Vor einer Woche forderten Mitarbeiter der angeschlagenen Billigfluglinie vor dem norwegischen Parlament staatliche Unterstützung.

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Eine Boeing 737 der Norwegian in Riga.

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Dublin/Oslo – Die hochverschuldete norwegische Fluggesellschaft Norwegian beantragt Gläubigerschutz für Tochterunternehmen in Irland. Nach dem Entschluss der norwegischen Regierung, keine weitere Unterstützung zu gewähren, und im Zuge der Coronakrise leite man einen Restrukturierungsprozess für die in Irland ansässigen Töchter Norwegian Air International Limited und Arctic Aviation Assets DAC sowie für einige Töchter von Arctic Aviation Assets DAC ein, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Bei dem Verfahren nach irischem Recht ("examinership process") bekommen strauchelnde Unternehmen für eine gewisse Zeit Gläubigerschutz. So können die Geschäfte zunächst unter Aufsicht weiter betrieben werden, sodass eine Umstrukturierung ermöglicht werden kann.

Ziel des Ganzen sei es, Schulden zu reduzieren, die Flotte anzupassen und sich neues Kapital zu sichern, erklärte die ums Überleben kämpfende Billigfluggesellschaft. Der Prozess schütze die Vermögenswerte der Gläubiger und erlaube dem Unternehmen zugleich, sich auf die Umstrukturierung zu konzentrieren. Geschätzt werde, dass dieser Prozess bis zu fünf Monate dauern werde.

Flotte wird restrukturiert

"Unsere Absicht ist klar", erklärte Konzernchef Jacob Schram. "Wir werden aus diesem Prozess als finanziell sicherere und wettbewerbsfähigere Airline mit einer neuen Finanzstruktur, einer restrukturierten Flotte und einem verbesserten Kundenangebot hervorgehen."

Norwegian kämpft seit Monaten mit großen wirtschaftlichen Problemen: Im Zuge ihres jahrelangen Expansionskurses hat die Airline Schulden in Milliardenhöhe angehäuft und muss zudem mit den Folgen der Corona-Krise für die Luftfahrtbranche fertig werden. Die Norwegian-Aktie ist in diesem Jahr um fast 99 Prozent eingebrochen. Tausende Mitarbeiter sind beurlaubt worden, derzeit sind nur noch sechs Norwegian-Flieger auf Inlandsrouten in Norwegen in Betrieb.

Die norwegische Regierung hatte vor eineinhalb Wochen mitgeteilt, Norwegian über die bereits bewilligten 3 Mrd. Norwegische Kronen (fast 280 Mio. Euro) an garantierten Krediten hinaus keine weiteren direkten Finanzhilfen zu gewähren. (APA, 18.11.2020)