Zehntausende Menschen sind bereits aus dem Konfliktgebiet in den benachbarten Sudan geflohen.

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Mekele – Die Anführer der Aufständischen in der abtrünnigen äthiopischen Region Tigray haben ein Ultimatum der Zentralregierung zurückgewiesen. Die Menschen der Region seien für die Verteidigung ihrer Heimat "bereit zu sterben", sagte Debretsion Gebremichael, Chef der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), der Nachrichtenagentur AFP. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte der TPLF am Sonntag ein Ultimatum von 72 Stunden gestellt.

Abiy rief die TPLF auf, sich zu ergeben. Die Armee drohte mit einem Großangriff auf Mekele, die Hauptstadt der Region Tigray und Sitz der Regionalregierung. Die Regierungsstreitkräfte sind nach eigenen Angaben bis auf 60 Kilometer auf Mekele vorgerückt.

Die TPLF-Milizen berichten ihrerseits von militärischen Erfolgen: Sie haben nach eigenen Angaben vom Dienstag die 21. Division der äthiopischen Armee vollständig "zerstört". Die Regierungstruppen hätten Rückschläge erlitten, und Abiy versuche durch das Ultimatum Zeit zu gewinnen, sagte Gebremichael. "Er versteht nicht, wer wir sind. Wir sind Menschen mit Prinzipien und bereit, für die Verteidigung unseres Rechts auf Verwaltung unserer Region zu sterben", sagte der TPLF-Chef.

UN berät über Tigray

Der Uno-Sicherheitsrat will sich am Dienstag erstmals mit den Kämpfen in Tigray befassen. Die Beratungen sind laut Diplomatenkreisen nicht öffentlich, und es ist unklar, ob im Abschluss eine Stellungnahme veröffentlicht wird.

In Tigray gibt es bereits seit Monaten Spannungen. Die dort bisher regierende TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor der aktuelle äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt Abiy nicht an. Anfang des Monats sandte Abiy Streitkräfte nach Tigray, wodurch der Konflikt mit der TPLF vollends entbrannte. Abiy, der für seinen Friedensschluss mit dem Nachbarn Eritrea mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hat die Appelle internationaler Politiker, die Kämpfe einzustellen und einen Vermittler in dem Konflikt zuzulassen, bisher ignoriert.

Hunderte Menschen sind Berichten zufolge bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet worden, Zehntausende flohen aus dem Konfliktgebiet in den benachbarten Sudan. Beobachter befürchten, dass sich die Gefechte ausweiten und die ganze Region destabilisieren könnten. (red, APA, 22.11.2020)