Ägyptische Königin mit italienischem Produktionshintergrund: Joseph L. Mankiewicz' Monumentalfilm "Cleopatra" mit Elizabeth Taylor wurde 1962 in der Cinecittá gedreht.

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Die Cinecittà-Studios an der Via Tuscolana am südöstlichen Stadtrand Roms zählen zu den berühmtesten der Filmgeschichte; bis heute umweht sie der Glamour von Regiestars und Schauspiellegenden wie Federico Fellini, Luchino Visconti, Sophia Loren und Marcello Mastroianni. Aber auch berühmte US-Monumentalfilme wie "Ben Hur" (mit Charlton Heston), "Quo vadis?" (mit Peter Ustinov) oder "Cleopatra" (mit Elisabeth Taylor) wurden hier gedreht.

Auf dem 60 Hektar großen Cinecittà-Areal, das auch zwei künstliche Seen umfasst, wurden gigantische Kulissen aufgebaut, bei etlichen Filmen kamen mehrere tausend Statisten zum Einsatz. In ihren produktivsten Zeiten wurde die Römer Traumfabrik auch das "Hollywood am Tiber" genannt.

Cinecittà soll Aktiengesellschaft werden

An diese vergangene Glorie will Italiens Kulturminister Dario Franceschini nun wieder anknüpfen: Mit einer im neuen Staatshaushalt vorgesehenen Finanzspritze von 150 Millionen Euro für einen Filmförderungsfonds und dem Einstieg der staatlichen Investmentbank "Cassa Depositi e Prestiti" (CDP) soll aus den Römer Filmstudios wieder ein "europäisches Hollywood" werden, erklärte Franceschini gegenüber der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore". Um die Beteiligung der CDP zu ermöglichen, soll der derzeitige öffentliche Eigner, das Istituto Luce Cinecittà, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Weil die Staatsbank ein an die Cinecittà angrenzendes Grundstück besitzt, kann die Fläche der Filmstadt glatt verdoppelt werden.

Wirtschaftsmotor Kultur

Die Wiederbelebung der Cinecittà ist Teil einer umfassenden Förderungsstrategie im Umfang von rund einer Milliarde Euro, mit der Franceschini die Kultur zu einem zentralen Motor des wirtschaftlichen Neustarts nach der Covid-Pandemie machen will. "Wir haben gesehen, was es bedeutet, wenn unsere Kulturstädte leer und unsere Kinos, Theater und Konzertsäle geschlossen sind", betonte der Kulturminister schon beim Römer Filmfestival. Während des Lockdowns im Frühling sei der Regierung bewusst geworden, welche Bedeutung die Kultur für ein Land wie Italien habe.

"Die Investitionen in die Kultur und den Tourismus sind eine ökonomische Priorität für die Regierung", sagte Franceschini, der große Wachstumsmöglichkeiten für die italienische Filmindustrie sieht.

Die Cinecittà scheint gut gerüstet für den Aufbruch zu neuen Ufern: Nach jahrzehntelanger Krise, permanenten Finanzproblemen und einer missglückten Privatisierung herrscht in den Studios der Filmstadt seit 2018 wieder Aufbruchstimmung.

Netflix plant Produktionen

Dank der Wiederverstaatlichung und eines Programms von großzügigen Steuerrabatten für die Filmproduzenten, das nun noch deutlich aufgestockt werden soll, ist es den Verantwortlichen gelungen, wieder zahlreiche Film- und Serienproduzenten nach Rom zu locken, darunter auch Netflix. Die Plattform will gleich mehrere Serien in Rom drehen. Der italienische Oscarpreisträger Paolo Sorrentino wiederum hat einen Teil der zweiten Staffel seiner TV-Serie The Young Pope, diesmal unter dem Namen The New Pope, in Cinecittà realisiert.

Die Cinecittà war 1937 unter Diktator Benito Mussolini gebaut worden – für lange Zeit galt sie als größtes Filmstudio Europas. Zunächst wurden vorwiegend faschistische Propagandafilme gedreht. Ihre Blütezeit erlebte die Cinecittà nach dem Krieg, in den 50er- bis 70er-Jahren mit Werken italienischer Meisterregisseure wie Roberto Rossellini, Vittorio de Sica, Luchino Visconti, Ettore Scola und Federico Fellini. (Dominik Straub, 23.11.2020)