Immer mehr Menschen begeistern sich für den sanften Wintersport. Dieser Satz wurde von Touristikern in den vergangenen Jahren gebetsmühlenartig vor jeder Saison wiederholt. Falsch ist er nicht, trotzdem fand der laute Skizirkus mehr Beachtung. Die Corona-Krise könnte das heuer ändern.

Das Kölner Institut Rheingold hat vor wenigen Tagen für die Österreich Werbung erhoben, wie potenzielle Gäste den kommenden Winterurlaub verbringen wollen. Auf gar keinen Fall beim Après Ski heißt es in der Studie, dafür mit gemütlichen Alternativen wie Eisstockschießen oder Nachtwandern. Aufs Skifahren gänzlich verzichten will aber kaum jemand. Man erwarte sich nur, dass Abstandsregeln vor Skiliften, in Gondeln oder Hütten vom Personal durchgesetzt werden.

Im Murtal kann man sich auf 120 Kilometern speziellen Pfaden mit Schneeschuhen fortbewegen.
Und wenn man nicht weiß, wie? Von Jänner bis März werden auch geführte Touren angeboten.
Foto: Steiermark Tourismus/Herbert Raffalt

Ob und wann diese Wintersaison starten kann, ist indes völlig ungewiss. Man scheint sie noch nicht abgeschrieben zu haben, die heimischen Regionen und Skigebiete bereiten sich allesamt auf eine Öffnung im Dezember vor. Die meisten Urlauber wollen aber noch das Ende des Lockdown abwarten, ehe sie buchen. Vielleicht geben heuer wieder ein paar mehr von ihnen dem sanften Winter eine Chance – etwa hier:

Ohne große Bespaßung in kleinen Skigebieten

45 Pistenkilometer hat gleich einmal ein Skiberg. Aber eine eigene Sternwarte? Stellt auf der Kärntner Gerlitzen das Hotel Pacheiner zur Seite. Auch nicht selbstverständlich: Man kann dort oben eine Skirunde mit 36 Pistenkilometern und über 5.300 Höhenmeter absolvieren, ohne die Ski abzuschnallen.

www.gerlitzen.com, www.pacheiner.at

Die Gerlitzen Alpe in Kärnten bietet bei Tag tolle Panoramen.
Foto: Kärnten Werbung/Franz Gerdl

Die Bergeralm im Tiroler Wipptal ist das "weltweit führende Skigebiet mit weniger als 30 Pistenkilometern". Die Auszeichnung klingt lustig, bedeutet aber: keine überfüllten Pisten, kaum Wartezeiten am Lift und dennoch reichlich Fahrspaß für Familien wie für Könner. Wer von dort einen Ausflug nach Innsbruck machen will, kann kostenlos die Öffis benutzen.

www.wipptal.at

Das Salzburger Saalachtal zählt zu den schönsten Almgebieten Österreichs. Mit der Almenwelt Lofer gibt es dort auch ein ansprechendes Skigebiet für Familien. Die Sessellifte sind dort so konzipiert, dass Kinder auch alleine sicher fahren können, die Skipasspreise bewegen sich noch in moderaten Bereichen.

www.skialm-lofer.com

In diesem Winter besonders gefragt:
mit Tourenski oder Schneeschuhen über verschneite Almen zu gehen, um nur ja niemandem zu begegnen.
Foto: Getty Images/bingokid

Schon erstaunlich: Die 42 Pistenkilometer von Kappl im Paznaun sind mit ihrer Lage bis in Höhen von 2.700 Meter nicht nur recht schneesicher, sondern auch abwechslungsreich. Kinder oder Genussfahrer finden hier sehr breite Pisten vor, engagierte Fahrer können hier sogar Ausflüge ins Gelände unternehmen.

www.kappl.com

Die Aufgabe ist folgende: Finden Sie ein Skigebiet im Osten Österreichs, das den Kindern für ein paar Stunden Freude bereitet, aber nicht allzu teuer ist. Im Mostviertel findet man gleich mit den kleinen Skigebieten Forsteralm, Königsberg oder Turmkogel gleich ein paar solcher Exemplare. Das Tagesticket für Erwachsene kostet dort nirgendwo mehr als 30 Euro, Kinder zahlen rund die Hälfte.

www.mostviertel.at/kleine-und-feine-skigebiete

Mit Tourenski abseits der Pisten

Klingt komisch, ist aber so: Wer bewusst abseits der markierten Pisten im Tiefschnee fahren will, kann das am Arlberg auf eigens markierten Routen tun. 200 Kilometer sogenannter Powder-Runs werden dort angeboten – und immer wieder auch Sicherheitstrainings.

www.skiarlberg.at

Früher hieß es Tiefschneefahren, heute Freeriden, auch am Arlberg.
Foto: Skigebiet Arlberg/Sepp Mallaun

2017 wurde der Liftbetrieb auf der steirischen Frauenalpe endgültig eingestellt. Was wiederum die Tourengeher überhaupt nicht stört. Sie haben dadurch ein gut erschlossenes, relatives einfaches und lawinensicheres Ziel dazugewonnen.

www.frauenalpe.com

Mit dem Nockberge-Trail bietet Kärnten "die erste online buchbare Skidurchquerung Österreichs" an. Das bedeutet: In vier Tagesetappen werden die Kärntner Nockberge durchquert, wobei man selbst entscheidet, wo und wann man starten möchte. Alles Transfers und Übernachtungen werden organisiert.

www.nockberge-trail.com

Die Frauenalpe ist kein Skigebiet mehr – was Tourengeher freut.
Foto: Steiermark Tourismus/Tom Lamm

Eine Skitour ohne Tourenski? Ist am Dachstein zur richtigen Jahreszeit möglich. Irgendwann im Spätwinter ist es der Moment gekommen, an dem nicht zu viel und nicht zu wenig Schnee liegt, damit man es in viereinhalb Stunden vom Gletscher bis hinunter nach Obertraun oder Hallstatt schafft.

www.schladming-dachstein.at

Eine Dachsteinüberquerung ist auch ohne Tourenskier machbar.
Foto: Steiermark Tourismus/Markus Rohrbacher

Mit Schneeschuhen durch die Einsamkeit

Das steirische Murtal scheint in den letzten Jahren der Trapper-Hotspot Österreichs geworden zu sein: Im Jänner 2021 soll dort bereits zum vierten Mal ein Schneeschuhfestival stattfinden, bis März stehen ganze 40 Programmpunkte im Zeichen dieser Fortbewegungsart. Ein super Gebiet zum Lernen!

www.aufschneeschuhwandern.at

Bergwanderführer Pepi ist schon weit über die Grenzen des Nationalparks Hohe Tauern bekannt für seine Schneeschuhtouren. In der Regel bietet er sie von Dezember bis März an und folgt dabei gerne den winterlichen Tierspuren im Hochgebirge. In Heiligenblut geht es etwa in luftige Höhen und zu den Steinböcken, anderswo folgt man der Fährte von Schneehasen.

www.skihohetauern.at/winterwandern

Winterliche Tierspuren folgen im Nationalpark Hohe Tauern.
Foto: Kärnten Werbung/Rauschendorfer

Im 30 Kilometer langen Raurisertal mit seinen fünf Seitentälern gibt es ziemliche viele wildromatische Ziele für Schneeschuhstapfer; den Talschluss Kolm-Saigurn etwa oder den Rauriser Urwald. Zweimal pro Woche bietet ein Ranger auch geführte Touren an.

www.raurisertal.at

Landschaften zum distanzierten Langlaufen

Durch die Zugspitzarena führen 130 Kilometer Loipen.
Foto: Tirol Werbung / Kathrein Verena

Die Tiroler Zugspitzarena verfügt über eine tolle Kombi für Langläufer: Einige der Loipen liegen so hoch, dass sie trotz der vielen Sonnenstunden nicht gleich dahinschmelzen. Und mit 40 Kilometern Länge bietet die Arena-Loipe auch viel Auslauf in einem Stück.

www.zugspitzarena.com

Die Berge um Saalfelden und Leogang sind Alpinskifahrern ein Begriff. In den vergangenen Jahren hat sich dort auch ein dichtes Netz an Loipen entwickelt – 150 Kilometer sind es insgesamt. Zurück zum Start kommen Langläufer immer kostenlos mit dem Skibus.

www.saalfelden-leogang.com

Ein ziemlich schneesicherer Tipp für Langläufer ist das Osttiroler Defereggental. Meist von Ende November bis Ende April bleiben die Loipen mit sonniger Höhenlage und herrlicher Bergkulisse gespurt.

www.defereggental.eu

Winterliches, einmal ganz ohne Ski

Europas größte Natureisfläche, der Weißensee, friert jedes Jahr recht pünktlich ab Ende November zu. Danach kümmert sich ein Eismeister um die Pflege von 25 Kilometer Eislaufrundbahnen und um die Eistockbahnen und Eishockeyplätzen. Für sieben Euro pro Tag kann man den gesamten Eis-Spielplatz nutzen.

www.weissensee.com

In allen Jahren ein Spielplatz aus Eis: der Weißensee.
Foto: Martin Steinthaler

Mindestens 40 Minuten Fahrzeit für 14 Kilometer – welches Fahrzeug könnte das sein? Dass man nicht gleich an eine Rodel denkt, liegt vermutlich an der Dauer dieser Fahrt. Auf der angeblich längsten beleuchteten Rodelbahn der Welt am Tiroler Wildkogel kann man ganze 1.300 Höhenmeter rodelnd überwinden, die Lichter gehen immer erst um 22 Uhr aus.

www.wildkogel-arena.at

Treffen Sie so wenig andere Menschen wie möglich, heißt es immer wieder. Das gilt vermutlich auch für den Biathlon-Schnupperkurs in St. Ulrich am Pillersee. Jeden Donnerstag und Freitag können Amateure dort in zweieinhalb Stunden um 60 Euro die Grundfertigkeiten dieses Sports von einem Profi erlernen.

www.sinus-sportadventures.at

Seit 2019 gibt es in der Tiroler Region Seefeld einen Weitwanderweg, der ganz auf den Winter zu geschnitten ist. In vier Tagen geht es mit Gepäckservice und drei Übernachtungen durch tief verschneite, einsame Berglandschaften.

www.seefeld.com

Verstecken spielen in heimeligen Unterkünften

Nur wenige Tage durfte die Fuchsegg-Lodge seit der Eröffnung im Oktober Gäste beherbergen. Aber sobald dieses sechsteilige Gebäudeensemble im Bregenzerwald wieder aufsperren darf, wartet dort: viel Platz in der Natur, ein Outdoor-Pool auch im Winter und die Lage direkt am Skigebiet Schetteregg.

www.fuchsegg.at

Neu im Bregenzerwald: Die Fuchsegg-Eco-Lodge
Foto: Fuchsegg/Monsisi

In Gastein ist mit dem Herzwies ein alpines Versteck entstanden, das die Auszeit auf der Alm, Skiurlaub und komfortable Gemütlichkeit verbindet. Von der Almsuite ist es nur einmal Umfallen bis ins Private Spa, noch ein paar Schritte weiter vor die eigene Tür und man ist auf der Piste – oder bereits auf über 1.200 Meter Seehöhe, um die Skitour zu beginnen.

www.herzwies.at

Wer bei einsamen Refugien für den Winter immer nur an die Alpen und rustikale Hütten denkt: In der Südsteiermark kann man sich in verschneiten Weinbergen stilvoll in einem aufgemotzten Stadl, einem Winzerhaus oder Weinstöckl verschanzen. Pures Leben nennt sich das Konzept für private Nesterln zum Kuscheln, in die auch feines Essen geliefert wird.

www.puresleben.at (Sascha Aumüller, 23.11.2020)