Im vergangenen Geschäftsjahr wurde Rapid von den Auswirkungen der Corona-Krise nicht so schwer getroffen, wie ursprünglich erwartet. Das laufende Geschäftsjahr dürfte jedoch eine größere Herausforderung werden.

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Wien – Fußball-Bundesligist Rapid hat die Coronakrise bisher halbwegs glimpflich überstanden. Die Hütteldorfer vermeldeten am Freitag für das Geschäftsjahr 2019/20 ein Minus von 199.107 Euro und einen veranschlagten Umsatz von 42 Millionen Euro. Damit gab es zwar erstmals seit 2011/12 kein wirtschaftlich positives Ergebnis, allerdings fiel der Verlust auch deutlich geringer aus als ursprünglich befürchtet.

Dafür gibt es laut Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek, der im Frühjahr noch vor einem Verlust von bis zu sechs Millionen Euro gewarnt hatte, mehrere Gründe. Einen wesentlichen Beitrag leisteten Spieler, Trainer und Angestellte durch ihren Gehaltsverzicht und die mittlerweile wieder beendete Kurzarbeit. Der Wiener betonte in diesem Zusammenhang, dass es sich tatsächlich um einen Gehaltsverzicht und nicht um Stundungen von Gehältern handelte. "Und es wurde keine Beschönigung durch Vorauszahlungen von Sponsoren durchgeführt."

Positiver Transfersaldo

Weiters wurden Aufwände reduziert, ein positiver Transfersaldo von 5,8 Millionen Euro erzielt und 87.500 Rapid-Schutzmasken verkauft. Sponsoren und Mitglieder hielten dem Club die Treue. Zudem verzichteten 81 Prozent der Abo-Besitzer auf die Rückerstattung für die Geisterspiele in der Vorsaison. "Wir konnten die erste Welle aufgrund des legendären Rapid-Zusammenhalts bewältigen", sagte Peschek.

Die zweite Welle könnte jedoch gravierender ausfallen. "Das vergangene Jahr war herausfordernd, Corona hat aber nur bei einem Drittel der letzten Saison Einschränkungen gebracht. Nun sind wir mit voller Wucht von den Auswirkungen betroffen. Der wirtschaftliche Schaden kann in diesem Geschäftsjahr (Anm.: 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021) durchaus im zweistelligen Millionenbereich liegen", verlautete Peschek.

Allerdings sollte der Verlust durch den Sportligen-Fonds der Bundesregierung abgemildert werden. Aus diesem Topf kommen auch noch nicht näher bezifferte Gelder für das vergangene Geschäftsjahr, die laut Peschek nicht im Geschäftsbericht 2019/20 eingerechnet sind.

Zweifel an 42-Millionen-Umsatz

Ein Umsatz von 42 Millionen Euro, gleichzeitig der vierthöchste in der Vereinsgeschichte, wird sich nach den Angaben von Peschek im laufenden Geschäftsjahr "aller Voraussicht nach so nicht ausgehen". Zwar spielt Rapid diesmal im Gegensatz zum Vorjahr in der Europa-League-Gruppenphase, durch die Geisterspiele bleibt aber ein großes Umsatzplus aus.

Mit Publikum hätte es aus den drei Heimspielen wohl einen Gesamterlös von rund drei Millionen Euro gegeben, vermutete Peschek. Dieser Verdienstentgang kann im Gegensatz zu Abo-Rückerstattungen nicht beim Sportligen-Fonds eingemeldet werden.

Dafür könnte sich Rapid mit Spielerwechseln Luft verschaffen. Von Notverkäufen wollte der Wirtschafts-Geschäftsführer in diesem Zusammenhang aber nicht sprechen. "Transfers gibt es nur dann, wenn es für alle Beteiligten passt." Das Eigenkapital beträgt noch immer knapp 15 Millionen Euro. "Das hilft uns aber nicht unbedingt bei der Liquidität", berichtete Peschek, der auch die kommenden ein bis zwei Jahre als "herausfordernd" bezeichnete und von der "größten Krise des österreichischen Fußballs seit dem Zweiten Weltkrieg" sprach.

Jugendakademie in Planung

Trotzdem laufen die Planungen für eine Errichtung der Jugendakademie weiter. Bis Herbst 2021 ist auf einem Grundstück im Prater der Bau eines Trainingszentrums geplant, das in den Folgejahren erweitert werden soll.

Diesbezüglich hatte der "Kurier" (Freitag-Ausgabe) davon berichtet, dass der milliardenschwere Unternehmer und Rapid-Fan Michael Tojner das Trainingszentrum bauen und Rapid anschließend schenken könnte. Peschek gab sich diesbezüglich zurückhaltend. "Wir befinden uns in Gesprächen mit mehreren potenziellen Partnern und wollen die bestmögliche Lösung finden, aber es gibt keine Vollzugsmeldung." Außerdem stellte Rapids Wirtschafts-Boss klar: "Investorenmodelle sind bei uns überhaupt kein Thema." (APA, 20.11.2020)