Robert Lewandowski, im Bild von Thomas Müller bejubelt, hat schon vor drei Wochen in Salzburg zweimal für die Bayern genetzt.

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CL-Ticker: FC Bayern vs. FC Salzburg, Mi., 21 Uhr

Große Sorgen und großen Respekt hat Bayerns Coach Hansi Flick vor dem Heimspiel der Champions League am Mittwoch gegen Red Bull Salzburg (21 Uhr, Sky). Beides ist berechtigt, auch wenn die Münchner nach dem 6:2 im Auswärtsspiel vor drei Wochen natürlich wieder hohe Favoriten sind. Dies auch ohne Schlüsselspieler Joshua Kimmich, der wie Jungstar Alphonso Davies länger ausfällt. Der Franzose Corentin Tolisso, der ideale Ersatzmann, fehlt ebenso wie dessen Ersatzmann Bouna Sarr. Beide haben muskuläre Probleme.

Baustelle Abwehr

Da Niklas Süle nach einer Corona-Infektion Trainingsrückstand hat (möglicherweise die gnädige Umschreibung für Übergewicht), Lucas Hernandez am Becken lädiert und Talent Tanguy Nianzou nicht für die Gruppenphase gemeldet ist, hat Flick auch in der unmittelbaren Abwehr eine echte Baustelle. Das ist kein Grund zur Panik, doch die Salzburger haben schon im Heimspiel gezeigt, dass sie den Titelverteidiger offensiv ins Schwitzen bringen können. Vor dem Zusammenbruch mit vier Gegentoren binnen 14 Minuten hatten Dominik Szoboszlai und Kollegen phasenweise eine Hetz mit der gegnerischen Defensive rund um David Alaba. "Das war ein sehr schwieriges Spiel für uns, da hat man die ganze Klasse des Gegners gesehen. Wir brauchen mehr Kontrolle", sagte Leon Goretzka, der quasi den Kimmich geben soll. Salzburg setze seine Gegner "sehr, sehr gut unter Druck" und habe "im Ballbesitz sehr gute und schnelle Lösungen", sagte Flick.

Freilich ist der Trainer trotzdem guter Dinge, dass sich die Bayern mit dem 15. Sieg in der Königsklasse en suite vorzeitig fürs Achtelfinale qualifizieren. Das ernüchternde 1:1 gegen Werder Bremen am Samstag in der Bundesliga soll nur ein einmaliger Ausrutscher im anspruchsvollen Advent gewesen sein.

Bei den Salzburgern spricht nach dem 1:3 im Heimspiel vom Sonntag gegen Sturm Graz niemand von einem einmaligen Ausrutscher. Vielmehr macht das Wort Lektion die Runde, aus der gelernt werden soll. So tönte es auch schon nach der Heimniederlage gegen die Bayern. An seiner mutigen Herangehensweise will Coach Jesse Marsch aber nichts ändern. Mo Camara plädiert dafür, wieder "frech und aggressiv nach vorne" zu spielen: "Das ist einfach unser Stil." Abwehrspieler Maximilian Wöber macht sich auf jede Menge Ungemach gefasst: "Mit unserem Spiel ist es extrem schwierig, 90 Minuten nichts anbrennen zu lassen."

Viele Torgaranten

Daher ist davon auszugehen, dass wieder viele Tore fallen werden. Die Bayern können mit einigem Recht darauf vertrauen, dass ihnen mehr Treffer als den Salzburgern gelingen. Im Gegensatz zum Spiel in Bremen soll Serge Gnabry von Beginn neben Thomas Müller und hinter Robert Lewandowski wirken. Lewandowski, in der Liga mit elf Treffern voran, traf in Salzburg zweimal. Mit einem weiteren Tor holt er in der Liste der besten Champions-League-Schützen den Spanier Raúl Gonzalez ein, der auf 71 Treffer kam. Selbst für den Polen unerreichbar sind Cristiano Ronaldo (130) und Lionel Messi (118), die ja ebenfalls noch nicht fertig sind.

Ein Punkt in München wäre wegweisend, wollen die Salzburger im Europacup überwintern – noch ist theoretisch sogar Rang zwei und also das Achtelfinale der Champions League drinnen, realistisch ist aber Rang drei und der Umstieg in die Europa League. Am 1. Dezember folgt die gewiss kuschelige und vorentscheidende Partie bei Lok Moskau, das in Gruppe B zeitgleich bei Atlético Madrid gastiert. Die Spanier kommen zum Abschluss am 9. Dezember noch nach Salzburg.

Zunächst bringt aber Trainer Marsch nach den Watschen von Sturm fast seinen gesamten "ersten Anzug" aufs Feld der Allianz Arena. Schmerzhaft bleibt das verletzungsbedingte Fehlen von Stürmer Patson Daka. Auch der Japaner Masaya Okugawa fällt aus. Die Fitten fuhren frohen Mutes mit dem Bus ins nahe München. (sid, lü, 25.11.2020)

Champions League, Gruppe A, 4. Runde, Mittwoch

FC Bayern München – Red Bull Salzburg
Allianz-Arena, 21 Uhr, live Sky, SR Grinfeld (ISR)

Mögliche Aufstellungen:

Bayern: Neuer – Richards, Boateng, Alaba, Pavard – Goretzka, Martinez – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski

Ersatz: Nübel – Hernandez, Roca, Costa, Musiala, Sane, Zirkzee, Choupo-Moting

Es fehlen: Kimmich (nach Knie-OP), Tolisso, Sarr (beide Muskelverletzung), Süle (Trainingsrückstand), Davies (nach Bänderriss im Sprunggelenk)

Salzburg: Stankovic – Kristensen, Ramalho, Wöber, Ulmer – Mwepu, Camara, Junuzovic, Szoboszlai – Berisha, Koita

Ersatz: Coronel – Vallci, Farkas, Onguene, Solet, Ashimeru, Okafor, Adeyemi

Es fehlen: Daka (Oberschenkelverletzung), Bernede (Schienbeinbruch), Okugawa (Adduktorenverletzung)

Ebenfalls am Mittwoch: Atletico Madrid – Lok Moskau (21.00)