, der bekommt damit tatsächlich das vielzitierte "Netflix für Spiele".

Fans geselliger Multiplayer-Spiele müssen sich ohnehin an ihrem Freundeskreis orientieren. Crossplay, also das Spielen über Plattformgrenzen hinweg, wird zwar von EA und Activision Blizzard zunehmend ernst genommen, aber verlassen kann man sich darauf noch nicht. Wer sich gar nicht entscheiden kann und primär Solo-Abenteuer spielt, der fragt sich, ob er die Sony-exklusiven Titel wie God of War, The Last of Us oder Ratchet and Clank unbedingt braucht. Diese Antwort hilft im Idealfall bei der Entscheidung, welche Konsole in den nächsten Wochen im jeweiligen Wohnzimmer stehen soll. Sofern man das Glück hat, eine zu bekommen. (Alexander Amon, 17.11.2020)