Da brutzeln die Pflanzen.

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Das hat wahrlich nicht lange gedauert: Keine sieben Jahre nachdem Beyond Meat – gemeinsam mit Impossible Foods einer der bekanntesten Fleischersatzproduktehersteller – sein erstes Hühnerfleisch-Imitat auf den Markt gebracht hat, scheinen die vegetarischen Alternativen langsam, aber sicher im US-amerikanischen Mainstream angekommen zu sein. Einer neuen großangelegten Studie des Marktforschungsinstituts Packaged Facts zufolge greift mittlerweile fast ein Viertel der US-Amerikaner zu pflanzenbasierten Fleisch-, Fisch- und Meeresfrüchtealternativen. 23 Prozent gaben an, diese regelmäßig zu erwerben. Am beliebtesten ist Rindfleisch. Untersucht wurden das Konsumverhalten seit 2018.

Losgetreten worden sei die Welle an Fleischersatzprodukten, die in ihrer Herstellung deutlich weniger Ressourcen verbrauchen und dadurch meist auch deutlich umweltfreundlicher sind, von vegetarisch und vegan lebenden Menschen. Mittlerweile ziele man aber vor allem auch auf sogenannte Omnivore ab, die versuchen wollen, weniger Fleisch zu essen. Neben der Coronavirus-Krise habe in den vergangenen Jahren die Kritik an der menschlichen Nutztierhaltung im Allgemeinen stark dazu beigetragen, dass sich immer mehr Menschen vom Fleischkonsum abwenden. Der Corona-Effekt ist kaum zu übersehen: Die Nachfrage nach dem "Pflanzenfleisch" stieg seit Beginn der Gesundheitskrise um 35 Prozent.

Die anfängliche Neugier habe viele Menschen die Fleischersatzprodukte ausprobieren lassen. Ganz scheint dieses Interesse jedenfalls noch nicht gesättigt. Immerhin 37 Prozent der Menschen, die bislang keine pflanzenbasierten Fleischersatzprodukte gekauft hatten, gaben an, für den Erwerb selbiger offen zu sein. Tatsächlich dürfte der Fleischkonsum in den Vereinigten Staaten heuer pandemiebedingt erstmals seit 2014 wieder schrumpfen. Grund dafür ist allerdings auch das geringere Einkommen vieler US-Amerikaner.

Urban, gebildet und nicht weiß

Aber wer ist nun der durchschnittliche Fleischersatzkäufer? Tendenziell stammen die Konsumenten eher aus dem Westen, sind wohlhabend, gehören einer Minderheit an, leben in einer Beziehung und sind männlich. Neben Menschen, die sich um eine gesündere Ernährung sorgen, sind es vor allem auch solche, die sich um den rasant voranschreitenden Klimawandel sorgen, so die Studie.

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Der ganz große Run auf die Fleischersatzprodukte ist in Österreich jedenfalls noch nicht ausgebrochen. Auch wenn die Supermarktketten schön langsam ihre Produktpaletten erweitern, liegt der wertmäßige Anteil von Fleischersatzprodukten im Jahr 2019 noch nicht einmal bei einem Prozent. Auch dieser dürfte für 2020 aber wohl noch steigen.

Was das Weltklima und auch zahlreiche Tiere und Tierliebhaber dieser Welt freuen dürfte: Die theoretische Bereitschaft, zu pflanzlichen Fleischersatzprodukten zu greifen, ist in zahlreichen Staaten einer Epsos-Umfrage von 2018 zufolge noch weitaus höher als in den USA. Die bevölkerungsreichen Staaten China und Indien zeigen dabei sogar die größtmögliche Bereitschaft, diese Produkte auszuprobieren.

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Die Branche boomt jedenfalls, und manche Unternehmensberater zeigen sich gar euphorisch. Bei A.T. Kearney glaubt man, dass bis 2040 nur mehr 40 Prozent des "Fleischkonsums" tatsächlich geschlachtete Tiere zugrunde liegen – der Rest würde bis in 20 Jahren demnach aus pflanzenbasierten Ersatzprodukten oder gezüchtetem Fleisch kommen. (faso, 19.11.2020)

DER STANDARD